Experten raten von Kontroll-Apps ab

Experten raten von Kontroll-Apps ab

  • Apps ermöglichen Eltern die Kontrolle ihrer Kinder
  • Unterschiedliche Funktionen sind möglich
  • Experten raten von der Nutzung ab

Eltern wollen für ihre Kinder nur das Beste: Sicherheit, Schutz vor Kriminellen, vor schädlichen Einflüssen im Internet und vor den Folgen übermäßiger Handynutzung. Aus Sorge verwenden immer mehr Eltern sogenannte "Parental Control"-Apps. Sobald diese auf beiden Geräten installiert sind, haben die Eltern virtuell Zugriff auf das Handy des Kindes.

Unterschiedliche Überwachungsfunktionen

Manche Anbieter spezialisieren sich auf die GPS-Ortung, andere auf das Verhalten im Straßenverkehr und viele bieten sogar ein Rundum-Paket an. Einige Apps konzentrieren sich dabei auf die Standortkontrolle. Die Position des Kinderhandys wird automatisch ans Eltern-Handy gesendet und gibt beispielsweise Alarm, wenn eine vorher definierte Grenze überschritten wird. Wenn die Kinder noch nicht über ein eigenes Handy verfügen, können die Tracker auch in Uhren oder dem Schulranzen untergebracht werden.

Sogar das Abhören der Kinder ist möglich


Andere Apps überwachen den Nachwuchs im Straßenverkehr - das Verhalten wird aufgezeichnet und sind die Kinder zu schnell unterwegs oder halten sich nicht an die Verkehrsregeln, bekommen die Eltern eine Benachrichtigung.

Viele Programme kontrollieren auch die Aktivitäten der Kinder im Internet. Sie bieten die Möglichkeit das Surfverhalten aufzuzeichnen, Inhalte zu filtern, Zeitlimits zu setzen oder SMS und Chats mitzulesen. Ein Abhören über das Mikrofon des Handys ist ebenfalls häufig möglich.

Trügerische Sicherheit – schädliche Atmosphäre der Angst

Smartphone-Ortung

Die ständige virtuelle Begleitung der Kinder bietet nur vermeintlich Sicherheit.

Kriminologen warnen, dass die Apps eine trügerische Sicherheit geben würden. So kämen etwa bei Kindesmissbrauch die Täter in den meisten Fällen aus dem Umfeld der Opfer. Auch nach Ansicht des Kinderschutzbundes tragen solche Apps nicht zur Sicherheit bei, sondern erzeugen im Gegenteil eine Atmosphäre der Angst. Demnach vermitteln Eltern ihren Kindern damit das Gefühl, in einer besonders gefährlichen Welt zu leben, die ständige Kontrolle erfordert – was nicht der Realität entspricht.

Gefahr des Missbrauchs

Datenschützer warnen zudem vor allzu großer Naivität im Umgang mit der Ortungstechnik, da die Informationen auch in falsche Hände geraten können. Als absolutes No-Go gelten unter Experten Programme, die auch live die Übertragung von Ton- und Bildaufnahmen ermöglichen. Außerdem kritisieren Datenschützer, es werde schleichend eine Überwachungsstruktur geschaffen.

Stand: 15.08.2018, 15:29