Ein Handy wird auf ein kyrillisches Straßenschild gerichtet, auf dem Diyplay erscheint auf Englisch "Access to City"

Service Computer – Das Handy als Dolmetscher

Hunderttausende Menschen haben nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine ihre Heimat verlassen und sind nach Deutschland gekommen. Und auch wenn viele Menschen helfen wollen: Die Verständigung ist nicht immer leicht. Können Smartphones und Übersetzer-Apps da vielleicht helfen?

Russisch können die meisten Apps

Leider beherrschen nur wenige Übersetzungsprogramme die ukrainische Sprache. Aber: Die allermeisten Ukrainer sprechen und verstehen auch Russisch – und das können eigentlich alle Übersetzungs-Apps. Allerdings könnte das manche Menschen aus der Ukraine vielleicht negativ berühren, immerhin sind sie wegen des russischen Angriffs geflohen. Vielleicht sollte man deshalb darauf hinweisen, dass die benutzte App kein Ukrainisch beherrscht und sich entschuldigen.

Apps verstehen und sprechen Ukrainisch

Es gibt aber auch einige Apps, die Ukrainisch können: Unter anderen sind das iTranslate Voice (kostenpflichtig, 40 Euro pro Jahr) sowie die kostenlosen Apps Google Translate und SayHi. Die drei sind sowohl für IPhones als auch Android-Smartphones zu haben.

Online-Dolmetscher

SayHi kennt 101 Sprachen und funktioniert online. Damit zwei Menschen sich unterhalten können, muss nur einer die App auf seinem Smartphone haben. Eine aktive Internet-Verbindung ist allerdings nötig. Als erstes wählt man die beiden gewünschten Sprachen (also z. B. Deutsch und Ukrainisch). Dann hält man das Smartphone in der Hand oder legt es auf einen Tisch. Auf einem übersichtlichen  Bildschirm sieht man dann zwei verschiedenfarbige 'Knöpfe'. Die Person, die sprechen will, tippt auf den Button 'ihrer' Sprache und spricht dann in dieser eigenen Sprache.

Übersetzung kommt als Tondatei

Diese Eingabe wird als Sprachdatei an den Server des Anbieters geschickt, dort übersetzt und als Tondatei und Text zurückgeschickt. Das Smartphone zeigt das Ergebnis als Text an und spielt die Tondatei ab. Auch die andere Person tippt dann wieder auf "ihren" Button und spricht – wieder wird übersetzt und die Übersetzung abgespielt und angezeigt. So ist mit minimaler Verzögerung fast ein normales Gespräch möglich. Für einige Sprachen (also z. B. Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Chinesisch, Russisch, leider nicht Ukrainisch) geht das sogar automatisch: Sobald jemand spricht, erkennt die App dies automatisch – und auch welche Sprache gesprochen wird.

Mit Daten trainieren

Hinter SayHi steht Amazon, die auf diese Weise ihre Spracherkennungssysteme trainieren wollen, die z. B. auf den smarten Lautsprechern ("Alexa") zum Einsatz kommen. Auch bei Google Translate ist das so. Hier nutzt Google die entstehenden Daten, um ihre Systeme (z. B. Google Home) zu trainieren. Auch die Google-Translate-App funktioniert gut. Die Bedienung ist allerdings deutlich weniger intuitiv. Die App hat recht kleine Symbole und Menüs, was sie in einer konkreten Alltagssituation etwas unpraktisch macht.

Übersetzung per Kamera

Was allerdings sehr praktisch ist: Man kann mit geöffneter Google-Translate-App sein Smartphone auf einen Text halten. Der ist dann automatisch in der anderen Sprache zu sehen. Beispiel: Eine Person aus der Ukraine hält ihr Smartphone vor ein Schild, einen Brief in Deutsch – das Smartphone zeigt den Text in Ukrainisch an. Das kann SayHi zwar grundsätzlich auch, die App ist dabei aber deutlich träger, denn man muss immer erst ein Foto des Textes machen, bevor die Übersetzung startet. Leider kann diese Funktion bei SayHi auch kein Ukrainisch erkennen.

Autor: Michael Stein
Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 10.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

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