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Service Computer

Machen Apps mein Smartphone unsicher?

Wenn es nach der US-Regierung und der EU geht, soll Apple es künftig zulassen, dass man Apps auch aus anderen Quellen als Apples eigenem AppStore kommen können. Apple sagt, das sei riskant. Stimmt das?

Apple soll künftig zulassen, dass man Apps auch aus anderen Quellen als Apples eigenem AppStore bekommen kann – so wollen es die US-Regierung und die EU. Entsprechende Gesetze stehen sowohl in der EU als auch in den USA vor ihrem Start. Bei Android-Geräten ist es bekanntermaßen schon immer möglich, auch Apps aus anderen Quellen als Googles Playstore zu installieren. Aber Apple sperrt sich dagegen und warnt vor unkalkulierbaren Folgen in Sachen Sicherheit. Aber wird ein Smartphone tatsächlich unsicherer, wenn der Hersteller nicht mehr den Daumen drauf hat? Oder geht es Herstellern wie Apple eher um Kontrolle?

Zugriff verweigern

Apps haben Zugriff auf Daten, die auf einem Smartphone gespeichert sind. Außerdem können sie das Mikrofon oder die Kamera einschalten oder auch die Standortdaten abrufen. Und sie können theoretisch alles, was sie da entdecken, übers Internet an Datensammel-Firmen weitergeben, die damit dann noch genauere Profile von uns anlegen können. Die Daten könnten auch an Kriminelle fließen, die die Daten nutzen, um uns auszuspähen und Betrügereien durchzuführen. Aber: Über die Jahre haben Apple und Google als Hersteller der Smartphone-Betriebssysteme, Sicherungen in die Betriebssysteme eingebaut: Wir Nutzer müssen der App die Berechtigung für den Zugriff auf bestimmte Daten, die Kamera oder das Mikro geben oder verweigern.

Betrügereien fallen auf

Das Problem ist: Apps sind heute so komplex, dass kriminelle Entwickler Funktionen verstecken könnten. Beispiel: Ein Spiel fordert zum Freischalten neuer Level dazu auf, auf eine Schaltfläche zu tippen. Tatsächlich gibt man als Nutzer dadurch aber die Genehmigung, dass das Mikrofon eingeschaltet oder der Standort übermittelt wird. Oder eine App fordert dazu auf, sich in das eigene Bankkonto einzuloggen, um eine Funktion freizuschalten und zu bezahlen. Tatsächlich werden die Daten aber von den kriminellen Entwicklern abgefischt. Das alles würde hoffentlich bei der Überprüfung einer App durch den Hersteller wie Apple oder Google auffallen.

Nicht alles entdeckt

Aber: Wenn ein Hersteller wie Apple prüft, dann werden zwar viele nicht erlaubte Funktionen entdeckt – aber eben auch nicht alle. So hat es bereits Fälle gegeben, wo problematische Apps einfach durch die Prüfung gerutscht sind. Denn diese Prüfung findet zum Teil automatisch, also durch Computer-Software statt. Nur wenn ein Prüfprogramm ein Problem entdeckt, kommt ein Mensch ins Spiel. Apple teilte so kürzlich mit, dass allein 2021 insgesamt 1,6 Millionen Apps und App-Updates mit betrügerischen Funktionen nur im eigenen AppStore entdeckt und entfernt worden seien. Wenn es dann noch Pflicht wird, dass Apps auch aus anderen Quellen, Websites oder alternativen AppStores auf die iPhones kommen müssen, könnte es unübersichtlich werden.

Freie Auswahl

Apple wehrt sich aber gegen die Wünsche der Regierungen auch deshalb, weil das Unternehmen mit den Apps gut verdient. Wenn Apps künftig an dem AppStore vorbei laufen, also aus allen Quellen installierbar sind, dann lässt sich damit kein Geld mehr verdienen. Vermutlich wird es so kommen wie es bei Android schon heute ist: Man kann als Nutzer:in selber entscheiden, ob man das Risiko eingehen will, auch Apps aus vermeintlich "unsicheren" Quellen zu installieren oder nur die vom Betriebssystem-Hersteller kuratierten Apps zu akzeptieren.

Autor: Michael Stein

Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 10.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Computer: Machen Apps mein Smartphone unsicher?

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 26.07.2022 07:07 Min. Verfügbar bis 26.07.2023 WDR 5


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