Clowns im Krankenhaus - mit Humor gegen Schmerz

Clowns im Krankenhaus - mit Humor gegen Schmerz

Von Luisa Pfeiffenschneider

  • Krankenhausclowns im Kinderzentrum in Bielefeld-Bethel
  • Den Verein Dr. Clown e.V. gibt es seit 2003
  • Clowns besuchen Kinderkliniken, Senioren- und Pflegeeinrichtungen

Auf der Kinderstation des Evangelischen Klinikums Bethel ist es ruhig. Einige Pflegerinnen besprechen sich auf dem Gang. Zwei Kinder sitzen in einem Spielzimmer und schauen einen Film auf dem Tablet. Ein Vater geht müde den Gang auf und ab, in der Hand eine Tasse Kaffee. Plötzlich öffnet sich eine Tür. Zwei bunt gekleidete Clowns treten auf den Gang.

Karlotta hat zwei Zöpfe, Sommersprossen und eine Lichterkette um den Bauch. Ihr Kollege Beppo trägt geringelte Strümpfe und eine ausgebeulte Hose.

Berufswunsch Clown

Wenn die beiden nicht als Clowns unterwegs sind, heißen sie Katja Kemnade und Canip Gündogdu. Sie arbeiten bei Dr. Clown e.V. und besuchen mehrmals in der Woche Kinderkliniken, Senioren- und Pflegeeinrichtungen. "Als Klinikclown zu arbeiten, eröffnet mir neue Möglichkeiten, das Schwere loszulassen und mit einer Leichigkeit zu arbeiten", sagt Gündogdu. "Wenn ich es schaffe, mit den Menschen, auf die ich treffe, herzlich lachen zu können - was will ich mehr?"

Anders als im Zirkus

Auf der Kinderonkologie im Kinderzentrum Bethel ändert sich nach ihrem Erscheinen schlagartig die Stimmung. Die Kinder kommen neugierig auf die beiden Clowns zu. "Wo kommt ihr denn her?" fragt eine Patientin. Die Antwort: "Tja, wir sind einfach immer da, wo's Spaß gibt." Und den gibt es dann auch. Bei den Besuchen gehen Kemnade und Gündogdu individuell auf die Kinder ein und reagieren spontan. Das ist der Unterschied zu klassischen Aufführungen im Zirkus.

"Wir treffen Menschen in außergewöhnlichen Situationen", erklärt Katja Kemnade. "Wir improvisieren mit dem, was wir vorfinden und versuchen damit, irgendwas Schönes zu zaubern. Das ist nicht immer lustig, es kann auch mal traurig sein oder fantasievoll."

Humor gegen Schmerz

Spaß und Zuwendung bringen nicht nur Abwechslung in den Krankenhausalltag, es hilft den Kindern sogar bei der Genesung. Das zeigt auch die Wissenschaft: In einem Experiment des George Washington University Medical Center wurde dieses Phänomen erforscht. So brauchten etwa 78 gerade Operierte bei einem Experiment weniger Schmerzmittel, wenn sie lustige Videos schauten statt Beiträge zu ernsten Themen. Der Grund: Menschen nehmen Schmerzen weniger intensiv wahr, wenn sie abgelenkt sind und sich nicht auf den Schmerz konzentrieren, als wenn sie traurig, gestresst oder ängstlich sind.

Von Stress ist nach dem Erscheinen der Clowns bei den jungen Patienten nichts mehr zu sehen. Allein die Eltern kommen kaum mit den Infusomaten hinter ihren Kindern her, die kreischend durch die Krankenhausgänge auf der Kinderstation in Bethel hüpfen.

Stand: 16.11.2018, 09:54