Datensammeln im Einzelhandel - offline wird wie online

Datensammeln im Einzelhandel - offline wird wie online

Von Dennis Horn

Bücher, Klamotten, Musik: Seit wir viele dieser Dinge übers Netz kaufen, geht es den Geschäften in den Innenstädten immer schlechter. Sie suchen seit Jahren nach Möglichkeiten - und sehen ihre Zukunft jetzt ausgerechnet darin, sich genauso zu verhalten wie ihre Konkurrenten im Netz.

Frühjahr 2017, die Handelsmesse "Euroshop". Der Gang durch die Messehallen in Düsseldorf fühlt sich fast so an, als wäre man zu Besuch auf der CeBIT: Technik, Technik, Technik - wohin man nur sieht.

Datensammler Einzelhandel

WDR 2 Quintessenz | 27.04.2017 | 02:58 Min.

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Auch die Firma Bütema, die Läden großer Modeketten technisch aufrüstet, hat hier ihren Stand. Zusammen mit dem Modelabel Orsay hat Bütema einen digitalen Spiegel für die Umkleidekabine entwickelt. Mit Hilfe eines Funkchips erkennt der Spiegel, welche Kleidungsstücke man mit in die Kabine genommen hat - und zeigt mir, was dazu passt.

Passende Vorschläge

Kunden, die die Hose gekauft haben, haben sich auch für das Oberteil interessiert.

"Kunden, die diesen Pullover gekauft haben, kauften auch diese Hose." Wer regelmäßig bei Onlinehändlern bestellt, kennt die Verkaufsstrategie dahinter – und sie hält wie viele andere technische Entwicklungen, die wir bisher nur aus dem Netz kennen, nun auch im Offlinehandel Einzug.

Vorbild Onlinehandel

"Es geht im Wesentlichen darum, Verhältnisse herzustellen, wie wir sie im Onlinehandel seit vielen Jahren kennen", sagt Bütema-Geschäftsführer Dirk Frintrop. Für ihn ist die Datenanalyse im Einzelhandel das Zukunftsthema: "Wir möchten zum Beispiel wissen, wie sich der Kunde im Laden bewegt, um herauszufinden, welche Produkte wir an welche Stelle legen müssen oder welche Altersklasse welche Farben nachfragt."

Gesichtserkennung im Supermarkt

Mit Gesichtserkennungs-Software soll der Einkauf des Kundens nachvollzogen werden.

Auf ihrem Messestand hat Bütema auch ein Gesichtserkennungssystem vorgestellt, das in Geschäften zum Einsatz kommen soll. Eine Kamera scannt dabei Kunden, die den Laden betreten – und die Software schätzt ihr Alter und ihr Geschlecht. Mit diesem Wissen kann dann zum Beispiel die Werbung, die auf großen Displays im Laden zu sehen ist, auf die Leute angepasst werden, die ihn gerade besuchen.

Und der Datenschutz? "Das System ist anonym", sagt Frintrop. "Jedes Bild existiert kürzer als 100 Millisekunden. Es wird angefertigt, analysiert und gelöscht. Es verlässt den Computer im Laden nie und stellt deshalb auch keine Verbindung zu Ihrem Namen her oder identifiziert Sie."

Bonuskarte scannen

Mit einer App lassen sich die ausliegenden Produkte scannen.

Bezahlen und Datentransfer per App

Die Supermarktkette Albert Heijn in den Niederlanden ist da einen Schritt weiter. Sie bietet eine Smartphone-App an, mit der sich nachvollziehen lässt, wie sich die Kunden durch den Laden bewegen. "Wir wissen genau, was unsere Kunden kaufen, was sie reizt, was sie lecker finden oder mal ausprobieren möchten", sagt der Venloer Filialleiter Marcel Gijsberts.

Mit der Albert-Heijn-App können Kunden ihre Waren selbst scannen und gleich einkaufen. Sie sparen sich damit den Gang an die Kasse und erhalten zusätzliche Angebote. Der Vorteil für den Supermarkt: Er kennt das genaue Einkaufsverhalten seiner Kunden – ganz so, wie wir es bisher nur von Tracking-Mechanismen im Internet kennen.

Offline wird wie online: Viele Händler sehen das Sammeln und Verarbeiten von Kundendaten als Möglichkeit, gegen die Konkurrenz im Netz anzukommen. Auch im Laden stellt sich also bald die Frage: Was bekomme ich für meine Daten?  Und ist es mir der Komfort wirklich wert?

Stand: 27.04.2017, 00:00