Die Sprache der Internet-Riesen

Binärcode liegt über Silhouetten von Menschen

Die Sprache der Internet-Riesen

Von Laura Baer und Silas Schefers

Wer die Erfolgsformeln der Internetriesen verstehen will, muss ihre Sprache sprechen. Eine Expertin erklärt die Netz-Begriffe.

Lorena Jaume-Palasí

Lorena Jaume-Palasí

Was steckt hinter Begriffen wie Algorithmus, Filterblase oder Fake News? Lorena Jaume-Palasí muss es wissen: Die Forscherin ist Mitbegründerin von "AlgorithmWatch", einer Initiative, die die Entwicklung von Algorithmen im Blick hat. Uns erklärt sie die wichtigsten Begriffe zum Thema.

Algorithmus

Was Algorithmen eigentlich genau sind und wie sie funktionieren, ist schwer greifbar. Grundsätzlich ist jede formalisierte Handlungsanleitung ein Algorithmus – auch außerhalb der digitalen Welt. "Für Computer sind Algorithmen mathematische Formeln, die ein Befehlskommando kreieren und ihm sagen, was er tun soll", erklärt Lorena Jaume-Palasí. Im Falle von Google, Facebook und Co. spucken Algorithmen häufig Wahrscheinlichkeiten aus, etwa über Verhaltensweisen. Damit legen solche Algorithmen den Grundstein für die Personalisierung.

Personalisierung

"Hinter dem Begriff steckt die Annahme, dass uns im Netz eine Landschaft geboten wird, die auf unsere Gesamtwünsche angepasst ist", sagt Lorena Jaume-Palasí. Im Hintergrund spielt sich allerdings das Gegenteil von Personalisierung ab: Algorithmen ordnen uns dort bestimmten Gruppen zu. So bekommen wir Informationen ausgespielt, die zu uns passen – aber nur, weil uns der Algorithmus in die richtige Gruppe gesteckt hat.

Echokammer

Der Begriff "Echokammer" kommt aus der Kommunikationswissenschaft. "Die Theorie besagt, dass wir uns Kreise suchen, die uns in unserer Meinung bestätigen", sagt Jaume-Palasí, "zum Beispiel in sozialen Netzwerken". Das suchen, was zur eigenen Weltsicht passt – das ist seit jeher ein natürliches, menschliches Verhalten. "Die Angst ist, dass dadurch der soziale Zusammenhalt verloren geht, weil wir nur noch sehen, was zu unserer Meinung passt."

Filterblase

Ganz ähnliches befürchtet Eli Pariser: Er kritisiert in seinem Buch "Filter Bubble", dass Nutzer das Internet nur noch durch personalisierte Filter wahrnehmen und schon bald in einer eigenen Blase leben. "Letztlich steckt dahinter die Annahme, dass man durch Personalisierung bald im eigenen Geschmack gefangen sein könnte", sagte Jaume-Palasí. Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den Begriffen "Echokammer" und "Filterblase" aber sehr klein. Einziger Unterschied: Die Echokammer bezieht sich auf unser soziales Miteinander, Pariser geht es stärker um die Effekte von Algorithmen und ihrer Personalisierung.

Fake News

"Fake News ist ein politischer Begriff", betont die Lorena Jaume-Palasí. "Es geht dabei um den Versuch, durch bewusste Falschmeldungen Propaganda im Netz zu betreiben." Das Ziel: die politische Lage beeinflussen. Unklar ist, welche Rolle Algorithmen bei der Verbreitung von Falschmeldungen spielen.

Stand: 15.08.2018, 09:23