Woher kommt unser Fisch?

Massentierhaltung unter Wasser Markt 27.02.2019 05:49 Min. UT Verfügbar bis 27.02.2020 WDR Von Edith Dietrich

Woher kommt unser Fisch?

  • Fast 90 Prozent der Weltmeere sind überfischt
  • Makrele verliert MSC-Siegel
  • Übersicht wichtiger Öko-Siegel

Fast 90 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände gelten als überfischt oder gar zusammengebrochen. Das heißt: Es wird viel mehr Fisch gefangen, als auf natürlichem Weg nachwachsen kann. "Die beliebtesten Speisefischarten wie Kabeljau, Lachs, Thunfisch oder Forellen sind tendenziell überfischt. Da muss man genau hinschauen, aus welcher Region dieser Fisch stammt und teilweise auch, mit welcher Methode er gefangen wurde", rät Sandra Schöttner, Meeresexpertin bei Greenpeace.

Makrele verliefert MSC-Siegel

Jüngstes Opfer der Überfischung ist die Makrele. Die könnte schon bald aus den Lebensmittel-Regalen der großen Discounter verschwinden. Denn die Unternehmen haben sich verpflichtet, nur Produkte mit dem MSC-Siegel zu führen - und das hat die Makrele Anfang Februar verloren.

Makrelenbestand stark abgenommen

Rohe Kabeljau-Filets auf einem weißen Teller

Lecker - aber auch nachhaltig?

Grund für den Verlust des Siegels: Laut aktueller Daten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) ist der Makrelenbestand im Nordostatlantik unter seine nachhaltige Mindestbestandsgröße gefallen. Gleichzeitig hätten die Makrelenfischer in den vergangenen Jahren weder ihre Fangmengen auf das wissenschaftlich empfohlene Maß gesenkt, noch sich auf gemeinsame, staatenübergreifende Bewirtschaftungsregeln für den Bestand geeinigt. Das teilte das "Marine Stewardship Council" mit, das über das MSC-Gütesiegel wacht.

Nachhaltig gefangener Wildfisch

Aber welchen Fisch kann man noch guten Gewissens kaufen? Verschiedene Organisationen zertifizieren dafür eine nachhaltige Fischerei. Jede Organisation stellt dabei eigene Kriterien auf, doch die grundsätzlichen Ziele sind stets gleich: Die nachhaltigen Fischereibetriebe sollen Überfischung vermeiden und das Ökosystem schützen, in dem sie fischen. "Die Glaubwürdigkeit eines Gütesiegels hängt sehr stark ab von den Standards, auf denen das Gütesiegel basiert. Insofern ist jedes Gütesiegel nur einzeln zu betrachten", so Greenpeace-Expertin Schöttner. Die drei wichtigsten Siegel für nachhaltige Fischerei in Deutschland sind:

MSC-Siegel

Siegel: MSC Zertifizierte Nachhaltige Fischerei

Der MSC (Marine Stewardship Council) wurde bereits 1997 als gemeinnützige und unabhängige Organisation vom WWF (World Wildlife Fund for Nature) und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet. Zu den Kriterien des MSC für nachhaltige Fischerei gehört natürlich vor allem die Vermeidung von Überfischung, das heißt die Fischereibetriebe dürfen nur so viel aus einem Bestand fischen, dass am Ende immer noch genug "nachwächst". Bei überfischten Beständen muss die Fischerei nachweislich zur Erholung der Bestände führen. Zudem fordert der MSC von nachhaltigen Fischereibetrieben, die natürliche Struktur und Vielfalt des befischten Ökosystems und die darin etablierten Nahrungsketten nicht zu gefährden. Die Kriterien und die Verfahrensweise des MSC wurden zeitweise als nicht weitgehend genug kritisiert.

Siegel Naturland-Wildfisch

Siegel: Naturland-Wildfisch

Naturland ist ein landwirtschaftlicher Erzeugerverband, zertifiziert aber auch einige ausgesuchte Fischereibetriebe, zum Beispiel für Viktoriabarsch, Hering und Thunfisch. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um kleinere, handwerkliche Fischereien, die mit traditionellen Fangmethoden fischen, also zum Beispiel Langleinen oder Stellnetze benutzen. Neben der Vermeidung von Überfischung der genutzten Art und der Schonung des Ökosystems durch beifangarme Fischereimethoden gehören zum Kriterienkatalog von Naturland-Wildfisch auch soziale Standards für die im Fischereibetrieb beschäftigten Menschen.

Friend of the Sea-Siegel

Siegel von Friend of the Sea

Das Friend of the Sea-Siegel (FoS) ist ein internationales Gütezeichen zur Kennzeichnung von Produkten aus nachhaltiger Fischerei und Aquakultur. Es wird vom US-amerikanischen Earth Island Institute vergeben - einer gemeinnützigen Stiftung zur Förderung von Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Nach eigenen Angaben bestätigt es, dass für die ausgezeichneten Produkte weder Fischbestände noch die Meeresumwelt gefährdet und keine ungewollten Arten als Beifang herausgefischt werden. Wie der MSC bezieht sich FoS bei seinen Überfischungs-Kriterien auf die Kriterien der FAO und lässt die Einhaltung seiner Richtlinie durch unabhängige Kontrollstellen überprüfen. Das MSC-Siegel ist für Fischereibetriebe meist kostengünstiger zu haben als das MSC-Siegel, was für kleine Produzenten und in Drittweltländern ein wichtiges Kriterium sein kann. In Deutschland ist FoS-zertifizierter Fisch im Einzelhandel nur vereinzelt zu finden.

"Ökologisch korrekter" Zuchtfisch

Mehrere Organisationen zertifizieren und kontrollieren die Fischzucht in nachhaltigen Aquakulturen. Fische aber auch Krebse sollen dort artgerecht, umweltfreundlich und ressourcenschonend gezüchtet werden. Je nach Siegel und Größe des Betriebs müssen die Züchter mehrere tausend Euro bis hin zu fünfstelligen Beträgen für das Zertifizierungsverfahren zahlen. Die vier wichtigsten Siegel für nachhaltige Aquakultur in Deutschland sind folgende:

Naturland-Siegel für Produkte aus ökologischer Aquakultur

Siegel: Naturland

Naturland zertifiziert auch Aquakulturbetriebe. Das Zertifikat muss jährlich erneuert werden. Die Kontrolleure von Naturland prüfen nicht nur die Bücher sondern nehmen unter anderem auch Teiche und Futterlager in Augenschein - das ist bei anderen Siegeln manchmal nicht der Fall.

EU-Biosiegel für Aquakultur-Erzeuger

EU-Biosiegel für Aquakultur-Erzeuger

Seit 2009 wird das EU-Biosiegel für Aquakultur vergeben, wenn die Produkte gemäß der EG-Öko-Basisverordnung VO (EG) Nr. 834/2007 erzeugt wurden. Die Verordnung schreibt geringere Besatzdichten als im konventionellen Bereich vor und schränkt den Einsatz von Medikamenten ein. Gentechnisch veränderte Organismen sind verboten. Das Fischmehl muss aus verantwortlichen Quellen kommen - wobei dies vergleichsweise dehnbar gehandhabt wird. Kritiker monieren, dass die Verordnung teils höhere Besatzdichten erlaubt als andere Organisationen und dass sie kritische Chemikalien gestattet, zum Beispiel zur Imprägnierung von Netzgehegen.

ASC-Siegel für nachhaltige Aquakultur

ASC-Siegel für nachhaltige Aquakultur

Der ASC (Aquaculture Stewardship Council) wurde 2009 vom WWF und der niederländischen IDH (The Sustainable Trade Initiative, eine von der niederländischen Regierung gegründete unabhängige Stiftung zur Förderung von Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung in Landwirtschaft und Industrie) gegründet. Sein Siegel ist sozusagen das "Schwestersiegel" des MSC, das für nachhaltige Fischerei steht, und wird gerade auf dem deutschen Markt eingeführt. Zu den ASC-Kriterien für nachhaltige Aquakultur gehören: Schutz der Biodiversität und Wasserqualität der Gewässer in bzw. an denen die Aquakulturen liegen, tiergerechte Besatzdichten, streng geregelter Medikamenteneinsatz, Fischmehl und -öl im Futter aus verantwortlichen Quellen und keine gentechnisch veränderten Organismen.

Friend of the Sea (FoS)

Siegel von Friend of the Sea

Friend of the Sea (FoS) ist das Nachhaltigkeits-Siegel der US-amerikanischen Organisation Island Earth Institute. In den USA und Europa ist dieses Siegel weit verbreitet, im deutschen Einzelhandel eher selten zu finden. Zu den FoS-Kriterien für nachhaltige Aquakulturen gehören unter anderem der Schutz kritischer Lebensräume, wie Mangroven oder Feuchtgebiete, sowie die Einhaltung bestimmter Wasserqualitäts-Standards. Auf schädliche Antifouling-Mittel, gentechnisch veränderte Organismen und Wachstumshormone müssen FoS-zertifizierte Züchter komplett verzichten.

Stand: 27.02.2019, 11:18