Ergebnisse nach Prüfung von Filmen der Reihe "Menschen hautnah"

WDR-Gebäude in der Kölner Innenstadt

Ergebnisse nach Prüfung von Filmen der Reihe "Menschen hautnah"

Der WDR hat Filme der Reihe "Menschen hautnah" überprüft.  Anlass waren drei Filme einer freien Autorin, in denen Widersprüche aufgefallen waren.

Der WDR hat in den vergangenen vier Wochen Filme der Doku-Reihe "Menschen hautnah" überprüft. Anlass waren drei Filme einer freien Autorin, in denen Widersprüche aufgefallen waren. Fazit der Prüfung: Neben den bereits im Januar ermittelten Mängeln hat man in zwei weiteren Filmen der Autorin Ungenauigkeiten bei Alters- und Jahresangaben festgestellt. Es gibt allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass weitere Protagonisten über ein Vermittlungsportal wie komparse.de gewonnen wurden oder dass es weitere unzulässige inhaltliche Zuspitzungen in den untersuchten Filmen gegeben hat.

Ellen Ehni - Leiterin Chefredaktion Fernsehen des WDR und Chefredakteurin WDR-Programmbereich Politik und Zeitgeschehen

Ellen Ehni - Leiterin Chefredaktion Fernsehen des WDR

"Wir bedauern die Fehler, die passiert sind, und werden mit Redaktion und Autoren gemeinsam Maßnahmen zur Qualitätssicherung verstärken. Die Reihe "Menschen hautnah" ist und bleibt aber ein herausragendes dokumentarisches Format, für das seit 1993 hochprofessionelle und gewissenhafte Autoren und Redakteure mit Herzblut arbeiten", sagt WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni. "Die Authentizität des Formats ist unser höchstes Gut. Wir setzen alles daran, dass wir unseren hohen journalistischen Standards an uns selbst weiterhin gerecht werden."

Im Januar hatte der WDR bei Prüfungen festgestellt, dass es in drei Dokumentationen ("Heimlich Liebe" 2014; "Liebe ohne Zukunft" 2016 und "Ehe aus Vernunft" 2019) unter anderem Fehler bei Jahreszahlen und Altersangaben gibt. Auch wurde versäumt, kenntlich zu machen, dass Protagonisten nicht unter ihren richtigen Namen in der Sendung erscheinen wollten. Es stellte sich zudem heraus, dass zwei Protagonisten über das Vermittlungsportal komparse.de gefunden wurden. Im Film "Liebe aus Vernunft" hat die Redaktion versäumt, kenntlich zu machen, dass die Protagonisten bereits in zwei Dokumentationen der Sendereihe zu einem weiteren Beziehungsthema portraitiert wurden. Nach Sichtung des vorhandenen Drehmaterials musste die Redaktion feststellen, dass beim Film "Liebe aus Vernunft" die Beziehungsgeschichte eines Paares in unzulässiger Weise zugespitzt wurde. Bereits im Januar hatte der WDR aus diesem Grund entschieden, die Autorin in Zukunft nicht weiter zu beauftragen und den Film "Ehe aus Vernunft" (Erstausstrahlung am 10. Januar 2019) nicht mehr im Netz veröffentlichen.

Ellen Ehni, WDR Chefredakteurin: "Diese Ungenauigkeiten und Mängel entsprechen nicht den journalistischen und redaktionellen Standards im WDR. Außerdem ist für ein dokumentarisches Format wie 'Menschen hautnah' die Suche von Protagonisten über eine Komparsen-Website nicht akzeptabel." Diese Mängel in Recherche und Aufarbeitung der Geschichten bedauert der WDR sehr.

Auch redaktionelle Versäumnisse wie die Nicht-Kennzeichnung der Namensänderung auf Wunsch der Protagonisten wurden kritisch nachbesprochen und intensiv nachgearbeitet. WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni nahm zudem die Prüfung zum Anlass, die bestehenden Maßnahmen zur Qualitätssicherung weiter auszubauen: So wird das Vier-Augen-Prinzip und unabhängiges Faktenchecking erweitert. Außerdem werden die Kriterien für die Protagonistensuche schriftlich präzisiert. Die Redaktion hat die Autor*innen, die für „Menschen hautnah“ arbeiten, gebeten in einem gemeinsamen Workshop das konkrete Prozedere zu erarbeiten. Wichtig ist dem WDR, dass Qualitätssicherung weiterhin in einem vertrauensvollen Austausch passiert.

Stand: 15.02.2019, 14:05