Mein Sorpesee

Solveig Flörke am Sorpesee

Solveig Flörke

Mein Sorpesee

Reporterin Solveig Flörke nimmt Sie mit raus aufs Land und zwar an den Sorpesee, ein Urlaubsparadies in den Sommermonaten.

An dieser großen Talsperre liegen die beiden Dörfer Amecke und Langscheid. Sie markieren die Enden des Stausees, der von oben ein bisschen aussieht wie eine riesige, blaue Forelle. Erst habe ich in Langscheid gewohnt, seit kurzem lebe ich in Amecke. Sieben Kilometer trennen das eine Örtchen vom anderen und die lassen sich zum Beispiel gut mit dem Fahrrad abstrampeln. Aber auch sonst findet der sportbegeisterte Besucher am und um den Sorpesee so ziemlich alles, was die Freizeit- und Outdoor-Industrie hergibt: wunderschöne Campingplätze, eine Tauchschule, Segelclubs, einen Hochseil-Klettergarten, das Strandbad mit Rutsche, einen Ruderverein oder auch einen 6-Loch-Golfplatz.

Aufregerthema sind Windkrafträder

Vor allem während der Sommermonate wird der See zum Urlaubsparadies. Auch deshalb sind wir mit dem WDR oft vor Ort. Wie gefällt’s den holländischen Touristen bei uns im Sauerland? Wer konnte die Meisterschaft im Beach-Volleyball für sich entscheiden? Und wie viel Stress hat die Halbitalienerin Catharina an heißen Tagen, wenn sie mit ihrem Eiswagen am Ufer steht und eine Kugel nach der anderen ins Hörnchen drückt? Diese Fragen beschäftigen die Kollegen aus dem Siegener WDR-Studio und dem Büro in Arnsberg genauso wie die Aufreger rund um den Sorpesee: wenn geplante Windkrafträder für Ärger in der Bevölkerung sorgen oder Motorradfahrer, gerne sonntags, zu hunderten die Seepromenade entlangknattern und dabei jede Lärm- und Geschwindigkeitsbegrenzung hinter sich lassen.

Solveig Flörke in Winterberg

Aber auch zur stillen Jahreszeit, im Winter, kann man auf dem See etwas erleben. Wenn das Vorbecken zugefroren ist, holen die Leute ihre Schlittschuhe raus und skaten – kostenlos und auch ein bisschen unerlaubt – über die natürliche Eisfläche. Die meisten sind gut trainiert, denn schließlich ist das Skaten das ganze Jahr über eine der beliebtesten Aktivitäten an der Sorpe. Nur halt nicht auf Kufen, sondern auf Rädern. Auch ich schnalle mir gerne meine Rollschuhe unter und fahre die 16 Kilometer lange Runde um den See. Besonders gut gefällt mir, dass der asphaltierte Weg kaum Höhenunterschiede und auch keine Stolperfallen hat. Das macht die Tour auch für jeden Anfänger attraktiv. Außerdem sind sonst nur Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Auf Autos muss man also schon mal keine Rücksicht nehmen. Vor allem die Strecke längs des Waldes hat es mir angetan. Mittlerweile haben sich die Baumbestände wieder gut erholt, nachdem Kyrill an dieser Stelle des Hochsauerlandes ordentlich gewütet hatte.

Wahrscheinlich ist es Einbildung, aber ich habe immer das Gefühl, meine Lunge mit reinster Luft aufzutanken, wenn ich diese Strecke fahre. Abends kann man sich zum Inlinern super mit Freunden verabreden und gemeinsam sporteln. Danach haben in Langscheid immer noch genug Bars und Restaurants geöffnet, um etwas zu essen oder zu trinken. Mittwochs spielen, während der Sommerferien, Live-Bands auf der Bühne an der Staumauer. Dann sind so viele Besucher da, dass man von den grünen Picknick-Wiesen nichts mehr sieht. Wenn ich dann die Promenade entlanglaufe, braucht es nicht viel Fantasie und ich denke, ich bin in Italien. Und das alles direkt vor der eigenen Haustür.

Tretboot gehört zum Sorpesee

Solveig Flörke am Sorpesee

Wenn’s schnell gehen muss, zum Beispiel morgens vor der Arbeit, bleibt immer noch die kleine Joggingrunde. Vier Kilometer sind es, und man hat das Vorbecken in Amecke umrundet. Dann duschen und ab ins neu eröffnete Café Tillmann. Hier gibt es für unter fünf Euro ein Fitness-Frühstück mit Körnerbrötchen, Tee und Müsli – auf der Speisekarte einfach nach dem Stichwort "Tretboot" suchen. Mein persönlicher Favorit.

Apropos Tretboot: Das ist auf dem Sorpesee keine romantische Erinnerung an alte Zeiten, sondern ein beliebtes Fortbewegungsmittel. An verschiedenen Stellen kann man die Boote mieten und strampelnd über das Wasser schippern. Der Sorpedamm ist auf Höhe des Strandbades gut zu sehen. Kaum vorstellbar, dass er zwischen 1925 und 1935 die größte Baustelle in ganz Europa gewesen sein soll. Andererseits dauerte es über drei Jahre, bis die Talsperre überhaupt mit Wasser vollgelaufen war. Dementsprechend riesig kommt einem der See vor, wenn man mitten drauf ist. Private Motorboote fahren übrigens nicht auf dem Sorpesee, dem immer wieder eine sehr gute Wasserqualität bescheinigt wird. Das beruhigt mich, wenn ich mein Trinkwasser direkt aus dem Wasserhahn in Flaschen abfülle.

Seit kurzem habe ich auch einen Angelschein, denn den, dachte ich mir, braucht man am See. Außerdem kommt man bei diesem Sport nicht so leicht ins Schwitzen. Beim Angelladen in Amecke gibt es Tages- oder Jahresscheine, und mit leerem Korb geht man eigentlich selten nach Hause. Aber selbst wenn Karpfen, Renken oder Rotaugen nicht mal anbeißen, hat so ein Angeltag seinen Reiz: Im Moment kann man den zutraulichen Schwänen mit ihren grauen Schwanenkindern zuschauen.

Solveig Flörke in Winterberg

Wer Tiere nicht nur aus der Ferne mag, der findet im Hochsauerland praktisch an jeder Ecke Pferde. Herrliche Geländestrecken in Amecke führen einen im Sattel an Orte, an die sonst höchstens noch die Mountainbiker kommen. Die kleine Schimmelstute Darleen trägt mich schon seit sie vier Jahre alt ist auf ihrem Rücken herum. Mittlerweile geht sie auf die 20 zu und ich besuche sie nur noch zum Kuscheln auf der Weide. Rund um den Sorpesee liegt eben einfach viel Liebe in der Luft.

Solveig Flörke ist Diplom-Kulturwirtin und hat bei der Passauer Neuen Presse volontiert. Seit 2013 ist die gebürtige Balverin zurück im Sauerland, nachdem sie fünf Jahre in Südamerika gelebt und in Rio de Janeiro als Korrespondentin gearbeitet hat. Heute ist sie freie Autorin und Reporterin im WDR-Studio Siegen und wohnt in Amecke.

Dieser Artikel erschien in der WDR Print, Ausgabe Juni/Juli 2015.