Was ist Männern und Frauen beim Essen wichtig?

Fit und gesund: Genderfood Servicezeit 23.09.2019 04:56 Min. UT Verfügbar bis 23.09.2020 WDR Von Iris Rohmann

Was ist Männern und Frauen beim Essen wichtig?

  • Doppelt so viele weibliche Vegetarier wie männliche
  • Frauen achten mehr auf Kalorien
  • Kochen macht fast allen Spaß

"Genderfood" im Supermarkt: Das sind Produkte der Nahrungsmittelindustrie - angeblich speziell für Männer oder Frauen. Ob "gefällig, lieblich, weiblich" oder das Pendant "kernig, würzig, männlich", ob kleine Seejungfrau-Smarties für Mädchen oder Supermann-Astronauten für Jungen, ob krosse Chips für traktorfahrende Kerle oder fettreduzierte Protein-Crisps. Diese Genderprodukte unterscheiden sich hauptsächlich nur in den Farben: Pink für die Frau; blau, schwarz braun für Männer - und bei der Wahl der Worte.

Dabei gibt es tatsächlich auch Unterschiede in der Ernährung, wie der jährliche Ernährungsreport der Bundesregierung zeigt.

Steak für ihn, Salat für sie?

Ein Steak liegt auf einem Grill

Um die Essgewohnheiten der Deutschen zu erforschen, lässt das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft jedes Jahr 1.000 Bürger nach ihren Essgewohnheiten befragen. Demnach gibt es tatsächlich einen Trend zu eher fleischloser Kost. Gaben 2015 noch 34 Prozent aller Befragten an, täglich mindestens einmal Fleisch oder Wurst zu konsumieren, waren es im vergangenen Jahr 28 Prozent. Und ein Klischee wird bestätigt ...

Um die Essgewohnheiten der Deutschen zu erforschen, lässt das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft jedes Jahr 1.000 Bürger nach ihren Essgewohnheiten befragen. Demnach gibt es tatsächlich einen Trend zu eher fleischloser Kost. Gaben 2015 noch 34 Prozent aller Befragten an, täglich mindestens einmal Fleisch oder Wurst zu konsumieren, waren es im vergangenen Jahr 28 Prozent. Und ein Klischee wird bestätigt ...

..., denn laut Ernährungsreport 2019 sind es vor allem die Männer, die täglich zu Fleisch greifen und zwar 39 Prozent. Von den befragten Frauen gaben nur 18 Prozent an, üblicherweise täglich Wurst oder Fleisch zu essen. Obst und Gemüse stehen eher bei Frauen auf dem täglichen Speiseplan, 80 Prozent essen dies täglich. Bei den Männern sind es 62 Prozent.

Diejenigen, die nicht täglich zu Fleisch oder Wurst greifen, sind aber nicht automatisch Vegetarier oder gar Veganer. Nur 1 Prozent aller Befragten gaben an, sich ausschließlich vegan zu ernähren, 6 Prozent sind Vegetarier. Und die deutschen Vegetarier sind eher weiblich als männlich, 8 Prozent von den befragten Frauen ernähren sich vegetarisch und nur 4 Prozent der Männer.

Dass Frauen sich grundsätzlich gesünder ernähren, lässt sich daraus aber nicht unbedingt ableiten, denn sie greifen offenbar häufiger zu Süßigkeiten oder herzhaften Knabbereien. 25 Prozent der Frauen essen diese täglich - bei den Männern sind es 20 Prozent.

Kalorienarm, preiswert oder gesund? Was ist den Deutschen beim Essen besonders wichtig? Die klare geschlechterübergreifende Antwort: Dass es gut schmeckt, ist 99 Prozent aller Männer und Frauen wichtig. Unterschiede gibt es bei der Frage nach dem Kaloriengehalt und der Zubereitung. Die Kalorienanzahl des Essens finden 41 Prozent der Frauen wichtig und 32 Prozent der Männer. 55 Prozent der Frauen achten darauf, dass das Essen einfach und schnell zuzubereiten ist, dies finden nur 41 Prozent der Männer wichtig.

Dass etwas einfach zuzubereiten ist, ist natürlich beim Kochen wichtig. Und tatsächlich ist es noch so, dass vor allem Frauen mit 51 Prozent deutlich häufiger als Männer angeben, dass sie so gut wie jeden Tag kochen - bei den Männern sind dies 28 Prozent. 16 Prozent der befragten Männer sagten, dass sie in einer gewöhnlichen Woche normalerweise gar nicht kochen, bei den Frauen sagten das nur 5 Prozent.

Wenn es um den Kauf von Alternativen zu herkömmlichem Fleisch geht, geben Männer (40 Prozent) übrigens deutlich häufiger als Frauen (22 Prozent) an, dass sie aus Insekten hergestellte Nahrungsmittel kaufen würden.

Aber: Egal ob männlich oder weiblich, alt oder jung, Ost oder West, die meisten Deutschen kochen gern. Spaß beim Kochen haben 71 Prozent der Männer und 77 Prozent der Frauen.

Fit und gesund: Genderfood

WDR 2 Servicezeit 15.10.2019 03:37 Min. Verfügbar bis 14.10.2020 WDR 2

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Weibliche Schönheit, männliche Kraft?

Die Wirtschaftspsychologin Prof. Kathrin Schütz erforscht die Wirkung der Geschlechter auf das Konsumverhalten. Gedeutet werden die Unterschiede demnach evolutionsbiologisch. "Frauen müssen schön und attraktiv sein, dann werden sie von Männern für den Nachwuchs ausgewählt, daher beschäftigen sie sich mit Attraktivität und Schönheit." Bei Männern gelte hingegen, sie müssten sich besonders gut von Fleisch ernähren, stark sein, die Familie versorgen - das Mammut jagen. Beharrliche Klischees, die von der Werbung zum Beispiel mit "Genderfood" weiter gefördert werden.

Stand: 23.09.2019, 15:13