In Bethel Notfallsanitäter werden

Eine Simulation im Studieninstitut Westfalen Lippe Medizin und Rettungswesen

In Bethel Notfallsanitäter werden

Von Rachel Patt

  • In Bethel kann man die Ausbildung zum Notfallsanitäter absolvieren
  • Bundesweit größtes Simulationszentrum
  • Mit lebensechten Puppen werden Notfälle nachgestellt

Ein komplett eingerichtetes Wohnzimmer, alte Möbel, vielleicht wie bei den Großeltern zu Hause. Eine ältere Dame liegt regungslos auf dem Boden. Die Umgebung und die Situation wirken real.

Das soll auch so sein, denn hier, im Studieninstitut für Medizin- und Rettungswesen in Bethel, üben angehende Notfallsanitäter den Ernstfall. Die Dame, die auf dem Boden liegt, ist eine lebensgroße Puppe. Sie sieht lebensecht aus - wie eine Puppe aus einem Wachsfigurenkabinett.

Live-Reportage: Wie das Studieninstitut eine Reanimation simuliert

Ohne Sendereihe 14.11.2019 06:30 Min. Verfügbar bis 14.11.2020 WDR Event Von Nadja Bascheck

Lebensnahe Bedingungen und Menschenpuppen

An ihr lernen die Auszubildenden, einen Menschen zu reanimieren. Die Situation wird mit realen Bedingungen nachgestellt.

Ein Übungszimmer mit Puppe im Studieninstitut Westfalen Lippe Medizin und Rettungswesen

Eine Übungspuppe neben einem Bett

Am Institut gibt es verschiedene Simulationsräume, in denen unterschiedliche Notfallsituationen nachgespielt werden können. Alle Räume wirken wie eine Theaterschaubühne: Einrichtungen wie in einer echten Wohnung, es riecht sogar ein bisschen moderig.

Die menschengroßen Puppen haben Funktionen, um Krankheitsfälle zu imitieren. Sie können pathologische Muster nachstellen oder ihren Brustkorb heben und senken. Durch eine App kann der Ausbildungsleiter ihren Puls steuern, auch Organe und Gedärme in der Puppe sind wie beim echten Menschen.

Eine Übungspuppe im Studieninstitut Westfalen Lippe Medizin und Rettungswesen

Die Puppe für das Training sieht lebensecht aus

Einer der Simulationsräume ist eingerichtet wie ein Kreissaal, die Puppe im Krankenbett trägt eine Säuglingspuppe in sich. Hier kann unter realen Bedingungen eine Geburt nachgespielt werden. Für eine der Puppen zahlt das Institut im Schnitt 80.000 Euro.

Üben unter Beobachtung

Ein Übungszimmer mit Puppe im Studieninstitut Westfalen Lippe Medizin und Rettungswesen

Ein Simulationsraum des Instituts

Im Simulationsraum sind in jeder der vier Ecken Kameras installiert. Sie filmen, was die Auszubildenden mit der Puppe machen, und wie sie in der Notfallsituation reagieren.

Die Übertragung wird in Echtzeit auf einem Großbildschirm in einem der Klassenzimmer gezeigt. Vor dem Bildschirm sitzt der Rest der Klasse und bewertet, was die zwei Kollegen im Simulationsraum nebenan machen.

Interview: Wie zwei Auszubildende eine Notfallsimulation beobachten

Ohne Sendereihe 14.11.2019 05:20 Min. Verfügbar bis 14.11.2020 WDR Event Von Toni Tix

Übungsraum mit Nebelmaschine

Die Klassenkameraden achten auf unterschiedliche Punkte: Einer achtet auf die Kommunikation im Rettungsteam während des gespielten Einsatzes, einer achtet auf die Medikation, auf den Umgang mit rechtlichen Schritten und einer auf die Teamführung.

Eine Übung am Rettungswagen im Westfalen Lippe Medizin und Rettungswesen

Der Rettungswagen zum Üben des Ernstfalls

In einem anderen Übungsraum steht eine Nebelmaschine. Mit ihr wird ein Brand simuliert. So können die Auszubildenden lernen, wie sie Personen aus einem brennenden Haus retten.

Vor dem Institut steht ein Krankenwagen zum Üben, denn auch im Rettungswagen sollen sich die jungen Notfallsanitäter später auskennen.

Infos zum Studieninstitut

Das Studieninstitut Westfalen-Lippe für Medizin- und Rettungswesen ist bundesweit das größte Simulationsinstitut für Rettungsdienste. 4500 Menschen werden hier jedes Jahr aus- und weitergebildet. Wer in Nordrhein-Westfalen in den Rettungsdienst möchte, besucht mit hoher Wahrscheinlichkeit dieses Institut. Die Ausbildung wird vom Bund finanziert und dauert für Notfallsanitäter drei Jahre.

Am 01. Januar 2014 ist das Gesetz über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters (NotSanG) in Kraft getreten. Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (NotSan-APrV) regelt die Einzelheiten der theoretischen und praktischen Ausbildung.

Stand: 15.11.2019, 13:48