Tom Jones: Der "Tiger" wird 80

Tom Jones: Der "Tiger" wird 80

Von Philip Stegers

Tom Jones schafft es mit Hits wie "It's Not Unusual", "Delilah" oder "Sexbomb" seit Mitte der 60er immer wieder an die Spitze der Charts. Am 7. Juni feiert der wandlungsfähige Sänger seinen 80. Geburtstag.

Thomas John Woodward wird im walisischen Pontypridd geboren. Mit 12 erkrankt er schwer an Tuberkulose und verbringt notgedrungen die nächsten zwei Jahre im Bett. Die Ärzte erklären seinen Eltern, dass der Junge wegen seiner schwachen Lunge auf keinen Fall Bergmann werden dürfe. Es scheint fast wie eine Ironie des Schicksals, dass er stattdessen einer der stimmgewaltigsten Sänger der Popgeschichte wird.

Thomas John Woodward wird im walisischen Pontypridd geboren. Mit 12 erkrankt er schwer an Tuberkulose und verbringt notgedrungen die nächsten zwei Jahre im Bett. Die Ärzte erklären seinen Eltern, dass der Junge wegen seiner schwachen Lunge auf keinen Fall Bergmann werden dürfe. Es scheint fast wie eine Ironie des Schicksals, dass er stattdessen einer der stimmgewaltigsten Sänger der Popgeschichte wird.

Eine Lese- und Rechtschreibschwäche trägt dazu bei, dass er die Schule mit 16 Jahren verlässt, um als Bauarbeiter und Staubsaugervertreter sein Geld zu verdienen. Doch seine Leidenschaft ist schon von Kindesbeinen an die Musik. 1963 singt er in der Beat-Band "Tommy Scott and the Senators", die sich allerdings mangels Erfolg bald wieder auflöst.

Bereits mit 17 Jahren heiratet Tom Jones seine Frau Linda. Einen Monat später kommt Sohn Mark zur Welt. Linda verzeiht ihrem Gatten jahrzehntelang seine zahllosen Affären. Die beiden bleiben zusammen bis zu ihrem Tod im Jahr 2016.

Unter dem Pseudonym "Tiger Tom" tingelt der Sänger ab 1964 durch Kneipen und Bars, wo ihn der Manager Gordon Mills entdeckt und davon überzeugt, sein Glück in London zu versuchen. Der Spitzname "Tiger" aus dieser Zeit bleibt.

Auf Anraten seines Managers legt sich Thomas John Woodward den Künstlernamen "Tom Jones" zu. Es ist ein ziemlich schamloser Versuch, von einem gleichnamigen Kinofilm zu profitieren, der in Großbritannien gerade überaus erfolgreich ist - doch der Plan geht auf.

Ursprünglich soll der völlig unbekannte Tom Jones den Titel "It's Not Unusual" nur als Demo für Sandie Shaw einsingen. Doch als sie die Aufnahme hört, ist die Sängerin von seiner Baritonstimme so beeindruckt, dass sie sich weigert, den Song einzusingen. Sie ist der Meinung, dass Tom Jones das Lied lieber selbst als Single veröffentlichen sollte.

Mit "It's Not Unusual" gelingt Tom Jones 1965 auf Anhieb der internationale Durchbruch. Auf der Aufnahme sind übrigens zwei Studiomusiker zu hören, die später selbst weltberühmt werden. Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page greift in die Saiten, am Klavier sitzt Elton John.

Innerhalb eines Jahres schafft es Tom Jones vom Barsänger zum Superstar. Er singt die Titelsongs für den James-Bond-Film "Thunderball" und die Erfolgskomödie "What's New Pussycat?". Standesgemäß investiert er sein Geld erstmal in ein Rennpferd.

Die Gewinner der "Melody Maker Awards" des Jahres 1966: The Beatles, Dusty Springfield und Tom Jones.

Ein ausgeprägter Hüftschwung und dynamische Tanzeinlagen sind Tom Jones' Markenzeichen in jenen Tagen. Das sorgt neben seiner Ausnahmestimme natürlich regelmäßig für Begeisterungsstürme bei seinen mehrheitlich weiblichen Fans.

In seiner Fernsehshow "This is Tom Jones" hat der große Charmeur genügend Zeit, Küsschen an die Fans zu verteilen und ihm angereichte Taschentücher mit seinem kostbaren Schweiß zu benetzen.

1968 in Las Vegas: Tom Jones kriegt vor einem Auftritt Besuch von Elvis und Ehefrau Priscilla. Inmitten von Hippie-Zeitgeist und experimentierfreudiger Rock- und Popmusik haben beide Sänger dasselbe Problem. Für die junge Generation sind sie als "Schnulzensänger" einfach hoffnungslos uncool.

Tom Jones macht es wie Elvis und wendet sich nun einem vorwiegend älteren Publikum zu. Er zieht nach Las Vegas, wo er regelmäßig in Casinos auftritt. Anfang der 80er veröffentlicht er Country-Alben, die zwar in den USA einigermaßen erfolgreich sind, aber ansonsten auf wenig Resonanz stoßen.

Tom Jones mit Sohn Mark und seinen beiden Enkelkindern: Mark Jones wird 1986 neuer Manager seines Vaters. Als erste Amtshandlung verordnet er ihm einen Imagewandel, um den Sänger wieder für ein jüngeres Publikum interessant zu machen.

Mit neuem Steuermann läutet Tom Jones sein Comeback ein. Dank einer Cover-Version der Prince-Nummer "Kiss" läuft der Endvierziger plötzlich auf MTV in Dauerrotation. Auf seinem Album "Reload" singt er zusammen mit jungen Künstlern wie The Cardigans, Robbie Williams und Portishead.

Einen seiner größten Hits verdankt Tom Jones einem Musikproduzenten aus Hannover. Mousse T. schreibt für ihn 1999 den Ohrwurm "Sexbomb". Ursprünglich soll Tom Jones in dem Song selbstironisch über sein Image als Womanizer singen, doch auf Wunsch des Sängers wird der Text von "I'm a sexbomb" in "You're a sexbomb" umgeändert.

Auch an seinem 80. Geburtstag denkt Tom Jones noch lange nicht an den Ruhestand. Er sitzt in der Jury der britischen Talentshow "The Voice", wo er immer wieder mit spontanen Gesangseinlagen zu begeistern weiß. Im nächsten Jahr geht es auf ausgedehnte Europatournee.

Stand: 01.06.2020, 18:21 Uhr