Zum 95. Geburtstag von "Big Wim"

Von Ingo Neumayer

"Thöööölke!" Die 70er und 80er Jahre waren die Ära der Showmaster, und er war einer der größten: Wim Thoelke, der mit "Drei mal Neun" und "Der große Preis" deutsche TV-Geschichte schrieb. Am 9. Mai 2022 wäre er 95 Jahre alt geworden.

Genau so stellte man sich in der goldenen Fernsehära einen Showmaster vor: Wim Thoelke war seriös, freundlich und gebildet. Und obwohl er das Gesicht von zwei der erfolgreichsten Shows des deutschen Fernsehens war, blieb er angenehm allürenfrei und rückte nicht sich, sondern stets seine Kandidaten und Gäste in den Mittelpunkt.

Genau so stellte man sich in der goldenen Fernsehära einen Showmaster vor: Wim Thoelke war seriös, freundlich und gebildet. Und obwohl er das Gesicht von zwei der erfolgreichsten Shows des deutschen Fernsehens war, blieb er angenehm allürenfrei und rückte nicht sich, sondern stets seine Kandidaten und Gäste in den Mittelpunkt.

Ursprünglich hatte Thoelke, der als Georg Heinrich Wilhelm Thölke in Mülheim an der Ruhr zur Welt kam, mehr mit Sport als mit Unterhaltung zu tun. Er arbeitete als Geschäftsführer beim Deutschen Handballbund und berichtete für den WDR von Spielen und Tagungen. 1962 ging er zum neu gegründeten ZDF und wurde neben Harry Valérien und Rainer Günzler zu einer festen Größe im "Aktuellen Sportstudio".

Doch in Thoelke steckte mehr. 1967 gab er den Conferencier im Fernsehfilm "Schauspieler sind Schauspieler – musikalische Seitensprünge" und spielte an der Seite von Curd Jürgens, Lilli Palmer und Heinz Drache (re.).

1970 hörte Thoelke beim "Sportstudio" auf und wurde Moderator von "Drei mal Neun", einer Show, die er selbst erdacht und konzipiert hatte. Die Sendung bestand aus Quizrunden, Gesangsauftritten, Auslosungen der Fernsehlotterie, Prominentenraten und Auftritten des Fernsehballetts.

Ein weiteres Element war der Hund Wum, mit dem sich Thoelke während der Sendung unterhielt. Die von Loriot gezeichnete Comicfigur erfreute sich großer Beliebtheit bei Kindern und Erwachsenen. Als Bundeskanzler Willy Brandt (re.) bei Thoelke zu Besuch war, brachte er hinterher seinem Sohn Matthias eine "Wum"-Zeichnung mit.

"Drei mal Neun" wurde schnell zum Erfolg mit bis zu 25 Millionen Zuschauern. Daher kamen auch internationale Stars wie Dan Blocker zu Besuch, der in der damals äußerst populären Westernserie "Bonanza" den "Hoss Cartwright" spielte.

1974 wurde "Drei mal Neun" eingestellt: Der Aufwand für die Show, die live vor Publikum aus wechselnden Städten gesendet wurde, war dem ZDF offenbar zu groß. Also durfte Thoelke etwas Neues probieren: "Der große Preis".

"Der große Preis" wurde immer aus demselben Berliner Studio gesendet, man verzichtete auf aufwändige Show-Teile wie Orchester und Ballett und konzentrierte sich mehr auf die Quiz-Elemente.

Drei Kandidaten, die in futuristisch anmutenden Kapseln saßen, mussten ihre Allgemeinbildung sowie ihr Wissen in einem Spezialgebiet unter Beweis stellen. Das alles wurde von einer Jury beurteilt und von Wim Thoelke sowie einer Armada aus Assistentinnen moderiert.

Der beliebte Wum war wieder mit von der Partie. Und er bekam sogar Verstärkung: den Elefanten Wendelin. Zusammen animierten sie die Zuschauer, sich Lose für die Fernsehlotterie zu kaufen. "Stichtag für den 'großen Preis': Samstag in acht Tagen" – diesen Satz können wohl heute noch Millionen Menschen auf Anhieb aufsagen und den beiden Comicfiguren zuordnen.

Auch Walter Spahrbier (li.) kannte man schon von "Drei mal Neun". Der "Glückspostbote", der übrigens wirklich als Briefträger bei der Post arbeitete, war für die Ziehung der Gewinner verantwortlich. In "Der große Preis" kam er in historischen Postuniformen auf die Bühne.

Glücksfrage und Risiko, Fritze Flink und der strenge Schiedsrichter Dr. Eberhard Gläser, die Kachelwand mit den Fragen und Wum, der lauthals nach "Thöööölke!" ruft: "Der große Preis" hat sich ins kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik eingebrannt.

Show-Giganten unter sich: 1975 erhielt Thoelke die Goldene Kamera – genauso wie seine Kollegen Rudi Carrell (Mi.) und Hans Rosenthal (re.).

"Der große Preis" wurde zur Institution am Donnerstagabend. 219 Mal moderierte Thoelke zwischen 1974 und 1992 die Sendung, bis er sich pünktlich mit 65 in den Ruhestand verabschiedete.

Nach Thoelke übernahmen Hans-Joachim Kulenkampff und später Carolin Reiber die Sendung. Doch ohne den großen Wim wollte niemand die Show sehen. Auch eine modernisierte Version mit Marco Schreyl, die 2002 auf Sendung ging, hatte wenig Erfolg. Thoelke erlebte das nicht mehr. Er starb im November 1995 an Herzversagen. Am Montag, den 09.05.2022 wäre er 95 Jahre alt geworden.

Stand: 06.05.2022, 11:40 Uhr