Vielfalt ist Selbstverständnis

Sonia Seymour Mikich

WDR – Wir sind Vielfalt

Vielfalt ist Selbstverständnis

Fünf Fragen an Sonia Seymour Mikich, Chefredakteurin WDR-Programmbereich Politik und Zeitgeschehen.

Was bedeuten für Sie Vielfalt und Integration?

Wer wäre nicht dafür, dass eine offene, demokratische Gesellschaft des 21. Jahrhunderts reich an Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und Perspektiven ist? Ich baue auf eine großherzige Gesellschaft, in der Inländer und Ausländer, Alte und Junge, Männer und Frauen, Gläubige und Nichtgläubige, Reiche und Arme nicht in ihren Kästchen verharren müssen oder wollen. Ganz selbstverständlich miteinander sprechen, umgehen, arbeiten – so erneuern wir uns.

Wie gehen Sie damit im Programm um?

Als Programmmacherin geht es mir um Selbstverständlichkeit. Normal ist es, wenn die iranischstämmige Autorin Defizite in der Gesundheitsökonomie enthüllt und der "Bio-Deutsche" beste Kenntnisse über den Ausländeranteil in Problemschulen erwirbt. Weil alle vieles interessiert. Diese Attitude möchte ich bestärken.

Sind wir als WDR am Ziel?

Es wäre doch gut, wenn wir eines Tages die tollen Produkte von FUNKHAUS EUROPA oder "cosmo tv" nicht mehr brauchen (und ich mag sie wirklich), weil sie in allen Sendungen vorkommen, weil die Macherinnen und Macher sowie Moderatorinnen und Moderatoren überall Gutes leisten, ohne großes Gewese ...

… aber?

… aber bis zur unverkrampften Einwanderergesellschaft, die Stereotypisierung nicht mehr betreibt, ist noch ein weiter Weg. Nutzen wir bis dahin die guten Traditionen des WDR. Ob in der Themenfindung, in der Auswahl von Protagonistinnen und Protagonisten: Wir zeigen in unserem Berufsalltag, dass Vielfalt und Integration normal sind. Wir sagen, dass unterschiedliche Perspektiven gut für Herz und Hirn sind. Sie gehören seit eh und je zu einem soliden journalistischen Handwerk. Wenn wir dann noch nach innen und außen "interkulturelle Kompetenz" zeigen (zu Deutsch: uns in andere und ins Andersartige hineinversetzen können), ist viel geschafft.

Kann man mit diesen Themen ein breites Publikum erreichen?

Es heißt manchmal, Vielfalt und Integration seien Quotenkiller und Miesmacherthemen. Das ist kein Naturgesetz, man schaue sich nur einmal fiktionales Programm oder Comedys an. Aber wer betulich, ängstlich und überkorrekt an diese Herausforderung geht, verdient mangelndes Interesse.

Worauf muss der WDR in den nächsten Jahren besonders achten?

Ich finde, viele Fragen rund um Vielfalt und Integration können gerade unsere jungen Kolleginnen und Kollegen beantworten. Der WDR sollte in den nächsten Jahren nicht verpassen, solchen Nachwuchs ins Haus zu holen. Sie leben ja vieles vor. Und gelebte Normalität ist ansteckend.