"ALDI-Brüder" - Dokudrama über die Discounter-Gründer

Spannendes Doku-Drama

"ALDI-Brüder" - Dokudrama über die Discounter-Gründer

Das Doku-Drama "Die ALDI-Brüder" erzählt die Geschichte der Entführung Theo Albrechts, eines der reichsten Menschen seiner Zeit. Darüber hinaus rollt der Film die Erfolgsgeschichte der Albrechts auf: vom Tante-Emma-Laden in Essen-Schonnebeck zum Discounter-Imperium.

Keine Regale, kein Verkaufs-Personal, niedrige Preise, schmales Sortiment – Karl und Theo Albrecht führten das Discount- Prinzip in Deutschland ein. Aus dem 1945 übernommenen Familienbetrieb entwickelten sie ein riesiges Netz von Aldi-Märkten (der Name ist ein Akronym für "Albrecht Diskont“), das bis heute Massen von Konsumenten mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs versorgt. Die Geschichte der Aldi-Brüder ist ein Stück deutscher Nachkriegs- und Wirtschaftsgeschichte.

Die Albrechts: geheimnisvoll und medienscheu

Am 29. November 1971 wird Theo Albrecht Opfer einer Entführung. Zehn Jahre zuvor hatten die Brüder ihren Konzern unter sich in Nord und Süd aufgeteilt. Ihre Geschäfte führen sie seitdem getrennt. Die Täter, ein mehrfach vorbestrafter Einbrecher und sein verschuldeter Anwalt, fordern die mit sieben Millionen D-Mark bis dahin höchste Lösegeldsumme der bundesdeutschen Geschichte. 1979 klagte Theo vor dem Finanzgericht Münster: Er wollte die Ausgabe als Betriebskosten in seiner Steuererklärung geltend machen. Das Gericht erklärte die Entführung jedoch zur Privatsache und gestattete nur das Absetzen als "außergewöhnliche Belastung“. Für sein von NDR, SWR und federführend vom WDR koproduziertes Doku-Drama "Die ALDI-Brüder“ machte Regisseur Raymond Ley die 17 Tage in Geiselhaft zum Dreh- und Angelpunkt seiner Erzählung über eine der erfolgreichsten und gleichsam geheimnisvollsten Unternehmerfamilien Deutschlands. Mit zahlreichen Rückblicken in Kindheit und Aufbau des Handelskonzerns ergründet der Film die Persönlichkeit der beiden Albrecht-Brüder und ihre Beziehung untereinander. Die immer schon medienscheue Familie der beiden bedeutendsten Unternehmer der jungen Bundesrepublik bleibt bis heute ihren Prinzipien treu. Im Zuge seiner Recherchen sprach Ley mit Zeitzeugen. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Theo und Karl Albrecht noch persönlich kannten, kommen im Film zu Wort.

Warum wurde Theo und nicht Karl entführt?

Darüber hinaus konnte der Regisseur, Spezialist für Doku- Dramen, Einsicht in die Ermittlungsakten sowie das Urteil zum Entführungsfall nehmen. "Das hat geholfen zu verstehen, wie die Aldi-Brüder mit den Entführern kommunizierten, um Theo Albrechts Leben zu schützen. Der Dilettantismus der Entführer hat aus heutiger Sicht etwas tollpatschig Pittoreskes – trotzdem hatte Albrecht Todesangst“, erklärt Ley. Von da an sei klar gewesen, dass die Story des Aldi-Erfolgs ausgehend von dieser Kriminalgeschichte erzählt werden musste. Schon die Begründung der Entführer, warum sie Theo und nicht Karl auswählten, sagt viel über die Charaktere der Brüder aus. "Ich interessiere mich generell für zeithistorische und politische Stoffe“, sagt Ley. Der Regisseur von Filmen wie "Meine Tochter Anne Frank“ oder "Eichmanns Ende“ wurde unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet und reüssierte auf zahlreichen internationalen Festivals. Der Filmemacher ist besonders glücklich über die "starke Besetzung“ der Hauptrollen. Christoph Bach ("Charité“, "Finsterworld“) als Karl und Arnd Klawitter ("Homeland“, "Gladbeck“) als Theo sowie Peter Kurth ("Babylon Berlin“) und Ronald Kukulies ("Gladbeck“) als Entführer verleihen den Figuren Persönlichkeit, so Ley.

Stand: 22.10.2018, 11:28