"Hype" – Deutsch Rap-Musicalserie mit realem Hintergrund

Neuer Serien-Fünfteiler ab 2022 von WDR COSMO

"Hype" – Deutsch Rap-Musicalserie mit realem Hintergrund

Am 11. November wurden die Dreharbeiten zu einem ungewöhnlichen Serienprojekt beendet. COSMO realisiert mit "Hype" einen Serien-Fünfteiler, in dem Deutsch-Rap und authentische Schilderungen des Lebens junger Menschen mit Migrationshintergrund zu einer packenden Geschichte verschmolzen werden. Angesiedelt ist die Story im Kölner Problemviertel Porz-Finkenberg, realisiert wird sie von den Produktionsfirmen Picture Me Rollin' und Eitelsonnenschein.

"Noch eine Minute bis drehfertig!", kündigt die Aufnahmeleiterin an. In der gespannten Aufmerksamkeit am Set werden noch schnell letzte Justierungen am Licht vorgenommen. Die Kameraleute stehen bereits auf ihren Positionen. Regisseur Patrick Phul fixiert konzentriert seinen Kontrollmonitor und die in Party-Outfits gekleideten Schauspieler und Komparsen warten nur noch auf das Schlagen der Klappe und das Kommando "Ton ab!".

Im Kölner Club Reineke Fuchs wird eine der letzten Szenen für das Rap-Musical "Hype" gedreht. "Hype" erzählt die Geschichte des zwanzigjährigen Musa (Soufiane El Mesaudi), der Erfolg als Rapper sucht, sich aber mit einem Aushilfsjob und gelegentlichen Drogendeals durchschlägt und von Naila (Nora Henes), die es als erfolgreiche Influencerin scheinbar geschafft hat, ihre Herkunft hinter sich zu lassen. Hier auf der Party des fiktiven HipHop-Labels Deadline Records wird das Schicksal der zwei Protagonisten der fünfteiligen Serie ihren Wendepunkt finden. Beide stammen aus Porz-Finkenberg und suchen auf ihre eigene Weise nach einem Ausweg aus dem Milieu des mit sozialen Problemen behafteten Kölner Stadtteils. "Hype" erzählt so eine Geschichte über die Chancen und Möglichkeiten in einem Umfeld, in dem die Hoffnung auf gesellschaftliche Anerkennung nur schwer ihre Erfüllung findet.

Ein Projekt von COSMO

Die Serie ist das geistige Kind von Esra und Patrick Phul. Von ihnen stammen Idee und Drehbuch, das sie gemeinsam mit Claudia Bach und Leonidas Pakkan verfasst haben. Zudem führen beide bei der Umsetzung auch selber Regie. Bislang vornehmlich im Social-Media-Bereich tätig, ist es für das Ehepaar die erste eigene große Serienproduktion. Realisiert wird sie von ihrer eigenen Produktionsfirma Picture Me Rollin' in Kooperation mit der Eitelsonnenschein GmbH und COSMO. Von WDR-Seite wird sie dabei redaktionell von COSMO-Programmchefin Schiwa Schlei und Henrike Vieregge von der WDR Fiktion betreut. "Diese Serie vereint alles, was uns bei COSMO wichtig ist: Diversity, Innovation, authentische Geschichten und gute Unterhaltung – auch für ein migrantisches Publikum", erläutert Schlei. "Wir sind sehr dankbar, dass wir das in so einem großen Rahmen umsetzen können", freut sich Patrick Pfuhl.

Authentische Erfahrungen

Serien-Fünfteiler ab 2022von WDR COSMO

Esra und Patrick Phul (Regie/Drehbuch).

Für ihn und seine Frau Esra ist "Hype" eine wirkliche Herzensangelegenheit. Beide sind in Porz-Finkenberg aufgewachsen und wissen aus eigener Erfahrung um die Probleme und Schwierigkeiten, mit denen junge Menschen dort konfrontiert werden. "Wir erzählen in der Serie unsere eigenen Geschichten und die unserer Freunde", sagt Patrick Pfuhl. "Alles, was in der Serie erzählt wird, ist auch so oder so ähnlich wirklich passiert. Das sind die Probleme, mit denen wir in unserer Gesellschaft zu kämpfen haben. Das ist alles sehr echt." Um dies möglichst realistisch und authentisch umsetzen zu können, spielen in "Hype" fast nur Laiendarsteller:innen mit. "Das ist das Besondere an unserem Projekt. Wir haben viele Leute aus unserem Viertel miteingebracht. Also Leute, die so etwas noch nie gemacht haben", erläutert Esra Phul. "Und wenn ich mir die Aufnahmen angucke, dann habe ich das Gefühl, dass man so einen unverstellten Einblick in das Leben bekommt. Man wird wirklich reingesogen in dieses Milieu, in dieses Viertel und in das Leben der einzelnen Figuren. Da gibt es keine Distanz wie bei richtigen Schauspielern. Man sieht es einfach klarer." Um die Realität möglichst authentisch und direkt abzubilden, wurde so auch auf vorher geschriebene Dialoge verzichtet. Die Darsteller wurden stattdessen vor jeder Szene intensiv über den Inhalt gebrieft. "Wir haben nur mit Improvisation gearbeitet. Es gab keine fertigen Dialoge, denn wir wollten, dass die Darsteller:innen ihre eigenen Worte benutzen", erklärt Esra Phul. "Wir haben sie sich in die jeweilige Situation reinfühlen lassen. Und da kamen viel geilere Sachen raus, als wir sie mit unserer Vorstellungskraft in ein Drehbuch hätten packen können."

Echter Rap

Einen außergewöhnlichen Reiz erhält "Hype" durch seine Anlage als Musical. Neben authentischem Straßen-Rap werden dabei auch Tanzszenen zu sehen sein. Für Patrick Phul, der früher selber Mitglied einer Porzer Rap-Crew war, ist auch hier Authentizität eine absolute Grundbedingung: "Deutsch-Rap hat in 'Hype' natürlich einen hohen Stellenwert. In der Serie spielen auch drei wirkliche Rapper mit. Die Musik haben wir mit ihnen zusammen produziert. Für manche Szenen haben wir sie auch einfach nur über die Szene gebrieft und haben sie es dann selber machen lassen."

Auf Probleme aufmerksam machen

Das Hauptanliegen von "Hype" ist es, den Zuschauer für die Situation sensibilisieren, der sich junge Menschen mit Migrationshintergrund in einem Problemviertel wie Porz-Finkenberg konfrontiert werden. "In unserer Gesellschaft sind die Chancen nicht immer da. Sie sind ungleich verteilt. Mit harter Arbeit hat das oft nichts zu tun. Das wollen wir zeigen", sagt Esra Phul. "Musa arbeitet hart dafür, da rauszukommen, aber es gibt so viele Stellen, die ihn dann doch davon abhalten seinen geraden Weg zu gehen." Dabei ist die Gefahr in der Kriminalität einen Ausweg zu sehen, auch absolut real. "Niemand wird böse geboren. Man steckt in dieser Situation, in diesem Milieu und kommt da eben nicht raus. Und wenn man keine Perspektive hat und keine anderen Chancen sieht, dann sucht man sich eben seinen Weg Anerkennung zu finden. Seinen Hype zu bekommen. Und sei es mit Dealen oder mit Tankstellenüberfällen. Aber ich bin mir sicher, wenn man den Leuten einen Weg aufzeigen würde, sie unterstützt und ihnen hilft, dann würde das niemand ablehnen. Das ist die Message", formuliert Esra Phul die Absicht von "Hype".

Die Serie wird 2022 im Youtube-Kanal von COSMO, in der ARD Mediathek und bei ARD ONE zu sehen sein.

Stand: 12.11.2021, 15:01