Apple AirTags

Service Computer: Stalker nutzen Apples Bluetooth-Tracker

Um Apples kleine "AirTags" gibt es in letzter Zeit viel Wirbel. Dabei sollten sie nur einen verlegten Schlüsselbund wiederfinden. Jetzt werden sie von Stalkern missbraucht.

Um Apples kleine Bluetooth-Tracker "AirTags" gibt es in letzter Zeit immer mal wieder Wirbel. Babys können angeblich die internen Batterien verschlucken, und neuerdings entwickeln sich die kleinen Bluetooth-Tracker offenbar zu regelrechten Stalking-Werkzeugen. Dabei soll man eigentlich damit nur einen verlegten Schlüsselbund oder Rucksack wiederfinden können.

Model-Tracker

So fand kürzlich ein Model in den USA einen AirTag nach einem Abend in New Yorker Bars in ihrer Jackentasche. Auf ihrem iPhone war eine Warnmeldung aufgetaucht, dass da ein fremder Tracker wohl schon seit ein paar Stunden in ihrer Nähe sei. Ein Stalker hatte ihr das kleine Gerät wohl heimlich in die Tasche gesteckt. Und der konnte sie seitdem auf seinem iPhone bis zu ihr nach Hause verfolgen.

Bluetooth verbindet

Die Tracking-Technik funktioniert so: In den kleinen Trackern steckt Bluetooth-Funk, was zwei Geräte in einem Umkreis von maximal zehn Metern verbindet. Da es aber so viele iPhones auf der Welt gibt, ist die Chance, dass ein AirTag ein iPhone "trifft", relativ hoch. Der Tracker meldet sich dann bei diesem fremden iPhone per Bluetooth an, und das sendet die Daten über den derzeitigen Standort an Apples Rechenzentrum. Nun bewegt sich der Tracker weiter und begegnet einem anderen iPhone. Auch das meldet den neuen Standort an Apple, sodass der Stalker auf diese Weise den jeweils aktuellen Standort dieses AirTag auf seinem iPhone verfolgen kann.

Eigene Taschen wiederfinden

Eigentlich soll man seine eigenen Gegenstände mit einem solchen Tracker lokalisieren können, wenn man sie verliert oder sie einem gestohlen werden: Das kann ein Rucksack bei der Arbeit, ein Koffer auf einer Reise, eine Handtasche, ein Portemonnaie oder ein Schlüsselbund sein. Manche Menschen statten ihre e-Bikes als Diebstahl-Sicherung damit aus. Jeder AirTag wird dafür mit dem eigenen iPhone und dem eigenen Apple-Nutzerkonto verbunden. Deshalb bekommt ein Stalking-Opfer dann auch einen Hinweis auf seinem Smartphone. Denn der AirTag, der sich da schon längere Zeit in der Nähe befindet, nicht der eigene ist

Lautsprecher soll warnen

Jeder AirTag besitzt einen kleinen Lautsprecher. Der fängt an zu piepen, wenn er längere Zeit nicht mehr mit dem eigenen iPhone Kontakt hatte. Einen gewissen Stalking-Schutz hat Apple also eingebaut, wobei das Piepen recht leise ist. Aber: Mit ein wenig Basteltalent lässt sich der Mini-Lautsprecher lahmlegen. Und jetzt tauchten sogar die ersten AirTags mit deaktiviertem Lautsprecher bei eBay auf - gewissermaßen "Stalking-fertig".

Überarbeitung nötig

Eigentlich sind die kleinen AirTags sehr praktisch, scheinen aber vom Hersteller nicht wirklich zu Ende gedacht zu sein. Vor allem haben die Entwickler offenbar die kriminelle Energie nicht vorhergesehen, die die Möglichkeiten der Geräte bei manchen Menschen freisetzt. Es scheint also sinnvoll zu sein, dass das System überarbeitet wird. So müssen die AirTags etwa erkennen, wenn am Lautsprecher manipuliert wurde. Und schon nach kurzer Zeit muss sich ein "fremder" Airtag mit Ton und Meldung auf jedem Smartphone melden, um potenzielle Opfer zu warnen. Das muss auf Apples iPhones und auch auf Geräten anderer Hersteller möglich sein.

Autor: Michael Stein

Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 10.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Computer: Stalker nutzen Apples Bluetooth-Tracker

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 08.02.2022 06:28 Min. Verfügbar bis 08.02.2023 WDR 5


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