Service Computer – Digitaler Nachlass

Ein Kreuz liegt auf einem Computer

Service Computer – Digitaler Nachlass

Was passiert eigentlich mit unseren Daten, wenn wir tot sind? Wer schützt diese dann? Werden Facebook-Profil, Twitter-Account oder Nutzer-Konto beim Online-Kaufhaus gelöscht oder kann ich das alles vererben?

Jeder von uns kann in seinem Testament festlegen, was mit seinen Daten nach dem Tod passieren soll. Wenn es kein Testament gibt, dann gelten die gleichen rechtlichen Regelungen für die Dinge, die man anfassen kann (goldene Uhr, Haus, Auto), auch für digitale Daten. Der Erbe darf dann auf die Daten zugreifen und für Schutz der Daten sorgen. Er darf sie nutzen wie seine eigenen – so wie bei einer Uhr oder Geld auch.

Lokale und online gespeicherte Daten

Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen den Daten, die z. B. auf einem Smartphone oder auf einer Festplatte lokal gespeichert sind, und den Daten, die online im Netz liegen (z. B. bei Facebook). Die "lokalen" Daten, also z. B. Fotos,  Adressen etc., die auf Smartphone oder Festplatte meines Rechners gespeichert sind, darf ein Erbe grundsätzlich nutzen, er hat sie geerbt. Eigentlich gilt das auch für online gespeicherte Daten. Ein Erbe darf die Nutzerkonten bei Online-Diensten wie Facebook, Twitter, Amazon, Skype, Paypal etc. einsehen, die Daten dort nutzen oder auch löschen. Er kann sogar das ganze Nutzer-Konto löschen lassen.

AGB regeln die Details

Alle Online-Dienste wie Facebook oder Paypal haben eigene AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen). Diesen AGB hat man selbst zu Lebzeiten zugestimmt. Und diese AGB können das grundsätzliche Recht einschränken oder eigene Regelungen treffen. Im Klartext: Facebook wird sich weigern, die in dem Netzwerk gespeicherten Daten herauszugeben oder zu löschen, weil die AGB das verbieten. Paypal verlangt Gebühren dafür, noch bestehendes Guthaben auf ein anderes Konto zu überweisen als auf das, das dem ursprünglichen Paypal-Kontobesitzer gehört hat.

Schon zu Lebzeiten regeln

Bei Facebook gibt es zwei Möglichkeiten: Das Konto wird in den "Gedenkzustand" versetzt. Das heißt: Man kann dann dort lesen, dass der Nutzer nicht mehr lebt, die Daten bleiben aber erhalten und so einsehbar, wie vorher. Die Beiträge und Fotos bleiben sichtbar für alle, mit denen sie zu Lebzeiten geteilt worden sind. Die zweite Möglichkeit: Wenn der Nutzer zu Lebzeiten das verfügt hat (und nur dann!) wird das Konto gelöscht. Die Details werden in den so genannten "Nachlass-Einstellungen" geregelt – die sollte jeder intensive Facebook-Nutzer sich ansehen.

Das sollte man wissen

  • im Testament auch digitalen Nachlass regeln
  • wenn man rechtlich unsicher ist: Rechtsberater oder digitale Nachlassverwalter beauftragen
  • bei "sozialen Medien" in Einstellungen Regelungen für Todesfall treffen, sofern vorhanden
  • als Angehöriger bzw. Erbe nach dem Tod: offizielle Sterbeurkunde bereit halten, denn diese ist als Beleg nötig

Autor: Michael Stein
Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 10.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Computer – Digitaler Nachlass

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 03.03.2020 06:06 Min. Verfügbar bis 03.03.2021 WDR 5

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