Das Internet kann doch vergessen

Das Google-Logo ist durch ein Brillenglas auf einem Bildschirm zu sehen

Das Internet kann doch vergessen

Von Jörg Brunsmann

  • „Recht auf Vergessenwerden“
  • Google und Co. müssen Links oft löschen
  • EuGH verhandelt die Bedingungen

„Das Internet vergisst nie“ – so hieß es lange Zeit. Doch seitdem die neuen EU-Datenschutzregeln gelten, gibt es auch ein „Recht auf Vergessenwerden“: Man kann Informationen im Netz löschen lassen. Um das zu erreichen, muss man sich an den Betreiber der Internetseite wenden, auf der diese Daten auftauchen. Das ist oft schwierig, vor allem, wenn der Seitenbetreiber im Ausland sitzt.

Löschen bei Google und Co.

Einfacher ist es, sich an Suchmaschinen-Betreiber wie Google, Yahoo oder Bing zu wenden. Die meisten Menschen finden Informationen ohnehin über eine der Suchmaschinen. Zudem sind deren Betreiber auf entsprechende Anfragen vorbereitet und halten Antragsformulare bereit – was allerdings nicht heißt, dass es hier schnell und unkompliziert zugeht. Das Antragsformular, das Google bereithält, umfasst beispielsweise etwa drei DIN-A4-Seiten.

Das Internet kann doch vergessen

WDR 2 Servicezeit 10.01.2019 03:28 Min. WDR 2

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Nur etwa der Hälfte der Anträge wird stattgegeben

Im Formular muss genau aufgelistet werden, welche Informationen entfernt werden sollen – und warum. Zwei Gründe sind zulässig: wenn es sich um veraltete Informationen handelt, oder um solche, die Persönlichkeitsrechte verletzen. In den letzten Jahren hat Google bereits rund zwei Millionen solcher Lösch-Anträge erhalten. Doch nur etwa der Hälfte davon wurde entsprochen.

Frankreichs Datenschützer versus Google

Zudem haben französische Datenschützer bemängelt, Google lösche nur unvollständig. Entfernte Einträge sind nur innerhalb der EU nicht mehr sichtbar; in anderen Ländern sind sie nach wie vor abrufbar. Frankreichs Datenschützer halten das für absurd und sind deshalb vor den Europäischen Gerichtshof gezogen. Eine Entscheidung wird in den nächsten Wochen erwartet. In einem zweiten Verfahren verlangt der französische Staatsrat vom EuGH, die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Löschung zu präzisieren.

Die unlöschbaren Daten

Manchmal allerdings geht das mit dem Löschen nach hinten los. Dafür gibt es sogar einen eigenen Begriff: den "Streisand-Effekt“, benannt nach der US-Schauspielerin Barbra Streisand. Ein US-Unternehmen hatte vor gut 15 Jahren ein Foto ihres Hauses an der Küste Kaliforniens gemacht und ins Internet gestellt. Es ging darum, die gesamte Küste zu dokumentieren. Die Schauspielerin verklagte die Firma und verlangte einen hohen Schadenersatz. Das wiederum sorgte für Widerspruch im Netz – viele Menschen kopierten das Bild und stellten es auf die eigene Homepage. Das Foto des Anwesens ist heute praktisch unlöschbar – und sogar im Online-Lexikon Wikipedia zu finden.

Stand: 10.01.2019, 10:43