"tagesthemen mittendrin": Verstehen, was die Leute wirklich bewegt

"tagesthemen mittendrin": Verstehen, was die Leute wirklich bewegt

"tagesthemen mittendrin" heißt die Rubrik, die künftig jeden Tag deutsche Lebenswelten in den Mittelpunkt stellt. Die Reportage am 2. September kommt vom WDR und spielt in Köln. Ein Interview mit der zuständigen Redakteurin Juliane Fliegenschmidt.

  • "tagesthemen mittendrin", die tägliche Rubrik
  • Mehr Sendezeit für regionale Themen
  • Geschichten über den Alltag der Menschen
  • WDR-Reportage über eines der höchsten Wohnhäuser NRWs
WDR-Redakteurin Juliane Fliegenschmidt

WDR-Redakteurin Juliane Fliegenschmidt ist im Newsroom als Redakteurin für die Zulieferung nach Hamburg verantwortlich.

Die "tagesthemen" wurden ab 1. September von Montag bis Donnerstag um fünf Minuten auf insgesamt 35 Minuten verlängert. Profitieren werden davon die Regionen: Die Rubrik "tagesthemen mittendrin" mit Reportagen aus dem Sendegebiet der ARD-Landesrundfunkanstalten ist bereits seit Mai immer wieder zu sehen. Nun gibt es sie in jeder "tagesthemen"-Ausgabe. Am 2. September geht es in den Westen mit einer Reportage aus dem Kölner Uni-Center. Juliane Fliegenschmidt ist im WDR verantwortlich für die ARD-Zulieferungsredaktion, angesiedelt im Newsroom. Damit sind sie und ihr Redaktionsteam für die Beiträge zuständig, die der WDR nach Hamburg unter anderem an die "tagesthemen" liefert. Wir haben mit Juliane Fliegenschmidt gesprochen.

Was soll mit der Reportage aus einem der höchsten Wohnhäuser Nordrhein-Westfalens transportiert werden?

Juliane Fliegenschmidt: Bei dem Format "mittendrin" geht es darum, die Lebenswelt der Menschen einer Region darzustellen – und zwar so, dass es alle Menschen in Deutschland interessiert. Im Unicenter leben mehr als 1200 Leute; das ist wie ein kleines Dorf mitten in der Metropole Köln. Mit dem Stück skizziert der Autor Jan Koch ganz unterschiedliche Lebensentwürfe, denn im Unicenter wohnen nicht nur Studierende, sondern auch Alteingesessene; eine der Protagonistinnen lebt seit 40 Jahren dort.

Helge Fuhst, der zweite Chefredakteur von "ARD aktuell", hat in einem Interview gesagt, "tagesthemen mittendrin" soll insbesondere den "Blick auf den Osten" stärken. Werden wir mehr Berichte über Ost- als über Westdeutschland sehen?

Köln: Das Uni-Center an der Ecke Luxemburger Straße/Universitätsstraße

Wie ein kleines Dorf mitten in der Großstadt: das Kölner Uni-Center

Fliegenschmidt: Der Blick in den Osten soll gestärkt werden durch viele Reportagen von MDR, NDR und RBB. Sicher haben auch in Ostdeutschland viele Menschen das Gefühl, dass über sie stets nur berichtet wird, wenn es um Probleme geht. Ich glaube, dass es den "tagesthemen" guttun wird, verstärkt auf den Alltag der Menschen zu schauen.
Nichtsdestotrotz besteht Deutschland aus vielen Teilen, und wir wollen mit der Rubrik auch in NRW auf Orte schauen, die sonst nicht in den "tagesthemen" auftauchen. Unsere Reporterin Marion Kerstholt war für eine "mittendrin"-Reportage beispielsweise schon in Duisburg-Wedau. Sie erzählt, was es für die Alteingesessenen bedeutet, wenn ihre Gegend durch eines der größten Wohnungsbau-Projekte Deutschlands stark verändert wird.

Das Bild von NRW in der Öffentlichkeit prägten lange Zeit Kohle und Stahl. Wie blicken die "tagesthemen" zurzeit auf NRW?

Fliegenschmidt: Als Redaktion sind wir dafür zuständig, ein facettenreiches Bild von NRW in die "tagesthemen" zu transportieren. Natürlich sind die Themen oft an die Aktualität gebunden. Gerade die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass wir sehr viel in den "tagesthemen" vorkommen, weil wir das größte Bundesland sind, hier viele Probleme darstellen und Geschichten aus dieser so einschneidenden Zeit erzählen können. Bezogen auf "mittendrin" werden wir auch hier mit mehr Muße und Zeit in speziellere Regionen schauen können. In fünf Minuten kann mehr über die Menschen erzählen als sonst. Man soll wirklich verstehen, was die Leute bewegt.

Auf welche NRW-Themen und -Regionen blickt "mittendrin" als nächstes?

Logo von "tagesthemen mittendrin"

In der Rubrik "tagesthemen mittendrin" geht es um den Alltag der Menschen aus den Regionen Deutschlands.

Fliegenschmidt: Wir gehen nach Münster und zeigen, wie es mit dem Ausbau der Fahrradstadt vorangeht; Sendetermin ist der 15. September. In Duisburg-Marxloh werden wir Alteingesessene besuchen und Einwanderer, die erst in den vergangenen Jahren hier her gekommen sind,  um zu erfahren: Welche Konflikte, welche Lösungen gibt es da? Wir werden über eine Brücke im Ruhrgebiet berichten, unter der Wohnhäuser liegen und die verbreitert werden soll. Sehr unterschiedliche Themen, die oft Konfliktpotential haben.

Das gehört auch zum "mittendrin"-Konzept?

Fliegenschmidt: Die Stücke sollen starke Protagonisten haben und sie im Alltag porträtieren, aber auch Konflikte und Lösungen in den Mittelpunkt stellen, die vielleicht auch Lösungsansätze für ähnliche Konflikte in anderen Regionen bieten können. Außerdem ist "mittendrin" ein crossmediales Format. Das heißt, dass die Reportagen auch in den sozialen Netzwerken verbreitet und ergänzt werden durch Instagram-Stories und Webvideos.

Was kann die neue Rubrik aus Ihrer Sicht bestenfalls erreichen?

Fliegenschmidt: Bestenfalls Verständnis füreinander in diesem Land.

Interview: WDR Kommunikation / Katrin Pokahr

tagesthemen ab 1. September:
Mo – Do / 22:15 – 22:50

Stand: 31.08.2020, 18:56