Test: Eine Suche – verschiedene Ergebnisse?

Test: Eine Suche – verschiedene Ergebnisse?

Von Viktoria Degner und Silja Thoms

  • Studierende der TU Dortmund machen Digital-Experiment
  • Vierköpfige Familie googelt verschiedene Begriffe
  • Hinweise auf Filterblasen gibt es kaum

Google soll unser Leben einfacher machen. Egal, was wir suchen oder brauchen, die größte Suchmaschine der Welt liefert Antworten. Millionenfach, im Bruchteil einer Sekunde.

Doch spielt Google uns allen auch wirklich die gleichen Treffer aus? Oder sehen wir nicht doch andere Websites, Bilder und Videos als unsere Eltern und Geschwister? Stecken alle Google-Nutzer in einer Filterblase? Diesen Fragen sind Journalistik-Studierende der TU Dortmund in einem Digital-Experiment nachgegangen.

Familie googelt sechs verschiedene Begriffe

Google-Suchergebnis "Angela Merkel"

Sechs Begriffe googeln - unter anderem "Angela Merkel"

Eine vierköpfige Familie im Alter zwischen 25 und 58 Jahren hat dafür sechs Begriffe zu drei verschiedenen Themenkomplexen gegoogelt. "Angela Merkel" und "Diesel-Skandal" unter Politik, "Berufswunsch" und "Schlüsselqualifikation" zum Thema "Karriere" sowie "Bundesligaklub" und "Spanier" unter "Privates". Die Studierenden haben untersucht, ob sich die ersten 30 Treffer der vier Probanden unterscheiden. Das Ergebnis: nein, nicht immer. Unter dem Suchbegriff "Angela Merkel" spielte Google jedem der Probanden auf den ersten Seiten nahezu identische Treffer aus, die Homepage der Kanzlerin zum Beispiel, ihre Facebook-Seite, ihren Wikipedia-Eintrag. Nur die Google-Schlagzeilen unterschieden sich von Proband zu Proband.

Zeitpunkt der Suche beeinflusst die Treffer

Sowohl die Themen waren zum Teil verschieden als auch die Medienhäuser, die die Artikel zuvor produziert hatten. Laut Nele Heise, Medienforscherin für digitale Medien und Kommunikation, kann das zum einen an der aktuellen Nachrichtenlage zum Zeitpunkt der Suche liegen, zum anderen daran, welche Medien die Nutzer für gewöhnlich konsumieren.

Medienforscherin Nele Heise erklärt, wie der Google-Algorithmus funktioniert

00:48 Min.

Auch die anderen Suchbegriffe ergaben im Digital-Experiment nahezu dieselben Treffer – bis auf das Stichwort "Spanier". Nachdem sie den Begriff gegoogelt hatten, wurden drei von vier Probanden Restaurants in ihren Städten angezeigt, Dortmund, Leipzig und Rostock.

Google will die Nutzer individuell betreuen

Neben dem Suchverhalten sei der Standort der Nutzer einer der wichtigsten Faktoren für den Algorithmus, um Treffer zu personalisieren, sagt Heise. "Da steckt ein starker Service-Gedanke hinter. Es geht immer darum, den User individuell an die Hand zu nehmen und ihm etwas anzubieten, woraus er vermutlich den meisten Nutzen ziehen kann."

Wer auf persönliche Restaurant-Tipps verzichten will, müsse seine Daten selbst schützen, so Heise. Denn: "Nicht nur der Algorithmus ist verantwortlich für die Filterblase, sondern auch der User selbst."

Nele Heise zur Filterblasen-Theorie

00:55 Min.

Stand: 15.08.2018, 09:23