Next Generation

Next Generation

Next Generation

WDR-Journalist*innen der neuen Generation erzählen in WDR print, wie sie mit kreativen Ideen den digitalen Wandel gestalten.

Wie tickt unser journalistischer Nachwuchs? Wir wollten von 15 jungen Programmmacher*innen und Moderator*innen des WDR wissen, woran sie arbeiten, welche Ideen sie haben und wo sie sich und die Medien in zehn Jahren sehen.

Lisa Weitemeier

Lisa Weitemeier

Lisa Weitemeier (28, aus Essen)

Was war Ihr bislang innovativstes Projekt?

Die Reportage Tschernobyl in 360° und das VR-Projekt „Der Kölner Dom“, weil es keine journalistischen Vorbilder gab – wir konnten frei experimentieren: Haben Kamera-Equipment selbst gebastelt, ganz neue Formen des Storytellings entwickelt. Schmankerl obendrauf: der Grimme Online Award.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Wir bauen »Quarks« im Digitalen weiter aus, mehr Stories für Instagram, neue Formate für Youtube. Wir erreichen mehrere Millionen Menschen pro Woche. Bei Partys werde ich auf unsere Instagram-Clips angesprochen. Das macht mich schon stolz.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Unsere Rolle, Dinge einzuordnen, wird immer stärker werden. Ist es ein Einzelereignis oder passt es in einen Trend, was sagen Studien, wie ist es wirklich?

Jan Kawelke

Jan Kawelke

Jan Kawelke (27, aus Oberhausen)

Was war bislang Ihr erfolgreichstes, spannendstes, innovativstes Projekt?

»Machiavelli - Der Podcast über Rap & Politik« bei COSMO zusammen mit Vassili Golod.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

»Machiavelli« vertiefen, erweitern, schleifen. Den starken Musikjournalismus des Westdeutschen Rundfunks aufs Digitale übertragen.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Im Jahr 2019.

Vassili Golod

Vassili Golod

Vassili Golod (28, aus Hagen)

Was war bislang Ihr erfolgreichstes, spannendstes, innovativstes Projekt?

Die Gründung und Umsetzung von »Machiavelli – Der Podcast über Rap & Politik« gemeinsam mit Jan Kawelke bei COSMO.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

An der Weiterentwicklung unseres politisch-popkulturellen Formats. Neben den regulären Podcast-Folgen und Live-Auftritten auf Festivals und Conventions arbeiten wir gerade mit einem großartigen Kreativ-Team an einem Bewegtbildkonzept.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Im besten Fall angekommen im Internet. Im schlechtesten Fall weiter mit sich selbst beschäftigt.

Mona Ameziane

Mona Ameziane

Mona Ameziane (25, aus Marl, "aber zur Hälfte Marokkanerin")

Was war bislang ihr erfolgreichstes, spannendstes, innovativstes Projekt?

Die wöchentliche Sendung »1LIVE Stories« moderieren zu dürfen und dann – als digitale Erweiterung zur Sendung – für funk den Instagram-Kanal @stories.offiziell über Bücher und Hintergrundthemen aus der Literaturbranche mit aufzubauen.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Vor allem am Wachstum und der Weiterentwicklung von »Stories«. Außerdem stehe ich seit ein paar Monaten als Reporterin und Moderatorin für die Sendung »neuneinhalb« vor der Kamera und lerne gerade sehr viel über die Arbeit beim Fernsehen.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Wahrscheinlich immer noch nicht da, wo sie sein könnten, aber hoffentlich schon näher dran.

Michelle Blum

Michelle Blum

Michelle Blum (28, aus Köln)

Was war bislang Ihr erfolgreichstes, spannendstes, innovativstes Projekt?

Das 360° VR Bergwerk. Wir waren 1200 Meter unter der Erde mit aufwendiger Technik. Mit der Bergmannskluft im Streb zu hocken und den Kohlenhobel an einem vorbeifahren zu sehen – da fühlt man sich ein bisschen wie Indiana Jones. Einen Schatz gab es auch: Das Projekt war für den Grimme-Online-Award nominiert.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Hauptsächlich als freie Autorin für WDR Digit, das Archiv des analogen Alltags. Nutzer können ihre alten Dias, Fotos und Super-8-Filme abgeben, wir sichten, digitalisieren und erhalten so den Zeitgeist vergangener Dekaden.

Was wollen Sie in zehn Jahren machen?

Eigene Filme drehen. Falls mein Zukunfts-Ich dieses Interview nochmal in zehn Jahren liest: Hi Michelle, solltest du keine eigenen Filme machen, ist das auch in Ordnung. Jetzt geh' zum Aldi und kauf dir ein Eis.

Tobias Dammers

Tobias Dammers

Tobias Dammers (27, aus Aachen)

Was war bislang Ihr erfolgreichstes, spannendstes, innovativstes Projekt?

Eine Reportage zum Thema „Rechtspopulismus und EU-Skepsis”, die mich in die rechtspopulistischen Hochburgen Ungarns, Frankreichs, Italiens, Schwedens und Deutschlands geführt hat. Es waren lehrreiche Leaving-your-comfort-zone-Recherchen, bei denen ich feststellen musste, wie tief sich Wut und Misstrauen gegenüber Journalisten eingefressen haben. Ich habe auch experimentiert, wie eine rechercheintensive Reportage auf Instagram sinnvoll begleitet werden kann.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Ich recherchiere für die erste »Westpol«-Sendung nach der Sommerpause, lerne Videoschnitt und -dreh und beschäftige mich unter anderem damit, wie komplexe Inhalte auf Instagram und Twitter attraktiv ausgespielt werden können.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Die Medienlandschaft wird digitaler sein, sich weiter aufsplittern, und hochspezialisierte Kanäle werden noch stärker Individualinteressen bedienen als heute. Die Konkurrenz deutscher Kanäle mit internationalen (journalistischen und kommerziellen) Angeboten wird zunehmen. Gleichzeitig werden mehr User bereit sein, digital für Inhalte zu bezahlen. Journalistische Medien werden sich auch darüber klar werden, bis zu welchem Grad sie sich den Algorithmen externer Plattformen unterwerfen wollen. Abgesehen davon werden verlässliche, journalistische Angebote gesellschaftlich noch wichtiger werden, die kritisch, unbequem und aktuell hinterfragen. Ich bin überzeugt, dass in der aktuellen Berichterstattung und in recherchestarken Investigativgeschichten das größte Zukunftspotential liegt – unabhängig von den Ausspielwegen.

Maximilian Doeckel

Maximilian Doeckel

Maximilian Doeckel (28, aus Leverkusen)

Was war bislang Ihr spannendstes Projekt?

Als abgeschlossenes Projekt: True Demon. Bei der Horror-/Mysteryserie habe ich für 1LIVE gemeinsam mit Sophie Seitz (PG Fernsehfilm und Kino) die Redaktion der Drehbücher übernommen. Eine Horrorserie allein ist für den WDR schon etwas Besonderes. Der eigentliche Clou ist aber: Die Folgen werden auf Youtube veröffentlicht und erzählen die Geschichte in Echtzeit.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

"What if" wird ein neues Youtube-Format, mit dem wir wissenschaftlich korrekte Antworten auf kuriose Fragestellungen geben und so Szenarien entwickeln. Was wäre etwa, wenn wir alle aufhören würden, uns zu impfen? Zwölf Folgen wird es geben, vollständig 3D-animiert.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Radio und TV haben weiter an Bedeutung verloren und sind durch personalisierte digitale Medien ersetzt. Im Fokus steht immer mehr der Diskurs über einzelne Werke, Community-Aufbau und -Management ist weiterhin extrem wichtig. Digitale Assistenten und Sprache als Eingabemittel für Computer sind allgegenwärtig und VSO deshalb wichtiger als SEO. Die Finanzierung von Qualitätsjournalismus ist schwierig, und gerade deshalb sind die öffentlich-rechtlichen Medien immer noch wichtig. Für den letzten Punkt müssten wir aber schon heute innovativer werden.

Farah Schäfer

Farah Schäfer

Farah Schäfer (26, aus Nürnberg)

Was war bislang Ihr spannendstes Projekt?

Definitiv »Mädelsabende«: Ein Projekt, das auf Instagram stattfindet und besonders junge Frauen anspricht. Meiner Meinung nach das aktuell spannendste soziale Netzwerk. Die Entwicklung zu begleiten, von der Erstellung des Accounts über den Gewinn des Grimme Online Awards bis hin zu unserem letzten Meilenstein, das Erreichen von 100.000 Follower*innen, war extrem spannend. Ich konnte mich in der Zeit sehr weiterentwickeln und habe inspirierende Frauen und Männer kennengelernt.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Mein Fokus liegt weiterhin bei »Mädelsabende«, denn besonders bei einem Online-Projekt gibt es immer neue Entwicklungen, und die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgereizt.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Beobachtet man aktuelle technische Entwicklungen wie Deepfakes, die immer einfacher hergestellt werden können, wird die Rolle der Medien als Faktenchecker und Wissensvermittler an Bedeutung gewinnen. Umso wichtiger, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk dann auch dort stattfindet, wo die Zielgruppe rezipiert.

Svenja Spengler

Svenja Spengler

Svenja Spengler (22, aus Nürtingen)

Was war bislang Ihr spannendstes Projekt?

Definitiv »Glanz&Natur«. Es macht total Spaß, dem Themenkomplex Beauty einen neuen Anstrich zu verleihen, sich kritisch damit auseinanderzusetzen und zu zeigen, wie einfach sich vegane und nachhaltige Körperpflege umsetzen lässt. Das positive Feedback unserer Community spornt uns enorm an, weiter aufzuklären und die verschiedensten Themen im Beauty-Bereich unter die Lupe zu nehmen.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Ich arbeite als eine von drei Presenterinnen für das Instagram- und Youtube-Format »Glanz&Natur«. Das produziert der WDR für funk.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Wer weiß, wer der nächste Mark Zuckerberg ist? Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Technologie so schnelllebig ist, dass wir uns dann vielleicht mit Hologrammen unterhalten.

Marspet Movsisyan

Marspet Movsisyan

Marspet Movsisyan (25, aus Artaschat, Armenien)

Was war bislang Ihr erfolgreichstes Projekt?

"Snapchat gibt’s noch?", war immer die erste Frage, wenn ich von unserem neuen Projekt erzählt habe. Niemand hat es für möglich gehalten, aber: Mittlerweile haben wir knapp 100.000 Abonnent*innen auf unserem Snapchat-Kanal vom funk-Format »reporter«. In nur fünf Monaten.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Als Redakteur an unterschied- lichen On- und Offline- sowie Social-Media-Projekten im Programmbereich Aktuelles.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Wesentlich stärker vernetzt. Einige Plattformen wird es nicht mehr geben, andere werden völlig neue Möglichkeiten des Austausches und der Informationsverbreitung bieten. Es ist Aufgabe der Journalist*innen, offen für (starke) Veränderungen zu sein, den Wandel anzunehmen und: besser zusammenzuarbeiten. Der WDR-Newsroom macht es gerade vor.

Jan Koch

Jan Koch

Jan Koch (30, aus Leverkusen)

Was war bislang Ihr spannendstes Projekt?

#Votethefuck für COSMO: Vor der US-Wahl war ich mit Reporterkollege Max Burk in den Staaten auf Reporter-Roadtrip: Wir haben Snapchat-Stories, Facebook-Clips, Youtube-Reportagen und Radio-Live-Schalten produziert – tagesaktuell aus Hotel oder Auto.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Immer tagesaktuell an gesellschaftlich-relevanten Themen. Generell arbeite ich sonst auch eng mit der »Tagesschau«-Kopfredaktion in Hamburg daran, Insta-Journalismus für die »Tagesschau«-Page auszubauen und zu formatieren.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

User*innen suchen aktiv den Content, den sie wollen. Mediatheken und Social-Media-Kanäle sind die Plattformen. Jedes Fernsehen ist smart. User sind bei verschiedenen Anbietern angemeldet und auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der an Bedeutung nicht verlieren darf.

Robert Rack

Robert Rack

Robert Rack (27, aus Hannover)

Was war bislang Ihr innovativstes Projekt?

Möglicherweise der Start von 1LIVE im sozialen Netzwerk TikTok, Anfang 2019. Die Social-Media-Plattform für Kurzvideos ist für viele Medien weiterhin Neuland, und 1LIVE hat hier wertvolle Pionierarbeit geleistet. In kürzester Zeit haben wir hunderttausende Abonnent*innen generiert und Millionenreichweiten erzielt. Heute bauen wir hierauf auf und teilen unsere Erfahrungen innerhalb der ARD und darüber hinaus.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

An der Weiterentwicklung und Verjüngung unseres Drittplattformportfolios: 1LIVE ist mit weiteren Angeboten bei Snapchat, Spotify und Amazon Prime gestartet. Parallel optimiere ich unsere Datenauswertung, damit 1LIVE in Zukunft noch öfter das richtige Thema zur richtigen Zeit auf der richtigen Plattform setzen kann. Ich bin auch an der Entwicklung der neuen 1LIVE App und unserer Podcast-Strategie beteiligt.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Erweiterte Realität und künstliche Intelligenz sind bis dahin fester Bestandteil unseres Alltags. Das wird einen enormen Einfluss auf die Medienrezeption und unsere Arbeit haben.

Jana Fischer

Jana Fischer

Jana Fischer (28, aus Hagen)

Was war bislang Ihr spannendstes Projekt?

Eine nischige kleine Lieblingsaktion war, als wir 2017 für »Satire Deluxe« (WDR 5) eine siebenstündige Zeitreise durch die Jahrzehnte gebastelt haben.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

In der Hörfunkunterhal- tung wechselt das wöchentlich. Diese Woche mache ich beispielsweise Satire-Beiträge über Insektensterben, E-Sport und Waffengesetze. Zwischendurch arbeite ich an einem »ZeitZeichen« über Bruce Springsteen.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Ich bin mir nicht einmal sicher, wo ich sie jetzt sehe! Aber Information und Unterhaltung sind zeitlose Bedürfnisse. Insofern: Irgendwas wird’s schon geben.

Stefanie Vollmann

Stefanie Vollmann

Stefanie Vollmann (29, aus Hagen)

Was war bislang Ihr innovativstes Projekt?

Die Augmented Reality App "WDR AR 1933-1945", für die ich die Autorin des Kapitels "Meine Freundin Anne Frank" sein durfte und die beiden besten Freundinnen von Anne Frank in Jerusalem und Amsterdam getroffen habe. Neben der thematischen Herausforderung war es auch wahnsinnig spannend, mit Hologrammen und Animationen im Raum zu arbeiten und so eine ganz neue Form des Storytellings zu entwickeln.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Ich recherchiere für meine nächste »Unterwegs im Westen«-Reportage zum Thema Plastik, bereite Teil 2 der Schultour mit der »WDR AR 1933-1945 App« vor und mache für 1LIVE »Ausgepackt« und »Dumm gefragt«.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Digital und mobil. Begrenztes Datenvolumen spielt bald keine Rolle mehr. Noch flexibler angepasst an die Ausspielwege – mit mehr Fokus auf Storytelling. Und: hoffentlich mit einer klaren (Rück-)besinnung auf die Anker Multiperspektivität und gründliche Recherche, um den Netzblasen entgegenzuwirken.

Alina Freimann

Alina Freimann

Alina Freimann (29, aus Lugansk/Ukraine)

Was war bislang Ihr spannendstes Projekt?

Das Portrait einer jungen Bloggerin, die ein Krebstagebuch führte. Mit gerade einmal 24 Jahren bekam sie die Diagnose: unheilbar. Diese Begegnung war eine einschneidende Erfahrung, die mich im Laufe meiner Tätigkeit als Autorin und Redakteurin stark geprägt hat.

Woran arbeiten Sie gerade für den WDR?

Meine Aufgabe als frischgebackene Redakteurin ist es, crossmediale Themen zu generieren, mit denen sich Menschen identifizieren können. Zum einen Themen, die für die Zuschauer*innen der »Lokalzeit« interessant sind, zum anderen Themen, die auch über das Münsterland hinaus durch unseren Social-Media-Kanal Aufmerksamkeit wecken.

Wo sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Der Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser, Zuschauer, Hörer und User wird sich zusehends verschärfen, und die Medien werden noch stärker untereinander konkurrieren.

Stand: 03.09.2019, 13:43