Italienische Filmdiva Claudia Cardinale wird 80

Italienische Filmdiva Claudia Cardinale wird 80

Von Sabine Kortland/Ingo Neumayer

Sinnlich, nachdenklich und wunderschön: Claudia Cardinale. Man könnte mutmaßen, diese Frau habe jede Menge Allüren und viele Skandale umkreisten ihre Person – aber nein, sie ist zurückhaltend und zufrieden mit sich, altert mit Würde. Am 15. April 2018 feiert "La Cardinale" ihren 80. Geburtstag.

Claudia Cardinale, 1959

1957 gewinnt die 19-jährige Claudia Cardinale einen Schönheitswettbewerb in Tunis. Eine Reise zu den Filmfestspielen in Venedig ist der Hauptgewinn. Im wahrsten Sinne des Wortes: Sie wird entdeckt und debütiert bereits 1958 auf der Kino-Leinwand an der Seite von Omar Sharif in "Goha".

1957 gewinnt die 19-jährige Claudia Cardinale einen Schönheitswettbewerb in Tunis. Eine Reise zu den Filmfestspielen in Venedig ist der Hauptgewinn. Im wahrsten Sinne des Wortes: Sie wird entdeckt und debütiert bereits 1958 auf der Kino-Leinwand an der Seite von Omar Sharif in "Goha".

Schnell arbeitet die Schauspielerin Cardinale mit einigen der bedeutendsten Kino-Regisseure zusammen, wie etwa Luchino Visconti. Sie erhält 1960 eine Nebenrolle in "Rocco und seine Brüder" (mit Alain Delon). Darauf folgt der Abendteuerfilm "Cartouche, der Bandit" an der Seite von Jean-Paul Belmondo (1962, Bild).

Auch durch Federico Fellini wird Claudia Cardinale in einem Filmklassiker besetzt: "Achteinhalb (8 ½)" von 1963. Wodurch sie sich nun zu den großen italienischen Filmdiven – neben Sophia Loren und Gina Lollobrigida – zählen darf.

Claudia Cardinale beeindruckt neben ihrer Schönheit und Ausstrahlung auch mit ihrem überzeugenden schauspielerischen Können. In einem Interview sagt sie zu ihrem Job: "Ich genieße es, dass ich vor der Kamera so viele verschiedene Leben durchleben kann: von der Prostituierten bis zur Prinzessin." Dabei hat sie sich auch nie von den Männern am Set einschüchtern lassen.

Die Filmdiva kommt mit vielen internationalen Star-Schauspielern am Set in Berührung, wie mit David Niven für "Pink Panther" (1963).

Oder auch mit Burt Lancaster im preisgekrönten Visconti-Epos "Der Leopard" von 1963. Für Visconti in Sizilien mit schwarzen Haaren und für Fellinis "Achteinhalb" in Rom in blond, dreht die Schauspielerin an beiden Filmen gleichzeitig. Eine Erfahrung der Gegensätze: Bei Visconti läuft am Set alles streng und konzentriert ab und bei Fellini ist die Stimmung locker und chaotisch. Die zweitere Arbeitsweise liegt ihr nach eigenen Worten mehr.

Wenn Claudia Cardinale nicht Schauspielerin geworden wäre, war es ihr Traum, die Welt zu entdecken. Ob sie dabei auf einem Moped gesessen hätte, bleibt offen. Durch die verschiedensten Drehorte lernt "La Cardinale" am Ende doch einen sehr großen Teil der Welt kennen.

Ein weiterer Kultfilm zählt zum Repertoire der jungen Claudia Cardinale. In "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968) spielt sie in Sergio Leones Italowestern neben Henry Fonda und Charles Bronson eine kämpferische Witwe.

In den folgenden Jahrzehnten wird es etwas stiller um Claudia Cardinale. Sie heiratet ihren damaligen Entdecker und Filmproduzent Franco Cristaldi (1966 -1975). Danach lebt sie mit dem Regisseur Pasquale Squitieri bis 1999 zusammen, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat.

Claudia Cardinale mit Regisseur Werner Herzog: 1981 spielt sie in seinem Film "Fitzcarraldo" neben Klaus Kinski dessen Geliebte. Mit Herzog erlebt die Schauspielerin wohl die abenteuerlichsten und unkonventionellsten Dreharbeiten überhaupt: im peruanischen Dschungel mit wilden Tieren, unerträglicher Hitze und zu wenig zu Essen – und einem exzentrischen Hauptdarsteller mit permanenten Wutausbrüchen.

Bei der 20. Diva-Verleihung‎ in München (2010) bekommt Claudia Cardinale ihren Preis (World Movie Award) von Mario Adorf überreicht. Ausgezeichnet werden Stars aus Film, Fernsehen und Musik für herausragende künstlerische Leistungen – da ist die italienische Film-Diva natürlich prädestiniert.

Claudia Cardinale ist immer wieder auf Filmfestspielen Gast oder auch Nominierte und gewinnt unter anderem bei den Festspielen in Venedig den Pasinetti-Preis als beste Schauspielerin, sowie später den "Goldenen Löwen" für ihr Lebenswerk. Ihr Lebenswerk wurde auch 2002 auf der Berlinale mit dem "Goldenen Ehrenbären" ausgezeichnet. In Cannes 1963 erhält der Visconti-Film "Der Leopard" mit Burt Lancaster, Alain Delon und Claudia Cardinale die "Goldene Palme".

55 Jahre später Claudia Cardinale in Cannes 2017: Sie persönlich hat bisher noch keine Auszeichnung in Cannes erhalten ...

... doch widmet das Festival Claudia Cardinale, als größter Schönheit der Filmgeschichte, das Motiv auf dem Festivalplakat der 70. Filmfestspiele von Cannes. Es gibt zwar Disskussionen um eine Retusche an dem Originalbild, doch Claudia Cardinale äußert sich gelassen dazu: Als "überzeugte Feministin" empfinde sie die Kritik als "falsche Polemik" und das bearbeitete Foto sei als eine "künstlerische Arbeit" zu sehen.

Stand: 13.04.2018, 15:28 Uhr