Eine Woche live aus einer Flüchtlingsunterkunft

Das COSMO-Team in Düsseldorf vor der Flüchtlingsunterkunft

Eine Woche live aus einer Flüchtlingsunterkunft

Mehr als 10.000 Geflüchtete leben in Nordrhein-Westfalen in Unterkünften. Wie sieht ihr Alltag aus? Wovon träumen sie? COSMO sucht nach Antworten und ist in eine Flüchtlingsunterkunft gezogen.

Von weitem erinnern die mit Holz verkleideten Häuser an eine Ferienanlage. Drinnen hat es den Charme einer Jugendherberge. Rund 300 Geflüchtete leben in der Unterkunft in Düsseldorf. Sie kommen aus mehr als 30 verschiedenen Ländern. Auf dem Gang teilen sie sich die Küche, die Gemeinschaftsduschen und -toiletten.

Fairozeh, rotes Shirt, gelbes Tuch, abgestimmt auf die Farbe der Handtasche, ist mit ihrem Mann und zwei Töchtern aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Im Iran hat ihr Mann als Ingenieur gearbeitet, sie selbst war im Qualitätsmanagement tätig. Gehobener Mittelstand. Nun lebt die Familie auf zwei Zimmern. "Was meinen Sie, ist die Unterkunft gut?", fragt sie.

Eine Frage, die sich auch COSMO gestellt hat. Deshalb sind Programmchefin Schiwa Schlei und die beiden COSMO-Moderatoren Marwa Eldessouky und Miltiadis Oulios für eine Woche (03.-07. September) in die Unterkunft in Düsseldorf gezogen. Täglich berichten sie im Programm von COSMOund in Live-Sendungen zwischen 9 und 11 Uhr sowie 16 und 18 Uhr von dem, was sie erleben, laden zum Kochen ein und besuchen Bewohner zu Hause. Manche haben die kargen Räume mit wallenden farbenfrohen Vorhängen verschönert, um ein wenig Privatsphäre zu schaffen. Denn wer allein ankommt, muss sich das Zimmer teilen – oft mit einem oder einer erst einmal Fremden.

Für die meisten besteht das Leben in der Unterkunft aus Warten. Mamadou aus Mali hat bereits ein Praktikum als Altenpfleger absolviert. "Ich habe die alten Menschen gewaschen, ihnen die Zähne geputzt, das Bett bezogen", sagt Mamadou, "das macht mir Spaß." Im Anschluss bekam er einen Job angeboten. Nun wartet er auf die Arbeitserlaubnis. "Hoffentlich kommt der Brief bald, morgen oder übermorgen", wünscht sich Mamadou.

Ali, 24 Jahre alt, aus Afghanistan hat die Hoffnung fast verloren. Seine Frau wartet in einem Flüchtlingscamp im Iran, er selbst auf die Abschiebung. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Zwar ist aus Düsseldorf nach Angaben des Amts für Migration und Integration seit langem keine Abschiebung nach Afghanistan vollstreckt worden, doch das beruhigt Ali nicht. Er zeigt seine Narben am Unterarm. Zeugnisse eines Selbstmordversuchs. "Gibt es jemanden, der Dir hier in der Unterkunft hilft", fragt COSMO-Moderator Miltiadis Oulios, "jemanden, dem Du Dich anvertrauen kannst?" Die Antwort: Schweigen.

Am Tor zur Unterkunft sammeln sich einige junge Männer. Einer hat einen Ball unter dem Arm. Sie wollen Fußball spielen – professionell, vielleicht eines Tages als Nachwuchs für die Nationalmannschaft, aber bislang fehlt der Trainer. Spontan baut COSMO-Moderatorin Marwa Eldessouky die Suche in ihre Live-Sendung ein. Und tatsächlich meldet sich ein junger COSMO-Hörer aus Düsseldorf. Er möchte die Jungs mit Trikots ausstatten und in der Hobbyliga trainieren. Bald ist Düsseldorf also um eine Mannschaft reicher – COSMO United.

Stand: 06.09.2018, 17:33