Das ARD-MOMA-Team

ARD MOMA: Seit 30 Jahren Teil unseres Morgenrituals

Stand: 05.07.2022, 11:12 Uhr

  • 30 Jahre ARD Morgenmagazin
  • MOMA erhält neues OnAir-Design
  • Ein Interview zum Jubiläum mit Martin Hövel

Rund vier Millionen Leute schauen zu, wenn das ARD Morgenmagazin von 5.30 bis 9.00 Uhr auf Sendung geht. In der Anfangszeit des ersten deutschen Frühstücksfernsehens, das ARD MOMA feierte am 13. Juli 1992 Premiere, erreichte es 1,7 Millionen Menschen und war damit direkt Marktführer am Morgen. Die Arbeit bei der längsten Live-Sendung der ARD scheint trotz der gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeiten ihren Reiz zu haben, denn die Fluktuation ist gering: Donald Bäcker präsentiert das Wetter schon seit 2005, Peter Großmann den Sport seit 1996, und Sven Lorig moderiert seit 2003. Nur sieben verschiedene Moderationsteams (plus Vertretungen) haben bis heute die kompletten 30 Jahre bestritten. Zum runden Jubiläum erwartet uns zwar "keine Riesensause", so ARD MOMA-Chef Martin Hövel. Worauf sich die Zuschauer:innen dennoch freuen können und wie sich die Sendung fortlaufend verändert, erzählt er uns im Interview. 

Portrait Martin Hoevel

„In diesem tollen Team herrschte schon immer unbändige Erfindungskraft.“ ARD-MOMA-Chef Martin Hövel

30 Jahre Morgenmagazin. Glückwunsch. Wie wird das Jubiläum am 8. Juli, in der ARD-Sendewoche, gefeiert?

In unserem Format "Zeitreise" schauen wir auf 30 Jahre MOMA. Wir haben außerdem kleinere Überraschungen im Programm: Die Moderatoren und Moderatorinnen suchen Fotos raus und zeigen, wie sie vor 30 Jahren ausgesehen haben. Wir fragen unser Publikum und bieten ihm einen Blick hinter die Kulissen — auf Instagram und in der Sendung. Eher Kleinigkeiten, keine Riesensause.

Julitta Münch und Jürgen Drensek moderieren die ersten Ausgaben des ARD MOMAs, und eine Taube ist das Motiv des Logos.

Julitta Münch und Jürgen Drensek moderieren die ersten Ausgaben des ARD MOMAs, und eine Taube ist das Motiv des Logos.

Bei einer Sendung, die sich ständig weiterentwickelt, was hat da ein Jubiläum für eine Bedeutung?

Für uns war das Jubiläum ein Anlass, uns wieder mal in einem Punkt neu zu erfinden. Wir haben ein neues OnAir-Design an den Start gebracht. Das MOMA ist nicht nostalgisch, wir schauen immer nach vorn, müssen immer auf der Höhe der Zeit sein. Nur so bleibt das MOMA erfolgreich.

Logo des ARD Morgenmagazins

Gelb ist die Farbe des neuen MOMA-Logos

Was hat sich in 30 Jahren inhaltlich geändert?

In diesem tollen Team herrschte schon immer unbändige Erfindungskraft. Die ersten 20 Jahre gab es eine Ü-Wagen-Rubrik: Mit unserem damals ultramodernen Satellitenwagen haben wir jeden Tag einen anderen Ort angesteuert. Was heute eine Selbstverständlichkeit ist - ohne Riesenaufwand von irgendwoher live senden zu können - war früher eine Besonderheit im MOMA. Zu Beginn gab es auch Käpt’n Blaubär, also Kinderprogramm, und einen "Mini-Krimi" in 90 Sekunden. Wir brachten sogar Staumeldungen. MOMA-Gründer Johannes Kaul scherzte seinerzeit: "Wir haben dann irgendwann gemerkt, dass die Leute im Auto keinen Fernseher haben."

Johannes Kaul (l.), der erste MOMA-Chef, und die Schauspieler:innen Andrea Spatzek und Franz Rampelmann: 2000 sendet das MOMA eine Woche lang aus Deutschlands bekanntester Serienstraße, denn die „Lindenstraße“ feiert damals 15-Jähriges.

Johannes Kaul (l.), der erste MOMA-Chef, und die Schauspieler:innen Andrea Spatzek und Franz Rampelmann: 2000 sendet das MOMA eine Woche lang aus Deutschlands bekanntester Serienstraße, denn die „Lindenstraße“ feiert damals 15-Jähriges.

Welche Themen generieren die meisten Publikumsreaktionen? Eher die Politik oder der Pulli des Moderators?

(Lacht) Es löst beides Reaktionen aus. Aber die Politik ist nach wie vor der Markenkern des MOMA, Reaktionen darauf sind häufiger.

Das Jubiläumsjahr begann mit dem Krieg in der Ukraine. Was heißt das für ein Morgenmagazin? Welche Kriterien legen Sie an die Berichterstattung an?

Die Kriterien für die Berichterstattung sind, auch bei diesem Thema, nah an den Menschen zu sein. Wir haben sehr viel mit normalen Leuten in der Ukraine geskypt. Die Alltagssituation im Krieg zu zeigen, war für uns ein wichtiger Fokus neben den politischen Dingen. Wir hatten auch mit prominenten Persönlichkeiten aus der Ukraine Kontakt: zu den Klitschkos, zu Beratern von Selenskyj. Der Schlüssel für die sehr guten Verbindungen in die Ukraine gleich in den ersten Tagen waren unsere Kolleginnen Nadja Bobrova und Olga Sviridenko. Sie sind in der Sprache zuhause und haben Kontakte.

Ungewohnte Sendezeit: Der 27. Februar ist ein Sonntag, als Sven Lorig und Anna Planken im ARD MOMA-Studio moderieren. Trauriger Anlass: der Krieg in der Ukraine.

Ungewohnte Sendezeit: Der 27. Februar ist ein Sonntag, als Sven Lorig und Anna Planken im ARD MOMA-Studio moderieren. Trauriger Anlass: der Krieg in der Ukraine.

Ein paar Mal in den vergangenen Jahrzehnten haben Sie das Sendeschema durchbrochen. Bei welchen Anlässen?

Als der Ukraine-Krieg am 24. Februar ausbrach, war ZDF-Woche. Wir haben einen kurzen Draht zueinander und gemeinsam entschieden, dass wir auch am Wochenende senden. Das ist aber die Ausnahme! Es müssen herausragende Ereignisse sein, wie beim zweiten Irak-Krieg 2003, beim Tsunami 2004. Beim Putsch in Russland 1993 hat das MOMA acht Stunden gesendet. Das war damals die längste Magazin-Sendung im deutschen Fernsehen.

Deutscher Fernsehpreis: 2012 gewinnt das ARD MOMA den Publikumspreis. Die strahlenden Sieger (v.l.) Martin Hövel, Til Nassif, Anne Gesthuysen, Sven Lorig und Peter Großmann.

Deutscher Fernsehpreis: 2012 gewinnt das ARD MOMA den Publikumspreis. Die strahlenden Sieger (v.l.) Martin Hövel, Til Nassif, Anne Gesthuysen, Sven Lorig und Peter Großmann.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem ZDF?

Sehr gut. Zwischen 5.30 und 9.00 Uhr sind ARD und ZDF Bruder und Schwester. Aber ein bisschen Konkurrenz ist auch ganz schön innerhalb der Familie. Wenn wir grundsätzlich am Format rumfummeln, dann wissen wir, dass wir den anderen fragen müssen. Der Chef des ZDF-MOMA, Andreas Wunn, und ich tauschen uns regelmäßig aus. Unser Publikum ist schließlich dasselbe. Die Menschen haben ihr Morgenritual, und wir sind Teil davon. Wenn wir da was am Ablauf ändern, müssen wir uns das gut überlegen.

Heißt das auch, dass für das MOMA mehr als für andere Formate das Lineare immer noch extrem wichtig ist, und die digitalen Angebote am frühen Morgen eher nicht genutzt werden?

Teils, teils. Das lineare TV hat in solchen Formaten wie dem MOMA sicher eine Zukunft, denn wir sind ein unvermindert erfolgreicher Begleiter am Morgen. Deswegen finden Sie das MOMA als Ganzes auch nicht in der Mediathek. Mit den Produkten, die digitalfähig sind, wie unserer Visitenkarte "MOMA-Reporter", gehen wir auch in alle digitalen Kanäle - und mit rein digitalen Angeboten. MOMA ist allerdings nicht mehrklassisch linear, denn viele Leute schauen unsheute auf ihrem Handy oder Tablet. Früher hatten wir in Haushalten, wo ein Fernseher in der Küche stand, astronomische Marktanteile.

Bei sportlichen Großereignissen geht das ARD MOMA gerne auf Tour. Peter Großmann, MOMA-Sportmoderator seit 1996, mit seinem Team 2016 bei der EURO in Frankreich.

Bei sportlichen Großereignissen geht das ARD MOMA gerne auf Tour. Peter Großmann, MOMA-Sportmoderator seit 1996, mit seinem Team 2016 bei der EURO in Frankreich.

Beim MOMA herrscht eine familiäre Atmosphäre, sagt Sven Lorig. Wie können Sie als Chef zu einem guten Klima beitragen?

Wenn Sie eine Sendung machen mit dreieinhalb Stunden Output jeden Tag und das um diese Uhrzeit, muss die Stimmung gut sein. Da ist so ein Familiengefühl schon ganz wichtig. Ich versuche, zusammen mit Co-Chefin Beate Philipp meinen Teil dazu beizutragen als Führungskraft. In den zwei Jahren Pandemie den Laden zusammenzuhalten, war nicht immer einfach.

Was war schwierig?

Hier auf den Fluren keinen Kontakt zu haben. Eine Redaktion wie unsere braucht den persönlichen kreativen Austausch. Aber ich habe dazu gelernt. Mit dem Homoffice haben wir einen gewaltigen Digitalisierungs-Schub erlebt, der Möglichkeiten eröffnet auch flexibler und moderner zu arbeiten. Wir haben jetzt diesen tollen hybriden Konferenzraum. Vielleicht hat es zum Familiengefühl beigetragen, dass diejenigen, für die das Homeoffice die bessere Lösung ist, ihre Bedürfnisse mehr berücksichtigt sehen. Immer alle in Präsenz, das muss ja nicht sein.

Es gibt tatsächlich positive Effekte der Pandemie?

Ja. Zum Beispiel, dass wir für unser Wirtschafts-Format auch Großkopferte aus der Industrie mal kurz über Skype in die Sendung bekommen. So ein aussagekräftiger O-Ton ist ein Gewinn, den hätten wir mit einem klassischen Kamerateam selten hingekriegt. Das nehme ich mit aus diesen verflixten zwei Jahren. Trotzdem hätte ich gerne auf Corona verzichtet.

Moma, der erste im Kölner Zoo geborene Elefant, hat tolle Paten: das gesamte ARD-MOMA-Team.

Moma, der erste im Kölner Zoo geborene Elefant, hat tolle Paten: das gesamte ARD-MOMA-Team.

Was macht eigentlich MOMA, das Elefantenbaby?

Das ist jetzt fünf geworden und wiegt 1,6 Tonnen. Wir halten weiter Kontakt. Apropos: 2018 hat das MOMA noch ein munteres "Baby" bekommen: "Live nach neun", eine werktägliche Sendung, aktuell und serviceorientiert. Und erfolgreich. Geradelief die 1000. Sendung!