Textilhaus: Wie aus vielen Fäden ein Stoff wird

Baumwollfäden in Regenbogenfarben am Webstuhl im Textilhaus in Bethel

Textilhaus: Wie aus vielen Fäden ein Stoff wird

Von Mara Leurs

  • Textilhaus in Bethel: mehr als 100 Jahre alt
  • Arbeitsplatz für Menschen mit Einschränkungen
  • Produkte: Küchentücher, Kissen und Schürzen

Das Holzschiffchen mit dem blauen Faden schießt von der rechten zur linken Seite des Webstuhls. Der blaue Faden legt sich längs zwischen die horizontal aufgespannten Fäden, sodass diese ein Netz bilden. Mit einem Holzrahmen, der wie ein Kamm zwischen die horizontalen Fäden gedrückt wird, schiebt Emine Karaöz die Fäden dicht zusammen. So entsteht Faden für Faden ein dicht gewebter Stoff. Pro Tag schafft es Karaöz, aus einem einfachen Muster zwei Meter Stoff zu weben.

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Die Stoffe werden in meterlangen Bahnen gewebt und auf große Papprollen aufgewickelt. An den Stellen, wo die Weberinnen später den Stoff schneiden wollen, markieren sie ihn mit einem gelben Faden. Diesen weben sie in den Stoff ein. Das Team aus der Näherei fertigt aus dem Stoff zum Beispiel Kissenbezüge oder Duftsäckchen. Es verarbeitet aber auch zugekaufte Stoffe. Gerade haben ein Bielefelder und eine dänische Designerin einen Entwurf in Auftrag gegeben. Die Eigenprodukte wandern am Ende zum Verkauf in den Laden oder in den Online-Shop.

Reporterin versucht sich am Weben

Ohne Sendereihe 13.11.2019 01:00:02 Std. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR Event Von Marie Eickhoff

Kreative Arbeitsmöglichkeit

Gegründet wurde die Handweberei im Jahr 1913 von Julia von Bodelschwingh. Sie war die Frau von Friedrich von Bodelschwingh, dem Leiter der von Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. Inspiriert durch ihr Studium der Malerei wollte sie das Arbeitsspektrum der Bewohner durch kreative Tätigkeiten erweitern. Bis dahin beschränkte sich das Angebot auf das Annähen von Knöpfen.

Die Handweberei befindet sich seit 1975 neben dem Dankort am Quellenhofweg als Bereich der Abteilung "Kunsthandwerk" im Stiftungsbereich proWerk. Heute arbeiten 25 Beschäftigte mit geringen körperlichen oder psychischen Einschränkungen sowie Epileptiker in der Handweberei.

Betreut und unterstützt werden sie von Fachkräften für berufliche Rehabilitation oder von Personen, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Sie ermöglichen es, dass auch Personen mit einer leichten Gehbehinderung hier arbeiten können.

Selbsttest an der Nähmaschine - "Für eine Anfängerin ganz gut"

Ohne Sendereihe 13.11.2019 05:07 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR Event Von Rachel Patt

200 Jahre alte Webstühle

Die meisten der 35 Webstühle stammen von Bauern aus den umliegenden Dörfern. "Bielefeld ist ja eine Leinenstadt. Viele Bauern haben Leinen angebaut und im Winter dann gewebt. Und als die Webstühle dann nicht mehr gebraucht wurden, sind sie an die Weberei gegangen", meint Andrea Lipski-Sariaydin. Sie arbeitet als Fachkraft für berufliche Rehabilitation in der Handweberei. Daher steht in der Weberei zum Beispiel ein dunkler Webstuhl mit Verzierungen und Inschriften, der älter als 200 Jahre ist.

Stand: 13.11.2019, 16:27