Der WDR auf der re:publica 2018: „Ganz weit vorne“

Der WDR auf der re:publica 2018: „Ganz weit vorne“

Am dritten Tag der re:publica ziehen die Macher der vorgestellten WDR-Projekte eine positive Bilanz. Der Andrang ist groß, der Zuspruch auch. Auf Panels diskutierten sie Fragen wie: Was kann und was darf Virtual Reality? Und: Müssen Medien mit ihrem Publikum diskutieren?

Wer am zweiten und dritten Tag der re:publica das „Bergwerk in 360 Grad“ erleben wollte, musste sich gedulden: Der Andrang für die Virtual-Reality-Experience mit 4D-Elementen war so groß, dass Zeitslots vergeben wurden. Die Macher der an zwei Ständen gezeigten Virtual- und Augmented-Reality-Projekte haben nach fast drei Tagen Konferenz das Gefühl, dass der WDR sehr für seine innovative Arbeit geschätzt wird.

Der WDR auf der re:publica 2018: "Ganz weit vorne"

Am dritten Tag der re:publica ziehen die Macher der vorgestellten WDR-Projekte eine positive Bilanz. Der Andrang ist groß, der Zuspruch auch. Auf Panels diskutierten sie Fragen wie: Was kann und was darf Virtual Reality? Und: Müssen Medien mit ihrem Publikum diskutieren?

Fotostrecke mit 12 Motiven

Hoch im Kurs: Selfies mit dem WDR-Maulwurf

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Zeitreise: WDR-AR-Projekt "Kriegskinder - War Children"

Bällebad: Pausen-Kaffee im Bälle-Spa

Ich bin dann mal weg: Kopfkino an der WDR-VR Bar

Läuft: viele Besucher an der WDR-VR Bar

Berlin Paris Terror: Angst erfahrbar

Unter Tage: WDR-Intendant Tom Buhrow im Bergwerk 360°

#Ungleichland: Leonie Heling, Nicole Ripperda und Nora Nagel von der WDR-"die story"-Redaktion

Fakten, Fake, Haltung und Hate: Panel mit Silke Burmester, Kai Gniffke, Dunya Halali und "Monitor"-Chef Georg Restle

Mensch Ranga: Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar über "Mensch und Maschine - wer programmiert wen?"

Wir müssen reden: Thomas Hallet, Leiter des WDR media lab, DEana Mrkaja, Philip Faigle, Louis Klamroth und Carolyn Braun über Sinn und Grenzen medialer Debattenformate

Auch die Lightshow sah irgendwie digital aus: Viele Nullen und Einsen.


Pionierarbeit in Sachen Virtual Reality

„Wir haben viel Zuspruch dafür bekommen, dass wir VR für ernsthafte journalistische Inhalte nutzen“, sagt Doku & Digital-Redakteurin Sophie Schulenburg, die am VR-Projekt „Berlin – Paris – Terror“ gearbeitet hat. „Es wird uns hier gespiegelt, dass der WDR da ganz weit vorne ist. Die Besucher nehmen unsere Projekte als Pionierarbeit wahr.“
Auch ihre Teamkollegin Dorothee Pitz ist berührt vom großen Interesse der Besucher: „Das zeigt uns, wie sinnvoll unsere Arbeit ist.“ Am Kriegskinder-Projekt, der ersten Augmented-Reality-Experience des WDR, fasziniere die Besucher besonders, dass historische Fakten mit einer neuen Technologie erzählt werden. „Mit der neuen Erzählweise ist es möglich, ein Erleben herzustellen – und damit auch ein Verständnis für die Fakten.“
Was die re:publica-Besucher an den WDR-Ständen praktisch erfahren konnten, wurde in einem Panel theoretisch diskutiert. „Paris Terror“-Entwicklerin Sophie Schulenburg sprach mit dem Fotografen und Filmemacher Liam Maloney, der freien Journalistin Carolin Wiedemann und der Arte-Programmkoordinatorin Annina Zwettler über die Chancen und Risiken von Virtual Reality.

„Man wirft jemanden in eine Situation“

Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass Medienmacher eine große Verantwortung tragen, wenn sie die neue Technik nutzen. Schulenburg berichtete, dass ihr Team sehr vorsichtig an die Protagonisten der beiden Geschichten herangetreten seien: in Berlin mithilfe von Trauma-Experten, in Paris über einen Verband, der Opfer betreut. Aber auch die Verantwortung gegenüber den Rezipienten sei groß: „Man wirft jemanden in eine Situation. In Paris ist es ein Keller, in dem sich Geiseln befinden. Das ist bedrohlich.“ Dementsprechend müsse man sich genau überlegen, wie man Sound und Bilder einsetzt. Zwettler lud die Besucher am Ende der Runde dazu ein, sich die Projekte genau anzusehen: „Wir müssen über diese neue Technik reden.“
Am ersten Tag der re:publica war der WDR bereits mit zwei Panels vertreten. Auf der Media Convention stellten WDR-Redakteurin Nicole Ripperda, Leonie Heling von der Kölner Produktionsfirma bildundtonfabrik und die Film-Autorin Fabienne Hurst ihr Doku- und Recherche-Projekt „docupy“ vor, das seit November läuft. Sechs Monate nehmen sie sich dafür ein Thema vor – in Netz und Film. Im restlos besetzten „Saal Zwei“ der re:publica sprach außerdem Monitor-Chef Georg Restle mit ZDF-Morgenmagazin-Moderatorin Dunja Hayali, ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke und der freien Journalistin Silke Burmester über „Journalismus im Netz: Zwischen Fakten, Fake, Haltung und Hate“. Restle schloss die Runde mit einem Appell: „Verstehen Sie dieses Forum und unsere alltägliche Arbeit als ein Angebot, den Dialog mit uns zu führen.“

Offenes und transparentes Projekt: „Superkühe“

Um den Dialog zwischen Medienmachern und dem Publikum ging es auch beim Panel „Müssen wir wirklich reden? Sinn und Grenzen medialer Debattenformate“. Thomas Hallet, Leiter des WDR Innovation Labs, Formatentwicklerin Carolyn Braun von Chapter One und die Journalistin Deana Mrkaja sprachen dort über ihr Projekt „Superkühe“. Es war auf der re:publica 2017 angekündigt worden – allerdings nicht als Debatten-Format.

In erster Linie wollte sich das Team mit dem Thema Milchproduktion beschäftigen und die Möglichkeiten des Sensorjournalismus nutzen: Emma, eine Milchkuh aus dem Familienbetrieb, die Bio-Kuh Uschi und Connie vom Großhof sendeten im September 2017 30 Tage lang Sensor-Daten, die in Echtzeit auf eine Website und in einen Facebook-Chatbot flossen.

Was die Macher überraschte: Noch bevor es überhaupt losging, arbeiteten sich auf der Facebook-Seite Gegner und Befürworter der Milchviehhaltung aneinander ab. In nur vier Wochen erreichte das Projekt eine Facebook-Reichweite von drei Millionen und 500.000 Interaktionen. Viel Moderationsarbeit für die Macher. Im Rückblick sagt Hallet: „Ich fand es wichtig, dass wir uns nicht positioniert haben. Wir sind völlig offen an das Projekt herangegangen. Die Offenheit der Fragestellung und die Transparenz in der Arbeitsweise waren wichtig für die Glaubwürdigkeit.“

Fragen, die die digitale Gesellschaft bewegen

Diese Einstellung halten auch die anderen Podiumsteilnehmer für wichtig. Philip Faigle betreut bei der ZEIT das Format „Deutschland spricht“, in dessen Rahmen sich 1.500 Menschen mit unterschiedlichen politischen Positionen zu Zweiergesprächen getroffen haben. Faigle sagte, die Journalisten hätten sich auch bei den dokumentierten Gesprächen möglichst im Hintergrund gehalten. Beim Projekt von Podiumsteilnehmer Louis Klamroth, der Website „Diskutier mit mir“, sind die Eins-zu-eins-Chats von Menschen unterschiedlicher politischer Ansichten sogar komplett uneinsehbar.
Am zweiten Abend der re:publica wurde eine WDR-Koproduktion gezeigt, die am 17. Mai in die Kinos kommt: „The Cleaners“. „Wenn man mir diesen Film vor zehn Jahren gezeigt hätte, hätte ich ihn für krasseste Science-Fiction gehalten“, sagte der Journalist Richard Gutjahr im anschließenden Gespräch mit einem der beiden Macher, Moritz Riesewieck.
Doch „The Cleaners“ ist ein Dokumentarfilm, produziert von der gebrueder beetz filmproduktion in Koproduktion mit Grifa Films Brasilien, dem WDR (Redaktion Christiane Hinz/Jutta Krug), NDR, RBB und VPRO. Er zeigt Menschen in Manila, die für Facebook die Bilder auswählen, die gelöscht werden sollen. 25.000 am Tag. Ein Film, der wie viele andere Veranstaltungen auf der re:publica auf eindringliche Weise zeigt, welche Fragen die digitale Gesellschaft bewegen.

Die re:publica läuft noch bis Freitagabend in der Station Berlin.

Text: Kathi Preppner

Stand: 02.05.2018, 18:30