Gesunde Ernährung: Wie sollen Produkte gekennzeichnet werden?

Obst und Gemüse liegt an einem Präsentationstand aus.

Gesunde Ernährung: Wie sollen Produkte gekennzeichnet werden?

Von Tobias Brunner

  • Ministerin stellt Ernährungsreport 2019 vor
  • Gesunde Ernährung ist 91 Prozent der Deutschen wichtig
  • Wie können Produkte besser gekennzeichnet werden?

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am Mittwoch (09.01.2019) den aktuellen Ernährungsreport vorgestellt, der jährlich die Essgewohnheiten der Deutschen beleuchtet. Demnach ist 91 Prozent der Befragten eine gesunde Ernährung wichtig.

Doch nicht immer ist auf den ersten Blick ersichtlich, ob ein Produkt wirklich gesund ist. Beim Thema Ernährung wird deshalb auch seit Jahren über eine bessere Kennzeichnung der Nährstoffe diskutiert.

Lebensmittelampel als Orientierung

Bislang stehen auf den Verpackungen nur die Inhaltsstoffe und Nährwerte. Die Bundesregierung hat in Ihrem Koalitionsvertrag Anfang 2018 beschlossen, diese Kennzeichnung weiterzuentwickeln und gegebenenfalls einfacher darzustellen.

Eine Möglichkeit dafür wäre die Lebensmittelampel. Sie kategorisiert die Nährwerte mit den Farben rot, gelb und grün – je nachdem ob verhältnismäßig viel oder wenig davon enthalten ist. So sollen Kunden leichter erkennen können, ob in einem Produkt etwa besonders viel Zucker oder Salz steckt.

Klöckner will bis Sommer 2019 Plan erarbeiten

Klöckner hatte eine solche Ampel bereits zu Beginn ihrer Amtszeit abgelehnt. Ihr Ministerium will bis zum Sommer 2019 ein neues Modell erarbeiten, um Nährwerte zu kennzeichnen. Dafür sollen auch Erfahrungen aus dem Ausland ausgewertet werden.

Eine belgische Lebensmittelampel

Belgische Lebensmittelampel

Denn in Großbritannien gibt es bereits seit Jahren eine Lebensmittelampel, Belgien zog 2018 nach. Und Frankreich hat einen sogenannten Nutri-Score entworfen, der aus günstigen und ungünstigen Nährwerten gebildet wird. Nach diesem wird ein Produkt auf einer Farbskala mit fünf Stufen bewertet.

Verbraucherzentralen für Nutri-Score

Dieses Modell favorisieren auch die Verbraucherzentralen – wenngleich sie bereits die Einführung einer Ampel begrüßen würden. „Studien haben gezeigt, dass der Nutri-Score besonders gut verstanden wird und Verbraucher gesünder einkaufen“, sagt Carolin Krieger von der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Industrie kritisiert alle Kennzeichnungen

Kritik an allen Modellen kommt hingegen vom Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL. "Wir befürworten das aktuelle System mit Nährwerten auf der Verpackung und lehnen eine farbliche Kennzeichnung ab", sagt Manon Struck vom BLL. Diese würde Verbrauchern keinen Mehrwert bieten.

Im Gegenteil: Kunden könnten falsche Rückschlüssen ziehen und ein Produkt nicht kaufen, weil sie die rote Kennzeichnung einer einzelnen Kategorie überbewerten und die positiven Aspekte ausblenden.

Ministerin Klöckner will sowohl Lebensmittelwirtschaft als auch Verbraucherschützer mit in die Planung einbeziehen, um gemeinsam bis Sommer das neue Modell zu erarbeiten.

Stand: 09.01.2019, 16:25