Drei Menschen halten Smartphones in der Hand.

Service Computer

Wie nachhaltig sind moderne Smartphones?

Alle zwei Jahre ein neues Smartphone, das ist alles andere als nachhaltig. Aber kann man die elektronischen Alleskönner überhaupt nachhaltig produzieren? Man kann, mit einigem Aufwand.

Smartphones lassen sich immer schlechter reparieren, bemängeln Verbraucherschützer. So sind etwa die Gehäuse fest verklebt und man kann noch nicht einmal den Akku selber austauschen. Aber es gibt einige wenige Alternativen darunter zwei kleine Hersteller aus Deutschland. Aber: Geht das heute überhaupt ein Smartphone gut reparierbar, fair und nachhaltig zu produzieren?

Geschäftsmodelle verhindern Reparatur

Die großen Hersteller versuchen mehr oder weniger, auf faire Arbeitsbedingungen oder auch geringere Auswirkungen auf die Umwelt bei der Herstellung zu achten. Aber: Unternehmen wie Apple, Samsung, Google wollen vor allem möglichst viel Geld verdienen. Und die Geschäftsmodelle sind darauf ausgelegt, dass wir alle uns möglichst oft ein neues Gerät kaufen. Dinge wie gute Reparierbarkeit oder möglichst lange Lebensdauer eines Gerätes spielen da im Moment keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

Gesetzgeber zwingt Hersteller

Erst jetzt, wo auf EU und Staaten-Ebene entsprechende Gesetze vorbereitet werden, bewegen sich die Konzern-Tanker ein kleines Stück. Aber: Reparaturprogramme, die Hersteller wie Apple oder Samsung zumindest in den USA schon haben, gibt es nur deshalb, weil die Hersteller wissen, dass entsprechende Gesetze kommen. Unterhält man sich mit Insidern, dann hört man, wie sehr die Hersteller versuchen, allzu strenge Regelungen zu verhindern.

Nachhaltige Ausnahmen

Aber es gibt auch Ausnahmen, wobei man die mit der Lupe suchen muss. So verkauft die niederländische Firma Fairphone schon seit Jahren ihre reparaturfreundlichen und möglichst umweltfreundlich produzierten Smartphones. Auch zwei deutsche Firmen gehen diesen Weg: Das "Rephone" gibt sich sehr umweltfreundlich: Die Verpackung kommt ohne Plastik aus, die Rückseite des Smartphones besteht aus recyceltem Kunststoff. Der Akku ist herausnehmbar. Nach eigenen Angaben werden bei der Produktion in Bocholt möglichst wenige Teile aus Asien verwendet.

Nachhaltigkeit mit Grenzen

Die kleine hessische Firma Shiftphone liefert jedes ihrer Smartphones mit einem Schraubendreher, denn man kann das Gerät selber reparieren wenn man will. Dazu werden die Ersatzteile an jeden direkt vom Hersteller verkauft. Reparaturanleitungen findet man im Netz. Man kann außerdem ein auf Android basierendes Betriebssystem aufspielen, das komplett ohne Google auskommt. Kleines Detail: Auf jedem Handy befindet sich ein Aufdruck, der daran erinnert, dass Menschen wichtiger sind als Maschinen und Smartphones echte Zeitfresser sind. Die Shiftphone-Macher sind ehrlich und verraten transparent, dass ihre Geräte in China hergestellt werden allerdings in einer eigenen Manufaktur, in der nach eigenen Angaben dreifach höhere Löhne gezahlt werden als dort in der Region üblich sind. Für Asien habe man sich auch deshalb entschieden, weil die allermeisten Teile (Kamera-Maodule, Prozessoren, Speicherchips etc.) in einem Smartphone in Asien produziert werden und es für die Umwelt besser sei, wenn diese dann auch vor Ort eingebaut werden. Trotz aller Bemühungen gibt die Firma aber zu, dass es nicht möglich sein, die Lieferketten jedes einzelnen Bauteils bis ins letzte Detail bestimmen zu können.

Autor: Michael Stein
Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Computer – Wie nachhaltig sind moderne Smartphones?

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 25.10.2022 05:24 Min. Verfügbar bis 25.10.2023 WDR 5


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