Working Class Heroes: Hymnen für eine gerechte Welt

Working Class Heroes: Hymnen für eine gerechte Welt

Von Philip Stegers

Ihre Songs gaben nicht nur Arbeitern eine Stimme, sondern ergriffen Partei für die Schwachen und soziale Veränderungen. Songwriter wie Woody Guthrie und Pete Seeger begründeten ein musikalisches Genre, das Ungerechtigkeiten anprangert und Hoffnung auf die Zukunft macht.

John Lennon

Als Kind der Arbeiterklasse begeistert sich John Lennon seit jeher für revolutionäre Ideen und Utopien. Nach dem Ende der Beatles schreibt er den Song "Working Class Hero", in dem er davor warnt, sich für einen sozialen Aufstieg anzupassen und zu verbiegen.

Als Kind der Arbeiterklasse begeistert sich John Lennon seit jeher für revolutionäre Ideen und Utopien. Nach dem Ende der Beatles schreibt er den Song "Working Class Hero", in dem er davor warnt, sich für einen sozialen Aufstieg anzupassen und zu verbiegen.

Woody Guthrie ist seit den 40er Jahren ein Vorbild für angehende Songwriter mit ausgeprägtem Klassenbewusstsein. In Liedern wie "This Land Is Your Land" besingt er die Nöte der kleinen Leute und macht ihnen zugleich Mut, sich zu nehmen, was einem zusteht. Seine bevorzugte musikalische Formel gilt bis heute: Drei Akkorde und die Wahrheit.

Der 19-jährige Bob Dylan reist 1960 durch die halben USA, um den schwerkranken Woody Guthrie zu treffen. Dylan imitiert anfangs sein großes Idol, doch schon bald werden seine eigenen Songs wie "Blowin' in the Wind" und "The Times They Are A-Changin'" zum Soundtrack der Bürgerrechtsbewegung.

In jenen Tagen oft an Bob Dylans Seite ist Joan Baez. Beim "Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit" singt sie vor 300.000 Zuschauern "We Shall Overcome" - ein Protestsong, der zugleich bessere Zeiten für alle verspricht und dank Joan Baez weltbekannt wird. Mitgeschrieben wurde diese Hymne von …

Pete Seeger. Der politische Aktivist und überzeugte Linke inspiriert zahlreiche Songwriter und landet für seine Haltung in der McCarthy-Ära im Gefängnis wegen "unamerikanischer Umtriebe". Seine Songs "If I Had A Hammer" und "Where Have All The Flowers Gone" sind inzwischen trotzdem fester Bestandteil des amerikanischen Volksliedguts.

Der Working Class Superhero: Bruce Springsteen ergreift in seinen Songs häufig Partei für diejenigen, die von einem besseren Leben träumen – Arbeiter, Träumer und Kleinkriminelle. 2006 bringt er das Album "We Shall Overcome: The Seeger Sessions" heraus, auf dem er sich dem musikalischen Repertoire von Pete Seeger (Bildmitte) widmet.

Bevor sich Rio Reiser zum König von Deutschland krönt, schreibt er als Sänger der Polit-Rockband Ton Steine Scherben Hymnen zur Revolte der frühen 70er in Berlin, wie "Allein machen sie dich ein" oder "Wir müssen hier raus". Die Band wird allerdings dermaßen von der linken Szene vereinnahmt, dass die genervten Musiker 1975 nach Nordfriesland auswandern.

"Heute hier, morgen dort": Hannes Wader beginnt seine Karriere Ende der 60er Jahre als sozialkritischer Chansonnier. Fünfzehn Jahre lang ist er Mitglied der DKP und singt morgens um 7 Uhr Streiklieder vor den Werkstoren. Doch statt der großen Weltrevolution folgt der Zusammenbruch der Sowjetunion. 1991 tritt er desillusioniert aus der kommunistischen Partei aus.

Die Kinks entstammen britischen Arbeiterfamilen und wachsen im rauen Londoner Norden auf. Schon früh ist für die Band um die Gebrüder Davies klar, dass der Weg nach oben führen soll. "The music came and set me free from working at the factory" heißt es in ihrem Song "Working at The Factory”. Vor der Befreiung der Arbeiterklasse steht bei den Kinks zunächst die Selbstbefreiung an.

Anfang der 80er Jahre versucht der englische Songwriter und politische Aktivist Billy Bragg junge Wähler für die Labour-Party zu gewinnen, um die neoliberale Thatcher-Ära zu beenden. In seinem bekanntesten Song "A New England" heißt es allerdings "I don't want to change the world, I'm not looking for a new England, I'm just looking for another girl". Auch Working Class Heroes brauchen Liebe.

Stand: 30.04.2019, 15:33 Uhr