Toller Hecht: Boris Becker wird 50

Toller Hecht: Boris Becker wird 50

Von Ingo Neumayer

Bumm-Bumm und Bobbele, Hecht und Faust, Wimbledon und Besenkammer: Boris Becker hat deutsche Geschichte geschrieben, und das nicht nur auf dem Tennisplatz. Am 22. November 2017 wird er 50 Jahre alt.

Boris Becker (re.) und Steffi Graf (2.v.r.) 1980 bei Tennis-Nachwuchsturnier

Anfang der 80er Jahre ist Tennis in Deutschland ein Randsport für Reiche. Doch das ändert sich bald mit dem Herren ganz rechts: Schon in jungen Jahren macht Boris Becker bei Nachwuchsturnieren auf sich aufmerksam. Genauso wie die nette Dame neben ihm ...

Anfang der 80er Jahre ist Tennis in Deutschland ein Randsport für Reiche. Doch das ändert sich bald mit dem Herren ganz rechts: Schon in jungen Jahren macht Boris Becker bei Nachwuchsturnieren auf sich aufmerksam. Genauso wie die nette Dame neben ihm ...

1985 dann der Moment für die Ewigkeit: Mit 17 Jahren gewinnt Becker das renommierteste Tennisturnier der Welt in Wimbledon. Als jüngster Spieler. Als erster Deutscher. Und als erster ungesetzter Spieler. Deutschland hat mit dem "siebzehnjährigsten Leimener" einen neuen Sporthelden – und rennt in Massen in den nächsten Tennisclub.

Beckers Spiel ist spektakulär. Nach gelungenen Schlägen ballt er die "Becker-Faust", die bald zu seinem Wahrzeichen wird. Genauso wie der "Becker-Hecht", der symbolisch für seine Art zu spielen steht: Nie aufgeben. Immer an sich glauben. Und zur Not wirft man sich eben in den Staub.

Becker ist übrigens nicht alleine für den Tennisboom in Deutschland verantwortlich. Auch Steffi Graf trägt ihren Teil dazu bei, indem sie ein Turnier nach dem anderen gewinnt.

Boris Becker sorgt für ein paar historische Sportmomente, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen. So zum Beispiel sein Davis-Cup-Match gegen John McEnroe 1987 in Hartford. Das Spiel dauert über sechs Stunden, dann hat Becker seinen Rivalen endlich niedergerungen.

Ein Jahr später holt sich das deutsche Team dann auch zum ersten Mal den Davis Cup, die wichtigste Mannschaftstrophäe im Tennis. Und 1989 gleich noch einmal. Entscheidender Mann in den Endspielen gegen Schweden ist wer? Natürlich Becker.

Auch bei den Olympischen Spielen geht Becker an den Start. 1992 holt er zusammen mit Michael Stich Gold im Doppel. Und das, obwohl er und Stich sich nicht besonders grün sind. Das könnte daran liegen, dass Stich ihn 1991 im Wimbledon-Finale besiegt.

Überhaupt Wimbledon: In seinem "Wohnzimmer" feiert Becker seine größten Triumphe. Zwischen 1985 und 1995 schafft er es dort siebenmal ins Finale und gewinnt dreimal. Der Londoner Vorort wird für Becker zu seiner zweiten Heimat, und auch mit der britischen Königsfamilie versteht er sich blendend.

In einer Reihe mit Franz Beckenbauer und Katarina Witt: Immer, wenn die größten deutschen Sportler gekürt werden, ist Becker mit dabei.

1999 beendet Becker seine Tenniskarriere. Aber der Öffentlichkeit bleibt er weiter erhalten. Er wechselte vom Sport- ins Promi- und Boulevardfach: Preisverleihungen, Empfänge, TV-Shows – Becker sucht weiter das Rampenlicht.

Und wenn er es nicht sucht, bekommt er es trotzdem: 2001 wird die "Besenkammer"-Affäre publik. Sein Seitensprung in einem Londoner Restaurant sorgt für allgemeine Erheitung – und für Nachwuchs im Hause Becker.

Beckers Liebesleben ist seit Beginn seiner Karriere im Fokus der Boulevard-Medien: Benedictine und Karen, Caroline und Patrice, Sabrina Setlur und Sandy Meyer-Wölden – jede neue Frau an seiner Seite wird sofort registriert. 1993 heiratet er die Schauspielerin Barbara Feltus. Die beiden bekommen die Söhne Noah Gabriel und Elias Balthasar, trennen sich aber 2001.

2009 dann Beckers zweite (und vorerst letzte) Ehe: Die Glückliche heißt Lilly Kerssenberg und ist ein Model aus den Niederlanden. Ein Jahr später kommt der gemeinsame Sohn Amadeus auf die Welt.

Das Leben eines Sportlers nach dem Sportlerleben? Ist gar nicht so einfach. Vor allem, wenn man derart populär ist und auf Schritt und Tritt beobachtet wird. Becker versucht sich als Moderator einer Talkshow ...

... und sogar als Pokerspieler. Beides allerdings mit überschaubarem Erfolg.

2013 besinnt sich Becker auf das, was er am besten kann und wovon er am meisten Ahnung hat: Tennis. Er wird Trainer von Novak Djokovic und motiviert diesen zu Höchstleistungen. Unter Beckers Ägide gewinnt Djokovic zweimal in Wimbledon und wird Nummer Eins der Weltrangliste. 2016 endet die Zusammenarbeit der beiden.

Schlagzeilen macht Becker weiter – wenn auch unliebsame: Er soll finanzielle Schwierigkeiten haben, berichten 2017 mehrere Medien. Ein früherer Geschäftspartner strengt einen Prozess vor einem Londoner Konkursgericht an. Dass er insolvent sei, bestreitet Becker aber vehement.

Beckers Leben bleibt eine schnelle Folge von Hochs und Tiefs, von leichten Fehlern und nicht mehr für möglich gehaltenen Comebacks. Und es bleibt ein Leben, an dem immer noch Millionen von Menschen Interesse haben. Das wird sich auch nach seinem 50. Geburtstag am Mittwoch (22.11.2017) nicht mehr ändern. Herzlichen Glückwunsch!

Stand: 20.11.2017, 13:20 Uhr