Virtual-Reality-Cafés: Nur ein Hype?

Virtual-Reality-Cafés: Nur ein Hype?

Von Patrick Gruben

  • "Holocafés" bieten Virtual Reality-Spiele
  • Idee kommt von Hochschulabsolventen
  • Spieleforscher: Zukunft der Technik in anderen Bereichen

Ein Schwein mit Äpfeln füttern, das ist für mich die erste Aufgabe im Düsseldorfer Holocafé. Zuvor haben die anderen Spieler und ich eine etwas unhandliche, schwere Brille und zwei Controller in die Hand bekommen.

Jetzt tauchen wir ab in die virtuelle Realität, bewegen uns in programmierten Welten. Meine Mitspieler sehe ich nur sehr abstrakt als roboterhafte Oberkörper.

Idee von jungen Düsseldorfern

Das neue Holocafé in Düsseldorf

Das neue Holocafé in Düsseldorf

Die Idee zum Holocafé hatten Absolventen der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf. Vor zwei Jahren gab es einen ersten Testlauf mit einem Popup-Store, einem Café auf Zeit für drei Monate. Für das Team war das ein großes Risiko, erzählt Mitbegründerin Jessica Karger. "Aber wir waren überzeugt: Das wird richtig cool."

Die Nachfrage sei tatsächlich riesig gewesen. Am Samstag (01.12.2018) eröffnen die Gründer darum jetzt in Düsseldorf ihr mittlerweile viertes Café, haben dafür auch finanzielle Unterstützung von der Stadt bekommen.

Die Spiele, wie das mit dem Schwein, haben sie größtenteils selbst entworfen. Auf dem virtuellen Bauernhof muss ich jetzt Äpfel aus einem Eimer holen. Wer dem Schwein die meisten Äpfel zuwirft, gewinnt.

Ist der Hype vorbei?

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel bei der Eröffnung des Holocafés mit den Gründern

Düsseldorfs OB Thomas Geisel mit den Gründern

Dass das Café jetzt eröffnet, überrascht mich. Denn für mein Gefühl ist der Hype um Virtual Reality (VR) schon fast wieder vorbei. Vor einigen Jahren waren die VR-Brillen auf der Gamescom noch an jeder Ecke zu sehen, 2018 nur noch selten.

Professor Tim Bruysten von der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf forscht zur Spieltherorie. Auch er sagt: "Wie viele neue Technologien wurden auch Virtual- und Augmented Reality zunächst völlig überschätzt, um nun total unterschätzt zu sein."

Die Gründe liegen für mich auf der Hand: Die Anschaffung ist teuer und die meisten Spiele sind kurz und nur für einen Spieler.

Nichts für den Massenmarkt

Auch Spieleforscher Christian Roth von der Kunsthochschule Utrecht sieht die Zukunft von VR nicht im Wohnzimmer: "Aber im Gesundheitswesen gibt es gute und sinnvolle Anwendungen. Bei kleinen Eingriffen oder Spritzen ist VR bereits eine perfekte Ablenkung für jüngere oder ängstliche Patienten." Der Vorteil des VR-Cafés ist für ihn das Spielen in der Gruppe: "Das ist eine soziale VR-Erfahrung."

Es ist teuer – und es gibt Alternativen

Ein Ausschnitt eines Spiels aus dem Holocafé in Düsseldorf

Ein Ausschnitt eines Spiels aus dem Holocafé in Düsseldorf

Mein Eindruck nach dem Besuch im Holocafé: VR in der Gruppe kann Spaß machen, ist mit etwa zwölf Euro pro halbe Stunde aber ziemlich teuer. Ein wirklich gemeinsames Spielen ist etwa in einem Escape Room eher möglich. Aber für alle, die noch keine Erfahrungen mit virtueller Realität gemacht haben, ist der Besuch sicher ein aufregendes Erlebnis.

Service Netzkultur: Neue Orte für VR-Spielereien

WDR 5 Scala - Netzkultur | 21.09.2018 | 05:42 Min.

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Stand: 28.11.2018, 17:41