Kommt die Suchmaschinen-Regulierung?

Lichtinstallation zur Digitalisierung

Kommt die Suchmaschinen-Regulierung?

Von Marlon Schulte und Kevin Barth

  • Algorithmen beeinflussen unser Surfverhalten
  • Medienstaatsvertrag soll Macht der Internetkonzerne eindämmen
  • Lösungsansätze: Transparenz oder unabhängige Prüfung

Algorithmen bestimmen unser Leben im Internet. Ob beim sozialen Netzwerken oder bei Suchmaschinen – überall hinterlassen wir unsere Daten, die den Internetkonzernen helfen, uns noch persönlichere Angebote anzuzeigen. Künftig soll ein Medienstaatsvertrag, der jetzt im Entwurf vorliegt, die Macht der Algorithmen auf Google, Facebook und Co. eindämmen. Noch bis zum 30.09.2018 kann sich jeder zu dem Entwurf auf der Website der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz äußern.

Manipulation wird möglich

Inhalte in sozialen Netzwerken oder bei Suchmaschinen werden gezielt auf unsere Interessen zugeschnitten. Das kann dazu führen, dass Meinungen einseitig bestärkt werden und man so in einer "Filterblase" steckt. Alternative Angebote und abweichende Meinungen sieht man selten.

Experten unschlüssig über Definition

Unter Kommunikationswissenschaftlern ist jedoch umstritten, welche Relevanz durch soziale Netzwerke und Suchmaschinen personalisierte Informationen für die individuelle und öffentliche Meinungsbildung tatsächlich haben. Dazu sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Annika Sehl von der University of Oxford: "Während einige befürchten, dass diese individuelle Personalisierung zu so genannten Filterblasen führen könnte, sind die empirischen Ergebnisse auf keinen so einfachen Nenner zu bringen."

Staatsvertrag soll Transparenz schaffen

Der geplante Gesetzentwurf formuliert dennoch bereits heute Vorgaben zur Vielfaltssicherung: So sollen beispielsweise zentrale Kriterien der Aggregation, Selektion und Präsentation von Inhalten und ihre Gewichtung in verständlicher Sprache zur Verfügung gestellt werden.

Ob diese Transparenz dem Nutzer tatsächlich helfen kann ist umstritten, da diesen Kriterien nur eine begrenzte Aussagekraft hinsichtlich der tatsächlich angezeigten Informationen zukommt. Für den Rechtswissenschaftler Karl-Heinz Ladeur muss daher zunächst die Bedeutung von Algorithmen für den Meinungsbildungsprozess besser verstanden werden: "Für den Meinungsbildungsprozess relevante Algorithmen ließen sich von einer unabhängigen Einrichtung im Dienste der Allgemeinheit testen." Mit den Ergebnissen einer solchen Prüfung könne dann die Öffentlichkeit informiert und auf die Anbieter von Suchmaschinen und Sozialen Netzwerken eingewirkt werden.

Weitere Infos zur Neuregelung der Regulierung im Audio

Tobias Gostomzyk

Professor Dr. Tobias Gostomzyk forscht am Institut für Journalistik an der Universität Dortmund. Seine Schwerpunkte liegen in der digitalen Fortschreibung des Medienrechts und in der Netzkommunikation.

Stand: 15.08.2018, 09:23