Gänsebraten mit gutem Gewissen

Gänsemast – woher kommen die Tiere? Servicezeit 19.11.2019 05:06 Min. UT Verfügbar bis 19.11.2020 WDR

Gänsebraten mit gutem Gewissen

Von Anne Debus

  • Zwangsmast in einigen EU-Ländern immer noch erlaubt
  • Bessere Haltungsbedingungen in Deutschland
  • Freilandhaltung und Bio deutlich teurer

Rund 80 Prozent der in deutschen Supermärkten verkauften Gänse kommen aus Polen oder Ungarn. Zwei Länder, in denen es noch immer üblich ist, Gänsen bei lebendigem Leib die Federn auszureißen, um so mehrmals Daunen zu gewinnen.

"Stopfmast" und "Lebendrupf" in Osteuropa

In Polen ist zudem die so genannte Stopfmast erlaubt. Dabei wird den Tieren ein Metallrohr in den Hals gesteckt, um ihnen so große Mengen Futter direkt in den Magen zu pumpen.

Dadurch vergrößert sich die Leber der Gänse bis zum Zehnfachen. Diese "Stopfleber", die "Foie gras", gilt besonders in Frankreich als Spezialität, wo die Stopfmast ebenfalls praktiziert wird.

Zwangsmast nur schwer auszuschließen

Auf vielen Tiefkühlgänsen in Supermärkten findet sich die Aufschrift "Kein Lebendrupf, keine Stopfmast". Das sind allerdings reine Herstellerangaben, sie werden nicht von staatlichen Stellen kontrolliert.

Wer sich absichern will, kann den Mastbetrieb bei der Tierschutz-Organisation 'Vier Pfoten' überprüfen. Sie hat eine Positivliste von Mastbetrieben in Ungarn und Polen erstellt, die sie selbst kontrolliert.

Besseres Haltungsbedingungen in Deutschland

Auch wenn Gänse in Osteuropa nicht zwangsgemästet werden, leben sie oft dennoch in engen Ställen ohne Zugang ins Freie. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt deshalb, Gänse aus Deutschland zu kaufen. Hier leben die Tiere länger und haben in aller Regel Auslauf.

Beim Kauf kann man sich am Siegel 'Freilandhaltung' orientieren. Es garantiert pro Gans beispielsweise mindestens 4 Quadratmeter Auslauf und ist gesetzlich geschützt. "Weidegans" dagegen ist keine geschützte Bezeichnung.

Vorgaben für die Bio-Haltung

Bei Bio-Haltung haben die Gänse mindestens 15 Quadratmeter Auslauf pro Tier, sie bekommen Bio-Futter und dürfen höchstens ein Mal in ihrem Leben mit Antibiotika behandelt werden. So will es die EU-Öko-Verordnung.

Die einzelnen Bio-Anbauverbände in Deutschland gehen in ihren Vorgaben noch darüber hinaus. Bei 'Bioland' zum Beispiel muss den Gänsen als Wasservögel auch eine Möglichkeit zum Schwimmen geboten werden.

Was der Gänsebraten kostet

Die Preise variieren stark. Zur groben Orientierung: Am billigsten sind in der Regel Tiefkühl-Gänse aus Polen und Ungarn, sie bekommt man momentan schon für 6 bis 8 Euro das Kilo. Freilandgänse direkt ab Hof kosten mit 15 bis 20 Euro pro Kilo gut doppelt so viel.

Für Bio-Gänse muss man noch etwas tiefer in die Tasche greifen: Sie liegen zur Zeit bei ungefähr 25 Euro pro Kilo. Das heißt, für eine komplette Bio-Weihnachtsgans muss man mit bis zu 120 Euro rechnen.

Stand: 18.11.2019, 16:21