WDR-Ensembles: spannende Saison trotz und wegen Corona

WDR-Ensembles: spannende Saison trotz und wegen Corona

WDR-Ensembles: spannende Saison trotz und wegen Corona

Die Folgen der Corona-Pandemie sind nach wie vor deutlich spürbar. Besonders hart trifft es den Musik- und Konzertbereich. Erst sehr vorsichtig und unter strengen Sicherheits- und Hygienevorschriften werden wieder Veranstaltungen möglich. Auch für die WDR Ensembles ist die neue Konzertsaison unter diesen Bedingungen eine große Herausforderung.

Dr. Christoph Stahl, Leiter der Hauptabteilung Orchester und Chor im WDR, es geht wieder los! Endlich? - Trotz der nicht ganz einfachen Umstände?

Bei den Musikern und Musikerinnen herrscht natürlich große Freude, dass es wieder losgeht. Nach Monaten können wir jetzt endlich wieder vor Publikum spielen. Das tut einfach gut. Was natürlich schwierig ist, sind die Rahmenbedingungen. Die sind immer noch eine große Herausforderung.

Die Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen bezieht sich natürlich nicht nur auf  das Publikum, sondern gilt auch für die Musiker*innen auf der Bühne. Wie wirkt sich das zum Beispiel konkret auf die "Eroica"-Aufführung am 18. September aus?

Wir machen natürlich, was wir im Rahmen der Corona-Schutzverordnung machen dürfen. Und in Hinblick auf den Abstand, den wir auf der Bühne genehmigt bekommen haben, sind es 1,50 bis 2 Meter die zwischen den einzelnen Streichern bzw. Bläsern gewährleistet sein müssen. Dadurch kommen wir bei der Quadratmeterzahl der Bühne auf insgesamt auf 35 Musiker*innen. Es wird also in der Besetzung eine abgespeckte Version sein. Aber andererseits ist das auch spannend, weil die "Eroica" in der damaligen Zeit auch nicht mit einer größeren Besetzung aufgeführt wurde. Unsere Fassung wird somit vermutlich originalgetreuer sein, als man es sonst gewohnt ist.

WDR-Ensembles: spannende Saison trotz und wegen Corona

Das WDR Sinfonieorchester im Einsatz.

Anders als gewohnt verläuft unter diesen Bedingungen wohl auch die Programmplanung…

Ehrlich gesagt, mussten wir alle Programme umbauen. Die "Eroica" kann man noch in kleinerer Besetzung spielen. Aber wir hatten auch größere Chorwerke und Sinfonien geplant, die wir absagen mussten, weil sie unter den momentanen Bedingungen einfach nicht durchführbar sind. Wenn man das Programmheft ansieht, das wir im März herausgebracht haben und es mit dem aktuellen Programm-Update vergleicht, dann wird man feststellen, dass sich ca. drei Viertel von der ursprünglichen Planung geändert haben. Im Moment ist wirklich alles immer noch absolut im Fluss, denn ständig ändert sich etwas. Es bleibt stets in Bewegung. Jedes Mal warten wir darauf, was es Neues gibt und dann geht es wieder los mit dem Beantragen von Genehmigungen und dem Einreichen von Hygienekonzepten. Wenn man es allerdings positiv betrachtet, dann ist es aber auch sehr spannend.

Welche Vorgaben erwarten die Zuschauer*innen beim Konzertbesuch?

Die Corona-Schutzverordnungen werden ja regelmäßig aktualisiert. Und der neueste Stand ist, dass das Publikum in der Philharmonie auch während des Konzerts den Mundschutz tragen muss. Im Funkhaus allerdings nicht, weil dort die Abstände von 1,50 Meter gewährleistet sind. Darüber hinaus darf das Konzert keine Pause haben. Es gibt keine Gastronomie. Und es gibt klare Regelungen für den Eintritt und das Verlassen des Saals. Dazu kommt eine Registrierungspflicht die vorsieht, dass man beim Einlass ein Formular ausfüllen muss, auf welchem Platz man sitzt und bestätigt, dass man keine verdächtigen Symptome hat. Und dann gibt es natürlich auch noch ein Hygienekonzept zum Beispiel in Hinblick auf die Desinfektion.

WDR-Ensembles: spannende Saison trotz und wegen Corona

Um die Abstandsregeln einzuhalten, probt die WDR Big Band nun in der ehemaligen Filmhalle der Lindenstraße.

Die Einhaltung der Abstandsregeln betrifft die Musiker*innen natürlich nicht nur in der Konzertsituation, sondern auch bei den Proben. Und das bedeutet, dass auch genügend Platz vorhanden sein muss.

In der Philharmonie und im Funkhaus haben wir für die Musiker*innen ausreichend Platz. Das ist schon mal sehr gut. Problematisch war es bei der Big Band und dem Chor. Aber da haben wir auch eine Interimslösung finden können. Und zwar proben wir jetzt in Bocklemünd in der ehemaligen Filmhalle der Lindenstraße. Da können wir bei den Proben den nötigen Abstand gewährleisten und gerade bei der WDR Big Band können alle Bandmitglieder zusammen proben. Das ist schon ein Riesenglück für uns.

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Der WDR Rundfunkchor hat eine neue Leitung

Eine weitere Problematik dürfte sich beim Besetzen freier Stellen in den Ensembles ergeben.

Wir haben bei drei Ensembles vakante Stellen und müssen natürlich auch sogenannte  Probespiele durchführen. Deshalb mussten wir beim WDR-Krisenstab ein neues Konzept darüber einreichen, wie wir dies umsetzen können. Die Frage ist natürlich berechtigt, wie man mit den Kandidat*innen umgeht, die aus Risikogebieten kommen. So gelten Frankreich oder Spanien im Moment auch als Risikogebiete. Für gewöhnlich werden ca. 15 - 20 Musiker*innen zu einem Probespiel eingeladen. Wir müssen also ein Konzept haben, mit dem wir gewährleisten können, dass sie gegebenenfalls unsere Ensemblemitglieder nicht anstecken können. Deshalb wären schon einmal negative Corona-Tests für Musiker und Musikerinnen aus Risikogebieten obligatorisch. Darüber hinaus muss der Kontakt zu den Orchestermitgliedern eingeschränkt sein und die Einspielzimmer müssen desinfiziert werden. Wir haben schon gemerkt, dass das Thema recht tricky ist. Aber der WDR-Krisenstab hat darüber entschieden und dem Konzept nun zugestimmt.

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Nach langen Monaten ohne Konzerte freut sich das WDR Funkhausorchester darauf, wieder vor Publikum auftreten zu können.

Corona hat den Musik- und Konzertbetrieb besonders hart getroffen. Viele Menschen fürchten um ihre Existenz und sehen sich von der Politik im Stich gelassen. Welches Signal können die WDR Ensembles in dieser Situation setzen?

Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk haben wir natürlich eine wichtige Aufgabe. Wir müssen den Menschen zeigen, dass es wieder losgeht und wir vorne mit dabei sind. Wir müssen da schon Flagge zeigen. Das ist wichtig für alle Kulturschaffenden. Und das sind ja nicht nur die bekannten Musiker*innen oder ihre Agent*innen, die noch in der ersten Reihe sitzen. Neben den freiberuflichen Künstler*innen hängen ja noch viel mehr Berufsbilder an dieser Branche, seien es z.B. Tontechniker*innen, Beleuchter*innen, Bühnenarbeiter*innen oder der Veranstaltungsbereich. Und da möchten wir ein Zeichen setzen: "Es geht weiter!". 

Vielen Dank für das Gespräch.

Stand: 17.09.2020, 16:29