"Nichts hat die Durchschlagskraft eines Tatorts"

Tatort-Chat "50 Jahre Tatort" mit Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt

"Nichts hat die Durchschlagskraft eines Tatorts"

1997 spielten Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt zum ersten Mal die Kölner Tatort-Kommissare Schenk und Ballauf. Am vergangenen Freitag (18. September) beantworteten sie mit Programmdirektor Jörg Schönenborn im Tatort-Chat "50 Jahre Tatort" im Sportschau-Studio Zuschauerfragen.

  • Fragen wurden per Mail und über die sozialen Medien gestellt
  • Nächster Köln-Tatort im Januar 2021 zu erwarten
  • Corona-Pandemie bisher kein inhaltliches Thema des nächsten Köln-Tatorts

Das Wichtigste vorab: Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt denken noch lange nicht daran, ihre Figuren Ballauf und Schenk in Rente zu schicken und machen diese Entscheidung von den Zuschauer*innen abhängig. "Es ist ja immer die Frage, wie lange will uns so ein Publikum noch haben und momentan haben wir das Gefühl, dass das Publikum unsere Geschichten eigentlich ganz gerne sieht", sagte Behrendt. Und Jörg Schönenborn, Programmdirektor Information, Fiktion und Unterhaltung, hob nochmal hervor, dass das Kölner Tatort-Team in allen Rankings hinter dem Münster-Tatort das Zweitbeliebteste sei. Eine kleine Spitze konnte er sich dennoch nicht verkneifen: "Den beiden sieht man leider an, dass sie ein bisschen älter geworden sind", sagte Schönenborn, den sich Bär und Behrendt gut als fordernden Staatsanwalt in ihren Filmen vorstellen können, augenzwinkernd.

Corona inhaltlich noch kein Thema

Anlässlich des 50. Jubiläums des "Tatort" beantworteten Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt Fragen der Zuschauer

Moderatorin Julia Schöning stellte die via Mail und sozialen Medien eingereichten Fragen und es entwickelte sich eine entspannte Gesprächsatmosphäre. So wurden die Kommissare nach ihrer Lieblingsfolge, nach Privatem, Schusstraining, Lieblingsorten in Köln oder lustigen Zwischenfällen beim Dreh gefragt. Natürlich waren auch die Auswirkungen durch die Corona-Pandemie Thema. "Es war zunächst ein großes Fragezeichen, ab Anfang Mai musste erstmal die verlorene Zeit wieder aufgeholt werden", berichtete Schönenborn. Inhaltliches Thema im Tatort ist Corona bisher nicht, zumal die Fertigstellung eines Drehbuchs oftmals bis zu einem Jahr dauert. "Die Auswirkungen auf den Arbeitsprozess sind sehr stark, aber inhaltlich ist es kein Thema", sagte Behrendt.

Dass Behrendt und Bär nach 23 Jahren als Tatort-Kommissare mittlerweile in einer gewissen Schublade gelandet sind, störe sie nicht wirklich. Beide drehen weitere Filme, spielen Theater oder halten Lesungen. "Wir machen viel, aber natürlich hat nichts die Durchschlagskraft eines Tatorts mit 10 Millionen Zuschauer*innen", sagte Behrendt, der findet, dass Tatort-Kommissar "ehrlich gesagt nicht die schlechteste Schublade" sei.

Figuren gehören zur Familie

Dietmar Bär sieht das Erfolgsgeheimnis des Kölner Tatorts in der "Melange aus guten Büchern, einer Stadt, die hinter uns steht und den tollen Besetzungen". Jörg Schönenborn sieht das "Normale", die beiden Kommissare mit "normalen, sozialen Defekten" als Erfolgsgeheimnis, die Figuren entstammten keinem Bilderbuch und "sie gehören mittlerweile zur Familie, die sind nicht fremd im Wohnzimmer". Eine klare Absage erteilten alle drei der Idee, den Tatort als fortlaufende Drama-Serie zu konzipieren. "Finde ich ganz schwierig, auch wenn ich nichts gegen neue Arbeitsplätze habe", sagte Bär, der in der Kölner Südstadt wohnt. "Man muss sich überlegen, wie man etwas ein bisschen rar hält, irgendwann würde es dann auch zu viel", sagte Schönenborn, der abgeschlossene Episoden bevorzugt.

Einen neuen Köln-Tatort können Fans voraussichtlich im Januar 2021 erwarten. Das 50-jährige Tatort-Jubiläum wird am 29. November mit einer Crossover-Episode, in der die Teams aus Münster und Dortmund gemeinsam ermitteln, gefeiert.

Stand: 22.09.2020, 09:21