Das Saxophon – Die quietschende Wundertüte

Das Saxophon – Die quietschende Wundertüte

Von Philip Stegers

Ab den 70er Jahren konnte eine Zeit lang gefühlt kein Popsong mehr ohne Saxophonsolo auskommen. Ob gefühlvoll oder eher röhrend im Vortrag – wir würdigen dieses seltsame Instrument, das der Belgier Adolphe Sax Mitte des 19. Jahrhunderts erfand.

Single "Baker Street" von Gerry Rafferty

Es wäre vielleicht übertrieben zu behaupten, dass Gerry Rafferty die gesamte Karriere dem Saxophon-Riff in seinem Hit "Baker Street" zu verdanken hat. Saxophonist Raphael Ravenscroft profitierte davon jedenfalls nicht besonders. Er erhielt für seine Dienste einen Scheck über 27 englische Pfund, der zunächst auch nicht gedeckt war.

Es wäre vielleicht übertrieben zu behaupten, dass Gerry Rafferty die gesamte Karriere dem Saxophon-Riff in seinem Hit "Baker Street" zu verdanken hat. Saxophonist Raphael Ravenscroft profitierte davon jedenfalls nicht besonders. Er erhielt für seine Dienste einen Scheck über 27 englische Pfund, der zunächst auch nicht gedeckt war.

In Bruce Springsteens E Street Band hatte er seit Anfang der 70er Jahre einen festen Platz – der 2011 verstorbene Saxophonist Clarence Clemons. Posthum wurde er drei Jahre später in die Rock’n'Roll Hall of Fame aufgenommen.

Zwei, die sich schon lange kennen und schätzen: Sting und Saxophonist Branford Marsalis. Auf Stings Album "…Nothing like the Sun" ist das gefühlvolle Sopran-Saxophon des Jazzmusikers fast durchgehend zu hören, so auch bei "Englishman in New York".

Prince wechselt seine Begleitmusiker im Laufe der Jahre immer wieder munter durch. Ab 1990 hat es ihm eine knapp 20-jährige Saxophonistin ganz besonders angetan ...

Candy Dulfer aus den Niederlanden: Mit der Textzeile "When I want sax I call Candy" verewigt Prince sie leicht anzüglich in seinem Song "Partyman". Candy Dulfer steht 1990 auf dem Knebworth Festival auch mit einer anderen ziemlich bekannten Band auf der Bühne …

... Pink Floyd: Seit dem legendären Album "Dark Side of The Moon” setzt die Band bei ihren Songs auch gerne Saxophonsoli ein – so etwa bei "Money", "Us and Them" und "Shine On You Crazy Diamond".  

Wie praktisch, wenn der Saxophonist gleich Mitglied der Band ist. John Helliwell sorgt bei Supertramp nicht nur auf "The Logical Song" für musikalisches Gebläse.

Saxophonist Kenny G landet Mitte der 90er Jahre sogar ein Nummer 1-Album in den amerikanischen Charts. Kurz darauf präsentiert er eine neue Version von "Wonderful World", bei dem er über die originale Gesangsspur von Louis Armstrong mit seinem Sopran-Saxophon dudelt.  

Die Beatles nehmen 1967 ein echtes Quatschlied auf, dessen gesamter Text mit dem Songtitel identisch ist: "You Know My Name (Look Up the Number)". Zur Verstärkung holen sie sich einen prominenten Kumpel ins Studio und zwar …

… Brian Jones von den Rolling Stones. Zur Überraschung der Beatles bringt der genussfreudige Multi-Instrumentalist aber nicht seine Gitarre mit ins Abbey Road Studio, sondern ein Saxophon.  

Apropos genussfreudig: Herbert Grönemeyers Hit "Alkohol" wird ebenfalls durch ein markantes Saxophon-Solo veredelt. Dafür verantwortlich ist Charly Mariano, der Mitte der 60er Jahre bereits mit der Jazzgröße Charles Mingus zusammengearbeitet hatte.

1984 setzt auch Nena bei ihren Songs "Lass mich dein Pirat sein" und "?" auf die nachhaltige Wirkung eines gefühlvollen Saxophonsolos. Dazu engagiert die Band einen der meist gebuchten amerikanischen Saxophonisten jener Tage ...

... David Sanborn. Trotz oder wegen seines Erfolgs muss sich der Saxophonist im Laufe seiner Karriere immer wieder von seinen Kollegen aus der Jazz-Abteilung anhören lassen, dass er ja "nur" Popmusik mache. Kritik, die dem sechsfachen Grammy-Gewinner ziemlich egal sein dürfte.

Stand: 14.11.2018, 00:00 Uhr