Tausende von Fake-Bewertungen auf Amazon dokumentiert: Betrug im großen Stil.

Service Computer – Fake-Bewertungen bei Amazon & Co

Dass man nicht alles glauben kann und sollte, was man im Internet liest, ist eine Binsenweisheit. Das gilt auch für Bewertungen in Online-Shops – denn auch hier wird nicht selten gelogen, gefälscht und manipuliert.

Man muss sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass man den Bewertungen in Online-Shops nicht blind vertrauen sollte. Denn jeder von uns orientiert sich nur zu gerne an den Sternchen, die suggerieren, dass der Kindersitz oder das Handy-Ladekabel von vielen Menschen gekauft und für gut befunden wurde. Aber diese Bewertungen sind oft nicht echt. Auch die Online-Händler werden immer mal wieder aktiv.

Bezahlte Bewertung

Zuletzt war es der Online-Riese Amazon: Ungefähr 3.000 Konten wurden gelöscht, die zu etwa 600 chinesischen Händlern gehörten. Der Vorwurf: Die Händler sollen Amazon-Kunden zu ausschließlich positiven Bewertungen aufgefordert haben. Dabei hatten sie verschiedene Maschen: Die Händler erstatteten nachträglich den Kaufpreis für ein Produkt, wenn der Kunde eine positive Bewertung bei Amazon verfasste.

Auch Gutscheine für weitere Käufe wurden verschickt, wenn jemand eine positive Bewertung einstellte. Besonders heikel: Wenn eine Bewertung ursprünglich negativ war, erhielt der Kunde ein Angebot zur Erstattung des Kaufpreises, wenn er die negative Bewertung wieder zurücknahm.

Schwarze Liste

Von der Löschung betroffen sind durchaus große Hersteller, die über Amazon verkauft haben: Die Produkte dieser Firmen sind von einem Tag auf den anderen aus dem Angebot verschwunden. Und weil es so viele auf einen Schlag waren, kann man davon ausgehen, dass Amazon eine Art schwarze Liste mit den betreffenden Händlern hatte.

 Anbieter müssen handeln

Hintergrund der Löschaktion könnte eine EU-Richtlinie aus 2020 sein, die u. a. vorsah, dass Betreiber von Online-Angeboten wie Amazon, Google, Facebook die Echtheit von Bewertungen kontrollieren müssen. Bis 2022 muss diese Vorgabe dann in jeweils nationales Recht umgesetzt sein.

Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag im Juni bereits verabschiedet. Nur die Durchsetzung ist rechtlich sehr schwierig, denn viele Online-Plattformen wie Amazon haben ihren Firmensitz nicht in Deutschland, sondern z. B. in Irland oder Luxemburg. Umso wichtiger ist es also, dass EU-weit gehandelt wird.

Gesunder Menschenverstand

Wenn eine Bewertung nur aus Sternchen, Herzchen oder "Daumen nach oben" besteht, ist es schwierig, eine Fälschung zu entlarven. Bei Textbewertungen kann man mit etwas Übung oft erkennen, dass geschönt oder gelogen wurde. Wenn die Sprache etwa sehr "marketingmäßig" ist (technische Fachbegriffe, sehr werblicher Text, "Preis-/Leistungs-Gigant"), dann könnte die Bewertung falsch sein.

Und auch dann, wenn ein "Käufer" viele Bewertungen ähnlich formuliert hat, könnte das auf eine Fake-Bewertung hindeuten. Prüfen kann man das, indem man beispielsweise bei Amazon auf den Namen eines Bewerters klickt. Man bekommt dann alle  Bewertungen angezeigt, die diese Person bereits geschrieben  hat.

Tipp:

Es lohnt sich auch, gezielt die negativen Kommentare und Bewertungen zu lesen. Diese sind oft interessanter und sagen mehr über ein Produkt aus als die – vielleicht gefälschten – positiven Bewertungstexte.

Autor: Michael Stein

Redaktion: Jan Friese

Service Computer – Fake-Bewertungen bei Amazon & Co

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 02.11.2021 05:49 Min. Verfügbar bis 02.11.2022 WDR 5


Download

Weitere Themen