Google-Suchergebnis - neu sortiert!

Google-Suchergebnis - neu sortiert!

Von Kathi Liesenfeld und Isabell Karras

  • Google kennt unseren Standort und andere persönliche Daten
  • Sind das genügend Informationen für maßgeschneiderte Infos?
  • Test: Würden wir genauso sortieren wie Google?

Seit Langem wird spekuliert, ob die Suchmaschine Google personalisiert: Bekommt jeder, der googelt, ein für ihn optimiertes Ergebnis angezeigt? Kennt Google wirklich unsere persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse? Und bekommen Suchende dadurch unterschiedliche Ergebnisse angezeigt?

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Google und die Bundestagswahl: "#Datenspende" zeigen, dass Menschen, die vor der Bundestagswahl 2017 Begriffe wie "Angela Merkel" oder "Dietmar Bartsch" gegoogelt haben, jeweils ähnliche Ergebnisse bekamen. Heißt: Personalisierung spielt anscheinend eine geringere Rolle als bisher gedacht.

Studenten der Universität Dortmund fragten sich: Was ist denn also wirklich dran an der Personalisierung und gibt es vielleicht sogar zu wenig davon? Um das herauszufinden, googeln drei Testpersonen an ihren Laptops die Suchbegriffe "Europa", "Fußball", "Supermarkt" und "Flüchtlinge". Die Treffer der ersten drei Google-Seiten werden ausgedruck und die Probanden sollen diese dann in ihrer "persönlichen Lieblingsreihenfolge" anordnen. Im Anschluss vergleichen die Studenten die persönliche Anordnung mit der ursprünglichen Google-Anordnung.

Test mit Natalie aus Dortmund

Natalie im Hörsaal

Natalie ist 22 Jahre alt und studiert Sprachwissenschaften. Ihre Anordnung ähnelt der von Google nur wenig. Lediglich bei dem Begriff "Flüchtlinge" ordnen Natalie und Google die Ergebnisse größtenteils gleich an: Natalie werden viele Sachen mit Bezug zu Spanien angezeigt. Dort war sie vor Kurzem für ihr Auslandssemester. Google hat also Natalies (ehemaligen) Standort berücksichtigt. Allerdings trifft das bei den Begriffen "Fußball" und "Supermarkt" nicht zu: Google zeigt ihr weder Supermärkte, noch Fußballvereine aus ihrem Umfeld an. Dabei hätte sie sich das am meisten gewünscht. Generell hat Natalie wenig mit Amateurfußball zu tun, weshalb sie den Artikel "Heimat des Amateurfußballs" nach ganz hinten legt, Google hat diesen Artikel allerdings als ersten Treffer angezeigt.

Test mit Philipp aus Dortmund

Philipp, 31, Lehrer aus Dortmund

Philipp ist 31 und Lehrer in Dortmund. Er sortiert einige Ergebnisse zu "Flüchtlingen" und "Europa" so wie Google. Bei den Begriffen "Supermarkt" und "Fußball" trifft das allerdings weniger zu: Für Philipp sind regionale Ergebnisse besonders wichtig, das scheint Google nicht zu berücksichtigen. Er findet Angebote zu ehrenamtlichen Engagement in Dortmund interessanter als Meldungen über Flüchtlinge an der Grenze zu Österreich – trotzdem hat Google diese höher platziert. Auch bei dem Begriff "Supermarkt" sortiert Philipp regionale Ergebnisse weiter nach vorne als Google. Außerdem ist er verwundert, dass die Supermärkte, in denen er regelmäßig einkaufen geht, gar nicht angezeigt werden.

Besonders kritisiert Philipp, dass aktuelle Nachrichten zum Begriff "Europa" nicht unter den ersten Suchergebnissen erscheinen. Das ist ihm wichtiger, als Informationen zum Wetter, die Google weit vorne anordnet.

Philipp ist Fan vom 1. FC Köln, trotzdem hatte keins der Suchergebnisse mit seinem Lieblingsverein zu tun, als er "Fußball" gegoogelt hat. Und noch etwas verwundert ihn: "Alles von der BILD-Zeitung würde ich nie anklicken, auch wenn der Inhalt noch so interessant wäre. Das sortiere ich also ganz unten ein, Google aber ziemlich weit vorn."

Test mit Tim aus Bochum

Tim, 25, Student aus Bochum

Tim ist 25 und Student aus Bochum. Die Personalisierung findet bei Tim beim Begriff Fußball nur teilweise statt. Googles erste Treffer sind größtenteils auch die, die Tim zu diesem Thema am ehesten interessieren. Allerdings hat Google den Wikipedia-Artikel zu Fußball an fünfter Stelle positioniert, Tim hingegen an letzter: "Wenn ich mich mit Fußball auskenne, interessieren mich ja keine allgemeinen Infos von Wikipedia darüber, sondern aktuelle Nachrichten, am liebsten direkt aus der Nähe." Bei "Europa", "Supermarkt" und "Flüchtlinge" sortiert Tim die meisten Begriffe anders als Google. Allerdings hat Google die Artikel, die Tim am wenigsten interessieren, passend nach hinten sortiert, hier trifft die Personalisierung also teilweise zu: Tim würde nicht auf "Suchergebnis auf Amazon.de für: Flüchtling Bücher" klicken, das hat Google erkannt und dieses Ergebnis weit hinten angeordnet.

Das Ergebnis

Es gibt eine Personalisierung, aber Google kennt unsere persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse nur teilweise. Generell sortiert Google bei allen Testpersonen regionale und aktuelle Ergebnisse weit nach hinten. Das sind allerdings genau die Ergebnisse, die sich die Probanden an den Anfang wünschen: "Mich wundert es, dass Google regionale Nachrichten auf Seite drei anordnet. Dabei sind das die Sachen, die ich mir am liebsten angucke und nach denen ich suche", sagt Tim.

Außerdem werden viele Ergebnisse den Probanden genau in der gleichen Reihenfolge angezeigt, wie zum Beispiel Wikipedia-Einträge, die bei allen ganz vorne erscheinen: "Auch wenn mir Wikipedia direkt angezeigt wird, ich würde den Eintrag zu vielen Begriffen nicht lesen, weil mir das oft keine neuen oder wichtigen Infos gibt", meint Natalie.

Insgesamt erscheinen bei Tim, Natalie und Philipp zu großen Teilen gleiche Suchergebnisse. Bestimmte Treffer, mit denen sie fest gerechnet hatten, waren gar nicht dabei. Somit zeigt das Experiment, dass Google nicht optimal personalisiert. Gerade in Bereichen, die die drei Probanden wirklich interessieren, ist Googles Personalisierung schwach. Philipp bekommt keine Ergebnisse von seinem Fußballverein angezeigt, Tim keine Treffer zum Supermarkt, in dem er einkaufen geht, und Natalie kaum etwas über das Land, in dem sie die vergangenen sechs Monate gelebt hat. In diesen Bereichen sind die Suchergebnisse zu allgemein.

Stand: 15.08.2018, 09:23