Amazon Prime Days & Co: Worauf achten bei der Online-Schnäppchenjagd?

Einkaufstüten hinter einem Laptop und rote Würfel mit Prozentzeichen

Amazon Prime Days & Co: Worauf achten bei der Online-Schnäppchenjagd?

Von Jörg Marksteiner

  • Aktuelles Modell oder Ladenhüter?
  • Reale Preisentwicklung online überprüfen
  • Tipps gegen die Verkaufspsychologie

Wie erkenne ich echte Schnäppchen?

Bei Aktionen werden häufig einige besonders beliebte Topmodelle eines Fernsehers oder Smartphones reduziert. Das bleibt im Gedächtnis der Kunden – bedeutet aber nicht, dass alle anderen Angebote ähnlich lohnend sind. Oft wird der tatsächliche Preisvorteil überschätzt, warnen Verbraucherschützer.

Einige Preisvergleichsportale haben die Angebote zum Black Friday 2017 ausgewertet und dabei bis zu 100.000 Preise beobachtet. Ergebnis: Im Schnitt lag die Ersparnis bei 2 bis 3 Prozent. Bei einzelnen Warengruppen war es immerhin bis zu 16 Prozent.

Achtung: Manche Händler nutzten Aktionen, um z.B. bei Technik ihre Ladenhüter oder alte Modelle loszuwerden. Das muss nicht nachteilig sein, sollte der Kunde aber wissen. Manchmal gibt es für wenige Euro mehr schon ein neues Modell.

Ganz wichtig: Ob Prime Days oder andere Aktionen – es lohnt sich, Preise immer mit mindestens zwei Vergleichsportalen nachzuprüfen. Anbieter beobachten ihre Preise automatisiert und gegenseitig. Senkt ein großer Akteur seinen Preis, ziehen andere oft nach oder unterbieten sogar.

Wie hoch ist der Rabatt?

Achtung: Hinweise wie "-30 Prozent" oder "40 Prozent reduziert!" bleiben zwar leicht im Gedächtnis, weil wir uns relative Werte gut merken können. Leider sagen sie so gut wie nichts aus! Oft beziehen sich die Prozent-Reduzierungen auf die UVP – die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers. Also auf Mondpreise, die zum Teil nie verlangt wurden.

Immerhin: Bei den Amazon Prime Days 2019 wird den Kunden die durchgestrichene UVP und der vorherige (Real-)Preis genannt sowie der aktuelle. Das ist aber nicht immer bei Händlern der Fall.

Außerdem wichtig zu wissen: Im Onlinehandel schwanken Artikelpreise enorm – teilweise täglich. Ein Test von 16 Onlineshops durch Verbraucherschützer 2018 ergab: Eine Hose kann beispielsweise 80 oder 200 Euro kosten – je nach Tag und Uhrzeit. Häufige Schwankungen stellt die Studie vor allem bei Anbietern von Elektronik, Mode, Autoteilen und bei Apotheken fest. Für die Kunden bedeutet das: Sie können Geld sparen, wenn sie nicht sofort kaufen, sondern die Preise vorher eine Zeit lang beobachten.

Amazon Prime Days & Co: Worauf achten bei der Schnäppchen-Jagd?

WDR 2 Servicezeit 15.07.2019 03:40 Min. Verfügbar bis 14.07.2020 WDR 2

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Wie kann ich Preise einfach gegenchecken?

Was ein Artikel vorher wirklich gekostet hat und wie hoch der echte Rabatt ist, können Kunden leicht prüfen. Preisvergleichsportale bieten eine Funktion, mit der sich die Durchschnittspreise (inkl. Preisanhebungen und –senkungen) der letzten Monate ansehen lassen.

Das geht auch für Amazon-eigene Artikel, die es bei anderen Händlern nicht gibt. Spezielle Onlineseiten zeigen dezidiert die Preisentwicklung bei Amazon an, inkl. Minimal-, Maximal- und Durchschnittspreise. Links zu diesen Amazon-Preisverfolgern finden sich über Suchmaschinen.

Tipps gegen die Verkaufspsychologie

Unser Gehirn reagiert stärker auf drohende Verluste als auf Gewinne, sagen Verhaltenswissenschaftler. Damit arbeiten Shops: Bei uns entsteht die Angst, ein Schnäppchen zu verpassen! Wir spüren den Drang, aktiv zu werden. Jagdtrieb setzt ein. Schlagen wir dann zu und bestellen, wird das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert.

Um solchen Tricks zu entgehen, ist eine Liste am effektivsten, sagen Wissenschaftler: Vorher aufschreiben, was ich suche. Wie hoch das Maximalbudget ist, eventuell wo der aktuelle Preis verschiedener Modelle liegt. Das begrenzt Impulskäufe. Die echte Preiskenntnis hilft, am Ende wirklich zu sparen.

Außerdem scheint zu helfen, was auch für Käufe im Supermarkt gilt: Nie hungrig auf Einkaufstour gehen. Die Forschung zeige, dass dann – nicht nur bei Lebensmitteln – zu viel gekauft wird. Möglicherweise, um einen gefühlten Mangel auszugleichen.

Stand: 15.07.2019, 15:24