Wie Instagram die Städte verändert

Wie Instagram die Städte verändert

Von Dennis Horn

Instagram hat weltweit mehr als eine Milliarde Nutzer. Das soziale Netzwerk erlebt einen Boom - und verändert dabei sogar unsere Realität.

Es gibt sie: die Menschen, die in den Urlaub oder in ein Restaurant möchten , und sich ihre Tipps dafür nicht mehr aus Ratgebern holen. Sie nutzen auch keine Bewertungsportale im Netz dafür. Sie achten vor allem auf die Optik - und schauen sich deshalb bei Instagram um.

Eine Milliarde Nutzer hat das soziale Netzwerk mittlerweile. Und es verändert unsere Realität: Designer gestalten ihre Werke zum Teil so, dass sie bei Instagram besonders gut funktionieren - egal, ob in Hotels, Restaurants oder Museen. Erfolgreich ist, was viele Likes bekommt.

Instagram verändert Städte

Ein Restaurant - designt für Smartphone-Fotos

Zu beobachten ist das zum Beispiel dort, wo Instagram herkommt: im Silicon Valley in Kalifornien. Madelyn Markoe und Jessie Barker haben sich ihr Restaurant "Media Noche" im Mission District, einem In-Viertel von San Francisco, so hergerichtet, dass es auf Fotos viel hermacht.

"Es passiert hier mindestens zweimal oder dreimal am Tag, dass Leute hier ihr essen bestellen, sich an die alten Vintage-Tische setzen und Fotos schießen. Manchmal sind wir schon besorgt, weil ihr Essen kalt wird, wenn sie 15 bis 20 Minuten für die Fotos brauchen", erzählt Markoe.

Viel Licht, viele Muster, viele Details

Gestaltet wurde das "Media Noche" von Hannah Collins. Sie sagt, dass es beim Design für Smartphone-Fotos vor allem aufs Licht ankommt: "Orte mit viel natürlichem Licht sind am besten. Und Menschen fotografieren am liebsten Muster und Dinge, die einzigartig sind, die sie noch nie gesehen haben."

Tatsächlich sind es vor allem Details, die Menschen im "Media Noche" fotografieren: die Muster auf dem Boden, die Neonröhre in Flamingoform im Regal oder die türkis glänzende Tapete mit Bananenmuster auf der Toilette. Allein von ihr gibt es Hunderte Fotos bei Instagram.

Pop-up-Museen - für quietschbunte Selfies

Auch Museen passen sich der digitalen Bilderwelt an. Weltweit entstehen Pop-up-Museen in Großstädten, die sich nur für ein paar Monate halten - und als Bühne für eigene Instagram-Fotos dienen; in Köln zum Beispiel schlägt diesen Herbst das "Supercandy"-Museum seine Zelte auf.

Diese Museen gibt es auch in anderen Städten. Dort ist alles quadratisch, quietschbunt, etwas überdreht oder so groß, dass man als Mensch auf dem Foto daneben sehr klein aussieht - all die Dinge eben, die Instagram-Nutzer lieben und bei denen sie bereitwillig auf "Gefällt mir" klicken.

Es sind also nicht nur die Nutzerinnen und Nutzer, die mit Fotos in sozialen Netzwerken ihre eigene Realität schaffen. Soziale Netzwerke wie Instagram verändern auch die Realität an sich.

Stand: 04.09.2018, 12:00