Geht's noch? - Zeit für Lösungen

Geht's noch? - Zeit für Lösungen

Das Magazin "Geht's noch? - Zeit für Lösungen!" zeigt auf ebenso überraschende wie unterhaltsame Weise, wie man Probleme beim Schopf packen kann.

Wenn Dinge schieflaufen, kann man manchmal nur den Kopf schütteln. Eine werdende Mutter, die ihr Kind auf dem Parkplatz vor einer Klinik zur Welt bringt, weil sie trotz Wehen in keinem Krankenhaus aufgenommen wird? Dramatisch zunehmende Messerstechereien unter Jugendlichen? Und: Steuern Facebook und Co. uns so, dass es unsere Wahrnehmung der Welt beeinflusst? Wenn sie so etwas hören, fragen viele Menschen: „Geht’s noch?“. Weil Empörung allein aber nichts bringt, sucht die gleichnamige Sendung im WDR Fernsehen nach Lösungen, die in der Realität wirklich funktionieren.

Zwei Pilotsendungen von "Geht’s noch? – Zeit für Lösungen!" wurden bereits im November vergangenen Jahres gesendet. Ab 28. Mai werden drei neue Ausgaben zu sehen sein. „Wir suchen die Geschichten, die wir erzählen, im echten Leben“, sagt Detlef Flintz, Leiter der Programmgruppe Wirtschaft und Recht, der die Sendung mitentwickelt hat. „Es wird ein Problem ausgemacht – und im nächsten Schritt suchen wir individuelle und gesellschaftliche Lösungen.“ Um herauszufinden, ob ein Facebook-Algorithmus die Weltsicht der Facebook-User steuert, startete die Redaktion gemeinsam mit der Universität Würzburg ein Experiment mit 28 Leuten: Die Hälfte informiert sich drei Wochen lang nur über Facebook, die anderen konsumieren ausnahmslos analoge Medien. Am Ende wird verglichen, wer die Welt wie sieht. Charakteristisch für "Geht’s noch? – Zeit für Lösungen!" ist eine ergebnisoffene Herangehensweise an die Themen, betont Flintz: „Wir haben nicht von vornherein ein fertiges Bild im Kopf. Wir werden Teil des Lebensraumes, um den es geht, und leiten aus dem, was passiert, die nächsten Schritte ab.“ So begleiten die Reporter derzeit auch eine Hebamme bei der Arbeit und sprechen mit betroffenen Schwangeren und Krankenhäusern.

Jana Heck vor einem Rettungswagen

"Geht‘s noch?“-Reporterin Jana Heck beim Rettungsdienst Duisburg

Für das Thema Messerstechereien sind Reporter nachts in Kölner Lokalen unterwegs, um Jugendliche kennenzulernen, die von ihren Erfahrungen berichten. Gleichzeitig sollen Eltern, Jugendämter und Polizei zu Wort kommen. „Das ist die Herangehensweise der klassischen Reportage“, sagt Redakteurin Ingrid Bertram, „und das macht die Geschichten für den Zuschauer erlebbar.“ Die Basis: klassische Reportagen Die Sendung ist experimentierfreudig. Die Frage „Macht weniger Meckern eigentlich glücklicher?“, führte zu dem Experiment „Drei Wochen lang nicht meckern“. „Wir wollen wissen, wie sehr dieses Schimpfen und Meckern ohne Lösung unser Wohlbefinden beeinflusst“, erklärt Bertram. In den zwei teilnehmenden Unternehmen aus NRW soll also drei Wochen lang nicht genörgelt werden. Dafür werden Kameras installiert, die Mitarbeiter führen Videotagebücher und bewerten in einer App ihren Tag. Bertram muss nicht lange überlegen bei der Frage, was ihr an der neuen Sendung so gefällt: „Es ist die Chance, Fernsehen anders zu machen.“

Und was ist mit Problemen und Lösungen, die in vergangenen Sendungen aufgezeigt und angestoßen wurden? Da wird nachgehakt. Etwa beim Thema verständlichere Lebensmittelkennzeichnungen, für die sich einige Politiker beim Besuch der "Geht’s noch?"-Reporter im vergangenen Jahr in Berlin versprachen einzusetzen. Oder das Problem, dass es auf vielen Baustellen nicht oder zu langsam vorangeht. Hier hatte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst im November zugesagt, sich über das Modell in den Niederlanden zu informieren. Hat er? „Natürlich kann man diesen Missstand nicht innerhalb von fünf Monaten beheben“, weiß Detlef Flintz, „aber man kann es angehen – und wir vermelden auch gerne Erfolge im Kleinen.“

Stand: 28.05.2018, 11:26