App in einem ICE der Deutschen Bahn

Service Computer

Spioniert die Bahn mich aus?

Die Deutsche Bahn streitet sich seit geraumer Zeit mit Datenschützern: Der Verein Digitalcourage will die Bahn verklagen, weil deren App DB Navigator "erhebliche Datenschutzprobleme" aufweise. Die Bahn sieht das natürlich anders.

Welche Probleme es gibt?

Die Datenschützer beanstanden, dass die App Tracker enthält, die Daten der Nutzenden an andere Unternehmen weitergeben. Diese Tracker kann man nicht ausschalten, weil sie von der App als "notwendig" eingestuft. Außerdem: Man hat keine Wahl, denn wenn man heutzutage Bahn fahren will, kommt man ohne diese App nur schwer ans Ziel. Infos zu Zugausfällen oder Verspätungen, Anschlusszügen – alles ist über die App abrufbar. Somit kann man die Existenz der Tracker in der App zwar zur Kenntnis nehmen – will man aber nicht getrackt werden, muss man die App löschen.

Wohin die Daten gehen

Dass die App Tracker enthält, verschweigt die Bahn auch nicht. Aber: Nutzerinnen und Nutzer werden auch nicht explizit darauf hingewiesen. So werden Daten u. a. an ein Analyse-Tool von Adobe in den USA, an diverse DB-Tochterfirmen, an ein Marktforschungsunternehmen sowie an Marketing-Firmen weitergegeben.

Die Bahn sagt aber, dass es sich dabei um pseudonymisierte Daten handele. Das heißt: Jeder bekommt als Nutzerin oder Nutzer eine Nummer – und unter dieser Nummer werden die Daten weitergegeben. Das heißt: Die Analyse-Firma oder die Marktforscher erfahren nicht, wer genau sich hinter der Nummer verbirgt.

Aber: Man kann nicht wirklich nachprüfen, was da im Hintergrund passiert und ob Nutzungsdaten wie Zielbahnhöfe oder mit welchen Zügen jemand fährt, z. B. durch den Kauf eines Tickets schließlich nicht doch einer Person zugeordnet werden können.

Warum die Bahn die Daten will

Die Bahn will wissen: Wer benutzt unsere Züge, was wird nachgefragt – und was nicht? Wie benutzen die Menschen so eine App, welche Funktionen werden oft, welche gar nicht gebraucht? Und außerdem zeigt die App auch Werbung für DB-Produkte an (Bahncard, spezielle Zugangebote etc.). Diese können besser gezielt ausgespielt werden, wenn man weiß, wer die App gerade nutzt.

Immerhin: Die Übermittlung von Standortdaten kann man in der App ausschalten. Dann muss man allerdings immer von Hand eingeben, wo man gerade ist, wenn man nach einem Zug sucht.

Wie es nun weitergeht

Man darf gespannt sein, ob sich Digitalcourage und Bahn vor Gericht treffen oder ob die Bahn doch noch einlenkt. Wobei es derzeit eher danach aussieht, dass es die Bahn darauf ankommen lässt: Digitalcourage hatte der Bahn schon im April mit Klage gedroht – an der App verändert hat die Bahn bisher allerdings nichts.

Autor: Michael Stein
Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 10.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Computer – Spioniert die Bahn mich aus?

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 09.08.2022 06:54 Min. Verfügbar bis 09.08.2023 WDR 5


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