Der große BRECHT-Abend im Ersten

Brecht, Abend, im, Ersten

Der große BRECHT-Abend im Ersten

Einen besonderen TV-Moment bietet das Doku-Drama BRECHT, bei dem der WDR die Federführung hat.

Der Film in zwei Teilen und die anschließende Dokumentation zeigt das Leben des meistgespielten deutschen Dramatikers des 20. Jahrhunderts in all seinen Widersprüchen, Ambivalenzen und Brüchen (Das Erste, 27. März 2019, ab 20.15 Uhr). Breloers Film ist auch ein Plädoyer für die Kraft der Kunst und was sie an Neugier, Erkenntnis und Veränderungslust in den Köpfen der Menschen freisetzen kann: anspruchsvoll und formend im besten Sinne.

Bereits Ende der 1970er Jahre hatte sich Heinrich Breloer mit einer Fernsehdokumentation der Figur Brecht angenähert und dafür viele Gespräche mit Zeitzeugen geführt. So konnte er sogar noch mit Brechts erster Liebe Paula Banholzer, mit seinen Mitschülern und Jugendfreunden sprechen. Für den aktuellen Film kamen zahlreiche Interviews mit Mitarbeitern und Wegbegleitern Brechts aus den letzten Jahren hinzu. Zusammen mit dokumentarischem Material aus den Archiven und intensiven Recherchen vervollständigen sie Breloers Film in zwei Teilen zum eindringlichen Doku-Drama, das Brechts Prinzipien des epischen Theaters bis hinein in die Erzählweise ernst nimmt und die Zuschauer zum kritischen Mitdenken auffordert.

Teil 1: Die Liebe dauert oder dauert nicht

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"Ich bin der letzte Dichter der deutschen Sprache, das letzte deutsche Genie." Er scheint an Größenwahn zu leiden, der kränkelnde, freche und zugleich schüchterne, vor allem aber sehr begabte Gymnasiast Eugen Berthold Brecht aus Augsburg. Und er hat eine Mission: "Ich werde der Welt zeigen, wie sie ist, aber wie sie wirklich ist." Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und auf dem liegen viele Steine.

Brecht entgeht nur knapp einem Schulverweis und sein Freund Caspar Neher, der sich freiwillig gemeldet hat, wird an der Westfront verschüttet, ausgegraben und wieder zurückgeschickt ins große Sterben. Brecht schreibt seine "Legende vom toten Soldaten", der als Leiche ausgegraben und unter Tschindrara wieder an die Front geschleppt wird "wie ein besoff‘ner Aff".

Brechts Jugendliebe  Paula Banholzer, seine "Bi", und die folgende Beziehung mit Marianne Zoff, einer Opernsängerin, entwickeln sich dramatisch. Seinen ersten Erfolg feiert er in den Münchener Kammerspielen. Ein – vielleicht der - Karriere-Höhepunkt folgt mit der "Dreigroschenoper". Mit dem Machtantritt der Nazis findet Brechts Karriere 1933 ein abruptes Ende. Alles bisher Erreichte scheint verloren.

Teil 2: Das Einfache, das schwer zu machen ist

Nach dem Krieg kehrt der Emigrant Brecht zurück nach Deutschland, die Taschen voller im Exil geschriebener Stücke. "Mutter Courage" am "Deutschen Theater" im Ostteil Berlins gespielt. Die SED-Kulturbürokratie betrachtet das Brecht-Projekt allerdings von Anfang an mit Misstrauen. Brecht wächst künstlerisch zum Klassiker und scheitert politisch als Klassenkämpfer. Ein Drehpunkt, in der Geschichte wie im Film, sind die Tage um den 17. Juni 1953. Bis zu seinem Tod 1956 bleibt Helene Weigel, seine Ehefrau und Dulderin seiner Eskapaden, an seiner Seite.

Tom Schilling und Burghart Klaußner verkörpern Brecht

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Die Rolle des jungen Brecht spielt Tom Schilling; Burghart Klaußner hat die Rolle Brechts in den Nachkriegsjahren übernommen. In weiteren Hauptrollen spielen Adele Neuhauser und Lou Strenger als Helene Weigel in jungen und späteren Jahren, Trine Dyrholm als Brechts dänische Geliebte und Mitarbeiterin Ruth Berlau, Mala Emde als Paula Banholzer, Brechts erste Liebe, und viele andere prominente Schauspieler.

BRECHT ist eine Produktion der Münchner Bavaria Fiction (Produzenten: Corinna Eich und Jan S. Kaiser) in Koproduktion mit dem WDR (federführende Redaktion: Dr. Barbara Buhl, Redaktion der Dokumentation: Beate Schlanstein), BR (Dr. Cornelia Ackers), SWR (Sandra Dujmovic), NDR (Christian Granderath), ARTE (Dr. Andreas Schreitmüller) sowie der Bavaria Filmproduktion Köln, SATEL Film (Wien) und als Serviceproduktion in Tschechien, MIA Film s.r.o. Gefördert wird die Produktion von der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen sowie dem Tschechischen Fonds für Kinematografie.

Stand: 27.03.2019, 14:00