Warum reist eigentlich niemand nach NRW?

Tourismus-Branche in Köln und der Region leidet

Warum reist eigentlich niemand nach NRW?

  • Millionen Deutsche machen Urlaub im eigenen Land
  • In NRW sank die Zahl der Gäste trotzdem um 82,6 Prozent
  • Vermarkter setzen auf Trends wie Wandern und Radfahren

Die Zahlen klingen dramatisch: Im Mai sank die Zahl der Übernachtungen in NRW auf 388.116 - und damit im Vergleich zum Mai 2019 um 82,6 Prozent. Dabei durften Hotels und Pensionen seit Mitte des Monats wieder Zimmer an Touristen aus dem Inland vermieten.

Und heißt es dieses Jahr nicht, dass Millionen Deutsche wegen der Corona-Pandemie Urlaub im eigenen Land machen? Doch um NRW machen die meisten einen Bogen. Warum das so ist, beantwortet Heike Döll-König, Geschäftsführerin von NRW Tourismus.

Im Mai ging die Zahl der Gäste im Verhältnis zum Vorjahr um mehr als 80 Prozent zurück. Was läuft in NRW falsch?

Im Mai letzten Jahres hatten wir keinen Lockdown, die Zahlen sind also nicht vergleichbar. Corona ist wie ein Tsunami über die Tourismusbranche hereingebrochen. In NRW haben wir zehn Rekordjahre in Folge hinter uns und auch zu Jahresbeginn waren wir erneut im Plus.

Im Bundesländervergleich lag NRW in den vergangenen Jahren bei den Gästezahlen konstant auf Platz zwei, bei den Übernachtungen auf Platz drei. So viel können wir also nicht falsch gemacht haben. Dann kam Corona und brachte zwischen Mitte März und Mitte Mai einen kompletten Zusammenbruch der Gäste- und Übernachtungszahlen - in ganz Deutschland.

Aktuell bevorzugen Touristen eher Angebote, wo sie sich selbst versorgen und für sich sein können,  wie Ferienhäuser und -wohnungen aber auch Campingplätze. In der Statistik tauchen aber nur Übernachtungsbetriebe mit mindestens zehn Betten auf.

NRW: Tourismus im steilen Sinkflug

WDR 5 Westblick - aktuell 16.06.2020 05:05 Min. Verfügbar bis 16.06.2021 WDR 5 Von Wolfgang Otto

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Natürlich hat NRW weder Meer noch Alpen, aber schöne Ecken und interessante Städte gibt es dennoch. Vermarkten sich die Regionen zu schlecht?

Bei Reisen nach NRW denken die Menschen sehr stark an die Städte, aber auch Events. Das müssen wir gar nicht korrigieren, denn das bringt uns viele Besucher und Gäste. Auch der Ruf Nordrhein-Westfalens als Kulturland ist auf dem Radar unserer Gäste.

Was neu ist und deshalb auch noch aufholt bei der Bekanntheit, sind die vielen Angebote entlang der großen Trendthemen Wandern und Radfahren. Wir haben da eine Top-Infrastruktur für alle Level und Interessen aufgebaut.

Das Land investiert nun groß in die Kampagne "Rauszeitlust - Mach mal NRW". Ist das die Rettung?

Die Kampagne soll NRW auf den Radar der noch Unentschlossenen bringen, denn viele Menschen haben für dieses Jahr noch keine festen Urlaubpläne. Deshalb nutzen wir die Möglichkeit, sowohl hier im Land als auch darüber hinaus unsere besonderen Qualitäten in Szene zu setzen.

Der ganzen Familie etwas bieten zu können, zwischen Sightseeing und freier Natur zu wechseln, für jedes Wetter etwas zu haben oder für jede Kondition, oft sogar an einem Ort - das ist schon ein ganz dickes Plus bei der Urlaubsplanung.

Trotzdem wird es davon abhängen, auch für Wertschöpfung und Arbeitsplätze, wie die Betriebe durch die Krise kommen und wie schnell Corona beherrschbar wird. Erst dann können Messen, Kongresse und vor allem auch das internationale Geschäft wieder anziehen.

Stand: 20.07.2020, 13:28