Instagram: Wenn Bilder einsam machen

Instagram-Logo auf einem Handy-Display

Instagram: Wenn Bilder einsam machen

  • Forscher: Sucht nach Anerkennung kann süchtig machen
  • Mobbing im Netzwerk vor allem Problem für Jugendliche
  • Laut Studien bedeutet mehr Instagram-Zeit mehr Einsamkeit

Eine Milliarde Menschen nutzen weltweit Instagram, die Hälfte davon jeden Tag. Von früh bis spät verteilen sie 4,2 Milliarden Likes und 95 Millionen Posts auf der Plattform.

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Besonders beliebt ist Instagram bei Menschen unter 25. Im Schnitt verbringen sie täglich eine Stunde mit der App. Was viele von ihnen erträumen, haben nur einige wenige geschafft: Influencer zu sein und sich von Unternehmen für Posts bezahlen zu lassen. Wer mit Instagram Geld verdienen will, dem müssen wenigstens 50.000 andere Nutzer folgen.

Manche TV-Stars bauen auf ihren Instagram-Profilen ganze Unternehmen auf. Zum Beispiel Kylie Jenner. Wer will, dass die Amerikanerin mit einem bestimmten Produkt auf Instagram posiert, muss dafür schätzungsweise eine Million Dollar hinlegen.

Sucht nach Anerkennung

Was löst Instagram in den Köpfen seiner Nutzer aus? Forscher sagen, dass ein Like auf Instagram ähnlich wirken kann wie ein Schluck Wein bei einem Alkoholiker oder ein Zug an einer Zigarette bei einem Kettenraucher. Schuld ist das Glückshormon Dopamin, das im so genannten Belohnungszentrum unseres Gehirns wirkt. Weil wir von Natur aus nach Anerkennung streben, suchen wir instinktiv nach Momenten, in denen wir Anerkennung bekommen. Auf Instagram können wir geradezu süchtig danach werden. In Deutschland sollen etwa 100.000 Kinder und Jugendliche süchtig nach sozialen Medien wie Instagram sein.

Wer noch abends Stunden auf Instagram zubringt, läuft Gefahr schlechter einzuschlafen. Eine Studie zeigte, dass jeder Dritte, der Instagram häufig nutzt, Schlafprobleme hat. Ein Grund ist das helle Displaylicht, das unserem Gehirn vorgaukelt, es sei Tag. Der Melatoninspiegel, der uns eigentlich schläfrig machen soll, sinkt plötzlich wieder. Dagegen hilft der Nachtmodus, der sich auf einigen Handys aktivieren lässt. Dabei wird der Anteil blauer Lichtstrahlen reduziert. Das Displaylicht wirkt dann weniger wie Tageslicht.

Forscher: Besonders schädlich für Jugendliche

Eine Frau steht in einem Aufzug und schießt ein Selfie

Ein Like für ein Foto sorgt für eine Dopamin-Ausschüttung.

Aber Instagram macht nicht nur schläfrig und abhängig. Wie jede andere Droge, kann es uns auch in sozialer Hinsicht schaden. In einer Studie mit 1.479 Jugendlichen im Alter von 14-24 Jahren ermittelten Forscher Instagram als das schädlichste soziale Netzwerk. Der Grund: Mehr als jeder dritte Nutzer der Plattform gab an, schon einmal auf Instagram gemobbt worden zu sein. Instagram hat auf dem Problem reagiert und einen automatischen Mobbing-Filter auf der Plattform aktiviert, der entsprechende Posts erkennt und zur Überprüfung an einen Mitarbeiter sendet.

Forscher fanden auch heraus: Je mehr Zeit man auf Instagram verbringt, desto einsamer fühlt man sich. Wer seinen Account 58 Mal die Woche checkte, fühlte sich dreimal so einsam wie jene, die nur neunmal die Woche checkten.

Schmerzgrenze bei 30 Minuten pro Tag

Gleichzeitig bedeutete weniger Instagram auch weniger Einsamkeit. Die Forscher ermittelten die Schmerzgrenze bei etwa 30 Minuten pro Tag. Wer mehr Zeit auf Instagram verbrachte, fühlte sich einsamer.

Der Auslöser für die Einsamkeit soll ein Phänomen namens "FOMO" sein. Das ist kurz für "fear of missing out", also: die Angst, etwas zu verpassen. Wer Instagram öffnet, bekommt häufig nicht die Realität zu sehen, sondern eher einen Ausschnitt – und häufig ein Best-of aus dem Leben fremder und befreundeter Personen. Da entsteht schnell mal das Gefühl, selbst überhaupt nichts zu erleben.

Instagram selbst ist dieses Problem bewusst. Sie schrieben uns: "Es ist unsere oberste Priorität, dass Instagram ein Ort bleibt, an dem die Menschen sich gegenseitig unterstützen, sicher und wohl fühlen und sich bedenkenlos ausdrücken."

Instagram bietet Selbstkonrolle an

Auch deshalb hat Instagram bei einigen Nutzern eine Selbstkontrolle-Funktion aktiviert. In den Einstellungen lässt sich unter "Deine Aktivität" die gewünschte Nutzungsdauer einstellen. Überschreitet man diese, sendet Instagram einen Warnhinweis.

Forscher empfehlen etwas ganz anderes: Weniger Promis folgen. Manche Stars beschäftigen extra Mitarbeiter, die helfen, ihr Leben nach Außen als Aneinanderreihung lauter Highlights darzustellen. Auch auf Instagram gilt deshalb: Halte dich an deine echten Freunde.

Stand: 19.02.2019, 11:20