Jörg Schönenborn zur Forderung Filmschaffender

Jörg Schönenborn

Jörg Schönenborn zur Forderung Filmschaffender

Fernsehdirektor Jörg Schönenborn äußert sich in seiner Funktion als ARD Fernsehfilm Koordinator zur aktuellen Forderung von Vertretern der Filmbranche zum Thema "Entscheidungsmacht in öffentlich-rechtlichen Sendern".

Das Statement von Jörg Schönenborn

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe sehr aufmerksam Ihre Einschätzung zur Entscheidungsmacht in den öffentlich-rechtlichen Sendern gelesen.

Sie sprechen damit ein Thema an, das für mich als langjährigem WDR Chefredakteur in meiner früheren Funktion und heute als Programmdirektor und Koordinator Fernsehfilm immer von besonderer Bedeutung war. Denn: die Frage, wer in unseren Programmen Entscheidungen trifft, entscheidet über die publizistische Vielfalt unseres Angebots und damit über unseren Wesenskern.

Eine besondere Rolle spielt die Programmvielfalt im ARD-Gemeinschaftsprogramm. Sie ist auch in der Fiktion allein schon dadurch gewährleistet, dass Entscheidungen etwa über Produktionen für den FilmMittwoch und den Tatort nicht zentral, sondern jeweils eigenständig in neun Sendern fallen. Meine Rolle als Fernsehfilm Koordinator ist es, diese Entscheidungen, wie der Name schon sagt, zu koordinieren. Das ist in der Abstimmung mitunter anspruchsvoll, aber auch ein bewusster Beitrag, um Vielfalt zu gewährleisten.

Da Sie in Ihrer Erklärung die besondere Rolle des Tatorts ansprechen, möchte ich Ihnen das Vorgehen in diesem Bereich erläutern. Die offizielle Funktion eines Tatortkoordinators kennt die ARD nicht. KoordinatorInnen werden grundsätzlich von der Fernsehprogramm-Konferenz auf Vorschlag des Direktors Erstes Deutsches Fernsehen ernannt. Ich selbst bin seit 2014 Koordinator für Fernsehfilme und Serien. Dazu zählen auch unsere Tatorte. Während die Entscheidungen über die einzelnen Produktionen zum FilmMittwoch und Tatort dezentral in den Häusern fallen, koordiniere ich unser Programmangebot. Natürlich lasse ich mich dabei von MitarbeiterInnen des betreffenden Fachbereichs und dessen Leitung beraten. Die konkrete Platzierung nimmt die Geschäftsführerin der Koordination gemeinsam mit der Programmplanung der ARD vor. Auch hier sind also mehr als zwei Augen beteiligt.

Erlauben Sie mir zum Schluss noch eine grundsätzliche Anmerkung. Der WDR und die anderen Landesrundfunkanstalten der ARD stellen sicher, dass Entscheidungsbefugnisse verteilt werden. Dazu gehört immer ein Mehr-Augenprinzip. Dezentrale redaktionelle Planung und programmliche Vielfalt gehören zu unserem föderalen Charakter. Ich bin stolz auf die Breite und Unterschiedlichkeit unserer Angebote und halte dies für ein Alleinstellungsmerkmal der ARD.

Wenn Sie weitere Informationen brauchen oder sich über dieses Thema austauschen möchten, stehe ich gern zur Verfügung. Ich bin meinerseits an Ihren Erfahrungen interessiert.

Stand: 20.06.2018, 14:41