Das musikalische Quartett

Jukka-Pekka Saraste dirigiert das WDR Sinfonieorchester

Das musikalische Quartett

Von Christian Schyma

"Vier Ensembles, ein Abend" – unter diesem Motto präsentierten sich Sinfonieorchester, Funkhausorchester, der Rundfunkchor und die Big Band beim gemeinsamen Konzert-Treff im Funkhaus.

Große Scheinwerfer, ein roter Teppich und rund 350 Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kultur – der Rahmen für die Premiere am Samstag im Funkhaus am Wallrafplatz war gebührend gesteckt. "Vier Ensembles, ein Abend" lautete das Motto. Hörfunkdirektorin Valerie Weber hatte die Idee zu diesem besonderen Konzert-Treff: Die Orchester und der Rundfunkchor sollten unmittelbar vor dem Start in die neue Saison erstmals gemeinsam einem interessierten Musikpublikum vorgestellt werden. Die Gäste bekamen so die Möglichkeit, ganz ungezwungen mit Musikern und Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Das lockere "Come Together" fand seine Bühne im Wohnzimmer des WDR: Bespielt wurden der große und der kleine Saal, das Foyer samt Treppe und zu späterer Stunde auch das Funkhauscafé.

Tom Buhrow: "Begeisterung im Land wecken"

V.l.n.r.: Stefan Parkman (Chefdirigent WDR Rundfunkchor), Wayne Marshall (Chefdirigent WDR Funkhausorchester), Valerie Weber (WDR-Hörfunkdirektorin), Tom Buhrow (WDR-Intendant) und Jukka-Pekka Saraste (Chefdirigent WDR Sinfonieorchester)

"Ich finde es so schön, ein solch großes Orchester im Rücken zu haben“, begrüßte Sabine Heinrich als Moderatorin die Gäste im großen Saal und gab den Taktstock gleich an Intendant Tom Buhrow weiter. "Ich halte es für eine fantastische Idee, gemeinsam zu zeigen, was wir hier leisten. Unsere Klangkörper gehören in die 1. Liga der Musik." Rund 200 Konzerte absolvieren die vier Ensembles pro Saison – dazu kommen noch ca. 150 kleinere Auftritte zum Beispiel in Grundschulen und Kindergärten. "Wir wollen die Musik von hier aus in die Mitte der Gesellschaft tragen, ins Herz von NRW", so Buhrow. Bestes Beispiel sei da die Aktion, bei der WDR-Hörer ein Konzert mit einem Ensemble oder dem Chor gewinnen konnten. Denn gleich am nächsten Tag ging es für das Quartett raus ins Land: Das Sinfonieorchester spielte bei der Kreishandwerkerschaft in Lübbecke, die Big Band in einem Hangar in Mönchengladbach, das Funkhausorchester im Museum für Kaffeetechnik in Emmerich und der Rundfunkchor sang in einem Second-Hand-Markt in Krefeld. "Damit können wir die Begeisterung im Land wecken und gleichzeitig mit den Menschen ins Gespräch kommen", sagt Buhrow.

WDR Funkhausorchester unter der Leitung von Chefdirigent Wayne Marshall

Ganz bewusst hatten die Verantwortlichen beim Konzert-Treff auf ein "Best of" der Klassik gesetzt. So eröffnete das Sinfonieorchester den Abend mit den ungarischen Tänzen von Brahms, gefolgt von Smetanas Moldau. Jukka-Pekka Saraste geht in sein neuntes und letztes Jahr als Chefdirigent. "Für mich ist es deshalb auch ein emotionales Jahr", verriet der Finne im Gespräch mit Sabine Heinrich. Auf was sich die Zuhörer bei seinem Abschiedskonzert ganz besonderes freuen dürfen, wollte Saraste noch nicht preisgeben: "Der finnische Tango ist jedenfalls nicht dabei."

Die dritte Hand

Viel Beifall bekamen auch Wayne Marshall und sein Funkhausorchester, das Gershwins 2. Rhapsody präsentierte. Nicht nur Sabine Heinrich wunderte sich über die Multitasking-Fähigkeiten des Engländers, der abwechselnd dirigiert und am Piano sitzt. "Ja, ich muss wohl eine dritte Hand haben", schmunzelte Wayne Marshall, der schon als kleiner Junge begeistert die Klassik-Konzerte auf BBC verfolgte. Der 57-Jährige ist auch ein Meister der Improvisation. "Moon River" wünschte sich ein Herr aus dem Publikum, während Gastgeber Tom Buhrow eine Klavier-Variante von "As Time goes by" favorisierte. "Daraus mache ich eine Kombination", sagte Wayne Marshall. Sprachs und ließ den Worten musikalische Taten folgen.

WDR Rundfunkchor im Foyer des Funkhauses

Im Foyer nahmen während der Pause einige Damen und Herren langsam, aber gezielt Kurs auf die Treppe. Formierten sich auf den Stufen zum Flashmob. Fast unauffällig gesellte sich Stefan Parkmann dazu. Die "Ode an die Freude" zum Hauptgang, das hat seinen Reiz. Ganz besonders, wenn es der Rundfunkchor und sein Leiter so perfekt servieren. "Sing mit" hieß dann die Aufforderung im großen Saal. "Sie sind unglaublich begabt", lobte der Chef das Publikum, welches beim Kanon aus "Carmina Burana" und "Bruder Jakob" kräftig mitsang. Kölsche Tön gab es auch, beim Bläck Fööss-Klassiker "Unsere Stammbaum" war das Textheft überflüssig.

Konzert-Treff als neue Tradition

WDR Big Band beim Konzert-Treff

Ein paar Meter weiter verwandelte die Big Band den kleinen Saal in einen swingenden Jazz-Club. Kleiner Vorgeschmack auch auf die beiden Formate "Personal Sounds" und "Pure Sounds", die Friederike Darius als neue Managerin ins Leben gerufen hat. "Uns geht es darum", so Darius, "dass die Menschen die Big Band von innen kennenlernen." Dem vielfachen Wunsch nach einer Zugabe kommt Tom Buhrow gerne nach: "Der Konzert-Treff soll eine neue Tradition begründen."

Stand: 10.09.2018, 13:16