Service Computer – bald einheitliche Anschlüsse bei digitalen Geräten?

Ladekabel für unterschiedliche Handymodelle

Service Computer – bald einheitliche Anschlüsse bei digitalen Geräten?

Irgendwann muss der Akku in jedem mobilen Gerät wie Smartphone, Tablet, Smartwatch oder auch die Digitalkamera wieder aufgeladen werden. Noch immer gibt es dabei keinen einheitlichen Anschluss. Das soll sich nun endgültig ändern.

Viele verschiedene digitale Endgeräte - und nur ein Aufladekabel: Das könnte bald Wirklichkeit werden. Die EU-Kommission hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, den allerdings nicht alle gut finden.

Weniger Elektroschrott

In dem Gesetzesvorschlag geht es um die Anschlussbuchse zum Aufladen am Gerät selber. Diese soll künftig einheitlich und verpflichtend bei Funkgeräten wie Smartphone, Tablet, Fitnesstracker oder auch drahtlosen Kopfhörern eine USB-C-Buchse sein. Es handelt sich dabei um den kleinen USB-Anschluss, bei dem es egal ist, wie herum man das Kabel in die Buchse steckt. Das soll dazu führen, dass nicht mehr bei jedem Gerät ein Kabel und ein Ladegerät dabei sein muss. Und unterm Strich soll das zu weniger Elektroschrott führen. Die EU spricht von 980 Tonnen weniger Schrott pro Jahr.

Innovationsfeindlich

Der Branchenverband BITKOM kritisiert, dass diese Verpflichtung eher zu mehr Elektronikschrott führen würde. Wenn nämlich USB-C Pflicht wäre, müssten die Nutzer:innen ihre alten Ladegeräte, die sie schon haben, wegwerfen. Und so eine Verpflichtung würde Innovation verhindern: Neue Technik könnte sich so gar nicht durchsetzen, weil man bei USB-C bleiben müsste.

Völlig kabellos

Außerdem führen Kritiker:innen an, dass bald viele Geräte gar keinen Anschluß mehr zum Aufladen haben würden, denn das kabellose Laden soll sich nach dem Willen der Hersteller schon bald durchsetzen. Aber: Beim kabellosen Laden gibt es Energieverluste, weil ja kein Kabel in einer Buchse steckt. Außerdem: Wenn ein Smartphone keine Anschlussbuchse mehr hat, kann man andere Geräte wie Kopfhörer, Mikrofon, Steuerung für eine Drohne et cetera nicht mehr anschließen.

Extrawurst für Apple

Mittlerweile haben aber ohnehin schon sehr viele Geräte USB-C-Anschlüsse - mit einer großen Ausnahme: Apple bleibt zur Zeit bei iPhones und den Einsteiger-iPads bei ihrer eigenen "Lightning"-Technik. Ein Grund: Apple kassiert von Kabel- oder Zubehörherstellern Lizenzgebühren. Andererseits: Wäre generell USB-C vorgeschrieben, müssten viele Nutzer:innen ihre Lightning-Zubehör-Geräte und -Kabel wegwerfen.

EU platzt der Kragen

Aber es ist der EU ein Dorn im Auge, dass eine Firma wie Apple sich nicht an Absprachen hält. Denn eigentlich hatten sich die Hersteller schon 2009 auf Drängen der EU bereit erklärt, die Anschlüsse zu vereinheitlichen. Das führte von 30 verschiedenen Anschlusstypen zu heute drei Standards bei Smartphones: USB-C, Micro-USB und eben Lightning.

Kompromiss möglich

Ob Apple einlenken wird, lässt sich nicht seriös vorhersehen. Einerseits ist die  EU selbst für Apple ein großer Markt. Andererseits verdient Apple mit Lightning ordentlich. So könnte es wieder auf einen Kompromiss hinauslaufen: Apple könnte beim iPhone bei Lightning bleiben, legt aber einen kostenlosen Adapter auf USB-C bei.

Mehr Regelungen

Übrigens soll in einem weiteren Schritt auch der Anschluss am Ladegerät selber normiert und vorgeschrieben werden. Da gibt es heute nämlich noch viele verschiedene Lösungen, unter anderem USB-A, USB-C und auch Ladegeräte mit fest verbundenem Kabel. Was ebenfalls frühzeitig einheitlich geregelt werden sollte, ist das kabellose Laden. Denn hier deutet sich auch schon an, dass da alle Hersteller wieder ihre eigenen Standardsüppchen kochen.

Autor: Michael Stein

Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 10.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Computer – bald einheitliche Anschlüsse bei digitalen Geräten?

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 05.10.2021 05:48 Min. Verfügbar bis 05.10.2022 WDR 5


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