"Ich gebe keine Ratschläge"

Catrin Altzschner

"Ich gebe keine Ratschläge"

Catrin Altzschner moderiert seit dem 7. Mai die neue "Call-In"-Sendung "F**k forward" bei 1LIVE. Altzschner: "Warum sollte man nicht offen darüber reden?"

Sie redet offen über Themen, für die die meisten Menschen kaum Worte finden: Selbstbefriedigung, Sexpraktiken, Pornos. Seit etwas mehr als einem Jahr moderiert die 33-Jährige die Sendung "F**k forward" in 1LIVE. Jetzt wird aus der Magazinsendung eine Live-"Call-In" Show, bei der Zuhörerinnen und Zuhörer anrufen können. Jeden Dienstag von 23 Uhr bis Mitternacht heißt es: "Let’s talk about Sex, Baby!" Im Kölner Café Reichard fangen wir schon mal damit an.

Nächtliche Telefonate über Sex – treten Sie in die Fußstapfen von Domian?

Catrin Altzschner: Der Vergleich ist naheliegend, aber er ist mir nicht so recht. Ich habe großen Respekt vor Domian, und man sollte seine Sendung nicht auf die Sexthemen reduzieren, von denen vor allem die Kuriositäten in Erinnerung geblieben sind. Außerdem gebe ich keine Ratschläge. Wir wollen einfach der Kommunikation über Sex einen Raum geben, es soll nicht um Kuriositäten gehen.

Was sind Ihre Themen?

Altzschner: Zum Beispiel: Wie rede ich in Partnerschaft oder Freundschaft über Sex? Oder: Was bedeutet Berührungsqualität? Aber auch: Selbstbefriedigung. Wir wollen möglichst lebensnah sein. Sex ist in der Öffentlichkeit meist nur sichtbar in Form von Gags oder Pornos. Sexualenergie ist eine wichtige Energie. Warum sollte man nicht offen darüber reden?

Wer wird anrufen?

Altzschner: Wir lassen uns überraschen. Aber es geht uns nicht nur um diejenigen, die anrufen, sondern um die vielen, die die Sendung hören. Die hören, dass man über alles sprechen kann. Ich möchte eine Sendung machen, die Menschen bewegt, die sinnvoll ist. Bisher waren wir sehr erfolgreich, was wir an der Zahl der heruntergeladenen Podcasts sehen und an superlangen E-Mails, die ich erhalten habe. Ich bekomme die Rückmeldung, dass Leute nachdenklich werden. Manche wollen auch einen Rat, den ich aber nicht geben kann. Ich bin nicht Dr. Sommer aus der Bravo. Ich versuche nur, die Welt vorurteilsfrei zu betrachten.

Sie nehmen kein Blatt vor den Mund. Fällt es Ihnen leicht, so frei über Dinge wie weibliche Lust und „Pussy Pleasure“ zu reden?

Altzschner: Ich bin sicher der ängstlichste Mensch auf diesem Planeten, ich habe vor tausend Dingen Angst. Irgendwann habe ich mich entschieden, über meine Ängste hinauszugehen. Und darum mache ich wahrscheinlich auch Dinge, die Leute mit weniger Ängsten nicht tun würden.

Sie sind selber sehr präsent als Moderatorin in den bisherigen Sendungen, berichten auch von eigenen Erfahrungen.

Altzschner: Mir geht es nicht um klassische Interviews, eher darum, so zu reden, wie man es auf einer Party tun würde: "Ach, du stehst auf BDSM [Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism], erzähl doch mal." Wenn jemand so viel Intimes von sich preisgibt, will ich mich selber auch als verletzlich zeigen. Mir ist oft gar nicht so bewusst, dass das viele Menschen hören. Einmal habe ich abends beim Autofahren eine meiner Sendungen im Radio gehört, da dachte ich schon: ach so, krass!

Warum haben Sie Sex zu Ihrem Thema gemacht?

Altzschner: Nach dem Ende einer langjährigen Beziehung habe ich viel ausprobiert und mich mit Sex auseinandergesetzt. Menschen sprechen über alles Mögliche mit ihrem Partner, nur im Bett soll dann alles einfach so funktionieren und toll sein – das ist doch schräg! Wenn ich darüber rede, kann ich den anderen was geben – und selber noch viel lernen.

„Fuck Forward“ ist ab 22:30 Uhr am Sendetag erreichbar unter der Nummer 0800 220 5050 oder jederzeit per E-Mail über fuckforward@1live.de

Stand: 07.05.2019, 11:55